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Rauchfreies Deutschland: Jetzt sollen extreme Maßnahmen kommen

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Von: Anika Zuschke

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Raucher können tiefe Einschnitte in ihren Zigarettenkonsum erwarten: Für ein rauchfreies Deutschland bis 2040 sollen extreme Maßnahmen eingeführt werden.

Wiesbaden – In Deutschland sterben jährlich über 127.000 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum, trotzdem greift noch etwa jeder vierte Erwachsene regelmäßig zum Glimmstängel. Um diese Zahlen herunterzuschrauben, fordert ein Bündnis aus etwa 50 Gesundheitsorganisationen und Hilfswerken extreme Maßnahmen: Dazu zählen Steuererhöhungen, Verkaufsbeschränkungen und Werbeverbote für Nikotinprodukte.

Pflanze:Tabak
Wissenschaftlicher Name:Nicotiana
Familie:Nachtschattengewächse
Gattungen innerhalb dieser Familie:75 Arten

Rauchfreies Deutschland bis 2040? Extreme Maßnahmen gefordert

Dem Bündnis gehören unter anderem die Stiftung Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Kinderhilfswerk und die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin sowie die Deutsche Lungen- und die Herzstiftung an. Sie alle wollen mit einem umfassenden Maßnahmenkatalog das gleiche Ziel erreichen: Die Raucherquote soll bei Erwachsenen von rund 24 Prozent bis zum Jahr 2040 auf fünf Prozent und bei Jugendlichen auf unter zwei Prozent minimiert werden.

Diese „Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040“ wurde laut Spiegel federführend vom Deutschen Krebsforschungszentrum verfasst und rührt daher, dass Deutschland „keine Strategie für eine nachhaltige Tabakkontrolle“ habe und „bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Senkung des Tabakkonsums das Schlusslicht in Europa“ sei. „Wir wollen, dass sich das ändert“, heißt es in dem Strategiepapier. Außerdem sind Forschern zufolge Zigaretten sogar noch viel ungesünder, als bisher angenommen*.

Zehn Maßnahmen für ein rauchfreies Deutschland – Steuererhöhung und Rauchverbot

Zehn Maßnahmen sollen ein rauchfreies Deutschland in knapp 20 Jahren ermöglichen. Dazu zählt eine Erhöhung der Tabaksteuer um mindestens zehn Prozent im Jahr sowie Verkaufsbeschränkungen für Tabakwaren, was sich in einem Automaten- und Auslageverbot zeigen könnte. Das Werben für Zigaretten, Tabakerhitzer und E-Zigaretten soll Spiegel zufolge komplett verboten werden – einschließlich des Sponsoring von Veranstaltungen durch die Hersteller der Produkte.

Eine Frau befestigt einen „Rauchen-Verboten“-Aufkleber an der Scheibe eines Cafés.
Bis zum Jahr 2040 soll Deutschland fast rauchfrei werden. © Armin Weigel/dpa

Außerdem soll in Bildungseinrichtungen, Restaurants und Kneipen, Autos sowie auf Spielplätzen und am Arbeitsplatz ein konsequentes Rauchverbot gelten. Wird damit bald auch ein Rauchverbot in Deutschlands Außengastronomie* eingeführt? Zusätzlich verlangen die Verfasser des Maßnahmenkatalogs die Einführung von Einheitsschachteln (sogenanntes „Plain Packaging“) ohne Markenlogo für Zigaretten, E-Zigaretten und Liquids.

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Maßnahmen gegen das Rauchen seien „alles andere als utopisch“ – Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher

Die Wissenschaftler des Bündnisses möchten diejenigen, die gerne mit dem Rauchen aufhören würden, mit entsprechenden Programmen unterstützen und wollen ein Verbot für Spenden der Tabakindustrie an politische Parteien einführen, berichtet der Spiegel. In Hamburg* greift der Senat bereits langsam durch: Zumindest das Wegwerfen von Zigaretten wird dort nun doppelt so teuer*.

Laura Graen vom Deutschen Krebsforschungszentrum, die als Mitautorin des Strategiepapiers tätig war, ist der Meinung, dass diese Maßnahmen „alles andere als utopisch“ seien und andere Länder derartige Schritte längst durchgeführt hätten. Dass Deutschland diesbezüglich hinterherhinkt, liege unter anderem an der Nähe der Tabakindustrie zur Politik, äußert Graen laut dem Spiegel. Denn Parteitage der CDU und SPD werden beispielsweise immer noch von der Zigarettenlobby mitfinanziert. Ob sich die politischen Vertreter des Landes tatsächlich auf den Maßnahmenkatalog einlassen, bleibt abzuwarten.

Im Gegensatz zum Verbrauch von Zigaretten entwickelt sich Cannabiskonsum in eine ganz andere Richtung: Sogar Lauterbach fordert trotz in Zusammenhang mit Cannabis stehender Schizophrenie und Verbrechen eine Legalisierung* der Droge.

Anteil der Raucher geht zurück – aber Zahlen raucherspezifischer Erkrankungen steigen

Tatsächlich ist der Raucheranteil bei Akademikern in den vergangenen Jahren deutlich gefallen, in bildungsfernen Schichten sind die Zahlen jedoch hoch geblieben. Außerdem erhält eine Generation langjähriger Raucher erst „heute die Quittung für ihren Konsum“, erklärt Martina Pötschke-Langer, Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses „Nichtrauchen“ laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Denn obwohl die Anzahl von Rauchern in Deutschland abnimmt, steigen die Zahlen raucherspezifischer Erkrankungen in stationärer Behandlung im Krankenhaus an. „Der Anstieg der tabakrauchbedingten Klinikaufenthalte ist auf das Rauchverhalten der letzten Jahrzehnte zurückzuführen“, erklärt Pötschke-Langer. Mit der Corona-Pandemie* ist nun ein zusätzlicher Gefahrenfaktor hinzugekommen. Ob sich Raucher leichter mit dem Coronavirus infizieren, ist der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zufolge zwar nicht klar, aber schwere oder sogar tödliche Verläufe seien deutlich häufiger. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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