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Schüler sollen ihre Lehrer im Unterricht duzen – das fordern Berliner Jusos

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Von: Luisa Ebbrecht

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Wenn es nach den Jusos geht, sollen bald alle Schüler in Berlin ihre Lehrer duzen. Nun soll die SPD die Forderung umsetzen.

Berlin - Lehrer im Unterricht duzen? Über diese Idee haben die Jusos nun auf einem Parteitag abgestimmt - mit einem klaren Ergebnis. Die Berliner Mitglieder haben sich am Wochenende fast einstimmig für neue Anredeformalitäten ausgesprochen. Nun ist die Mutterpartei SPD am Zuge und soll die neue Forderung umsetzen.

Name:Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD
Abkürzung:Jusos
Mutterpartei:SPD
Vorsitzende:\tJessica Rosenthal
Mitglieder:über 70.000 (2021)

Lehrer duzen? Ansprache bislang nicht im Schulgesetz geregelt

Bislang ist die Ansprache der Lehrer rechtlich nicht im Schulgesetz geregelt. Eine Änderung der Regelung ist daher nicht ausgeschlossen. Der SPD-Nachwuchs aus Berlin erhofft sich durch das Duzen einen Abbau von Distanz und stattdessen einen Aufbau von mehr Vertrauen und sogar bessere Noten. Schlechtere Noten dagegen bekam ein Student aus Bremen, weil er nicht die gendergerechte Sprache nutzte.

Forderung der Jusos: Schüler sollen ihre Lehrer im Unterricht duzen
Forderung der Jusos: Schüler sollen ihre Lehrer im Unterricht duzen © Peter Kneffel/dpa

Andere Länder machen es vor: In Schweden, Norwegen und Finnland beispielsweise ist das Duzen von Lehrern üblich. Bei der PISA-Studie schneiden die Länder immer mit besseren Noten ab als Deutschland. „Duzen kann also in keiner Weise automatisch mit schlechten Leistungen in Verbindung gebracht werden“, so das Papier der Jungsozialisten.

Jusos wollen, dass Berliner Schüler ihre Lehrer duzen: Verlust von Autorität und Respekt?

Die Forderung der Berliner Jusos beinhaltet, dass allen Schülern freigestellt werden soll, ihre Lehrer zu duzen. Die Idee soll in mehrwöchigen Pilotprojekten erprobt werden. Verpflichtende Fortbildungen sollen Lehrern den Übergang vom Siezen zum Duzen erleichtern. Einige Lehrer äußerten sich kritisch gegenüber der Jusos-Idee. Demnach gehe mit der Änderung der Lehreransprache ein Verlust von Autorität einher. Auch die Neuköllner Grundschulleiterin Astrid Busse ist strikt gegen das Duzen: „Ich bin die Lehrerin – nicht die Freundin oder Mama“, empört sie sich. Die Jusos kontern: In Schweden werden die Lehrer schon mehr als 50 Jahre geduzt, ein Verlust von Autorität und Respekt sei hier nicht erkennbar. Neben der Diskussion um eine neue Lehreransprache ist auch die Maskenpflicht ein Schulen ein heiß diskutiertes Thema.

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Schon im Jahr 2017 wurde eine bundesweite Studie mit 600 Schülern durchgeführt. Die Ergebnisse sind überraschend: Die Entscheidung für Du oder Sie hat Konsequenzen für die Sprachfähigkeit und Disziplin der Schüler. Beim erlaubten „Du“ wurde demnach weniger auf die Rechtschreibung geachtet. Auch Germanist Wolfgang Steinig (Uni Siegen) hatte das Phänomen festgestellt: „Das Siezen erfordert ein anspruchsvolleres Sprachverhalten.“

Nach Duzen-Diskussion: Auch Gender-Diskurs polarisiert

Auch der Gender-Diskurs polarisiert bundesweit*, das machen die jüngsten Umfragen zu dem Thema deutlich. So sprechen sich nur 14 Prozent für die gendergerechten Sprache aus. Offenbar nicht nur der Hamburger Scooter-Frontmann H.P. Baxxter findet Gendersprache „zum Kotzen“. Frauenministerin Christine Lambrecht (SPD) will laut einer Mitteilung das Gendersternchen verbieten. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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