Initiative gegen Belästigung

Influencerin will männerfreie Freibad-Zone – und wird bedroht

  • Annabel Schütt
    VonAnnabel Schütt
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Frauen werden in Freibädern angestarrt, heimlich fotografiert und begrapscht. Influencerin fordert nun männerfreie Zonen – die Reaktionen darauf erschrecken.

Österreich – Einen Tag im Freibad ohne anzügliche Blicke, sexistische Sprüche oder Grapschen, das ist die Vision der österreichischen Influencerin und Unternehmerin Madeleine Alizadeh alias DariaDaria. Da Frauen Tag ein Tag aus Übergriffen von Männern zum Opfer fallen, hat Madeleine es sich zum Ziel gemacht, sich für männerfreie Zonen in Freibädern einzusetzen – etwas, was in vielen Saunen längst als selbstverständlich gilt.

Land in Europa:Österreich
Hauptstadt:Wien
Bevölkerung:8,859 Millionen (2019)
Kanzler:Sebastian Kurz

Männerfreie Zone im Freibad: Österreichische Bloggerin will Frauen vor Blicken und Belästigung schützen

Für Madeleine Alizadeh sei es wichtig, dass Schönheitsstandards, Körpernormen und männlicher Blick zumindest für einen Tag im Jahr draußen bleiben. Stattdessen sollen Frau, Lesben, Inter, nicht-binäre und Trans Personen sich und das Leben feiern – ohne Angst vor Übergriffen haben zu müssen. Ähnliches fordern auch die Grünen mit einem Badetag für  inter- und transsexuelle Menschen. Und auch die SPD springt auf diesen Zug auf und setzt sich für eine „nicht-binären Toilettenausstattung“ in der Öffentlichkeit ein.

„Freibäder sind für weiblich gelesene Personen nicht sicher“: Männerfreie Freibad-Zonen gefordert

„Ein Ort, der für weiblich gelesene Personen sicher ist. Wie wäre das? Gerade im Sommer sind viele Plätze, allem voran Freibäder, Orte die für viele weiblich gelesene Personen nicht sicher sind. Während es in manchen Ländern bereits Frauenbäder gibt, ist das Angebot in Österreich quasi nicht existent“, heißt es in ihrem Aufruf auf Instagram.

Immerhin das Thermalbad Vöslau in Niederösterreich hatte ein offenes Ohr für den Vorschlag: Dort können Frauen einen Tag nach Lust und Laune planschen, ohne sich gaffenden Blicken der Männer ausgesetzt zu fühlen. Unter dem Codeword “Women Almighty” bekommen rund 200 als weibliche Menschen Zugang zu einem extra für sie abgetrennten Badebereich.

Männerfreie Zone in Freibädern: Reaktionen überschlagen sich, Frauen berichten von schlimmen Erlebnissen

Zahlreiche Frauen nehmen die Aktion der Influencerin zum Anlass, um von ihren Erfahrungen zu berichten, die sie selbst nachts in ihren Träumen noch verfolgen. Situationen, in denen Mädchen und Frauen Opfer von Belästigungen wurden und sich nicht zu helfen wussten.

So verrät eine Followerin: „Letzte Woche am Strand hat ein Mann meinen Schritt fotografiert. Ich war alleine und so unfassbar traurig und wütend und fühlte mich hilflos.“ Eine andere Frau erzählt, dass ein Mann sie heimlich in ihrer Umkleidekabine beim Umziehen gefilmt hat. „Diese Geschichten sind keine Einzelfälle, sie sind Teil der Struktur, in der wir leben. Seit ich denken kann, gibt es diese Berichte, die keine Anekdoten, sondern Lebensrealität vieler Menschen sind“, schreibt Madeleine Alizadeh.

Ähnlichen mussten einige jungen Frauen in einer Disco in Friesland erleben. Für zwei Freundinnen endete der Abend im Krankenhaus, nachdem sie sich gegen sogenannte Antänzer zur Wehr gesetzt hatten. Auch die „Chalk Back“-Bewegung will mit Straßenkreide gegen verbale sexuelle Belästigungen vorgehen.

„Schlampe“: Österreichische Influencerin bekommt nach Vorstoß Morddrohungen

Doch der Verstoß der Influencerin löst auch erschreckende Reaktionen aus – Männer beleidigen und bedrohen die junge Frau vor allem über soziale Kanäle. So heißt es beispielsweise auf der Website der konservativen Online-Boulevardseite „Exxpress“: „Das ist die Influencerin, die Wiener Männern das Baden verbietet.“ Zudem soll Madeleine Alizadeh nach eigenen Angaben unter Fotos, die sie leicht bekleidet zeigen, als „Schlampe“ betitel worden sein und gar Morddrohungen erhalten haben.

„Ich komme gar nicht mehr nach, mit dem Löschen von Kommentaren, Blockieren von Personen, die der Meinung sind, es bräuchte keine Aktion, die auf die Probleme von FLINT (Frauen, Lesben, Inter, nicht-binäre und Trans Personen) in Freibädern aufmerksam macht“, so Madeleine Alizadeh.

„Sommer- oder Badekleidung ist keine automatische Einladung zu etwas“

Ob weitere Schwimmbäder folgen und männerfreie Zonen anbieten, ist fraglich. Zumindest für die Frauensprecherin der österreichischen Sozialdemokraten, Eva-Maria Holzleitner, seien „eigene, ausgewiesene Frauenbereiche“ eine gute Alternative für „expliziten Frauenbäder“. „Es ist nicht in Ordnung und nicht zu akzeptieren, dass Frauen laufend mit Nachpfeifen, blöden Sprüchen oder gar körperlichen Übergriffen konfrontiert sind. Sommer- oder Badekleidung ist keine automatische Einladung zu etwas, das müssen alle Männer verstehen“, so Holzleitner.* 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Instagram-Sreenshot/dariadaria & Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa

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