1. 24hamburg
  2. Niedersachsen

Rassismus-Vorwurf: Kaffeehersteller Julius Meinl ändert Mohren-Logo

Erstellt:

Von: Bjarne Kommnick

Kommentare

Rassismus-Debatte: Wirbel um MEINL-Mohr Österreich.
Schluss mit rassistischen Motiven: Meinl Kaffee macht Schluss mit seinem Mohren-Logo. © Leopold Nekula/VIENNAERPORT/imago

Der Kaffeehersteller Julius Meinl gibt nach Kritik und Protesten nach und verändert sein Markenzeichen. Ab sofort ist Schluss mit dem rassistischen „Meinl-Mohr“.

Das langjährige Logo des österreichischen Kaffeeherstellers Julius Meinl mit Hauptsitz in Wien ist Geschichte. Das Unternehmen zieht Konsequenzen, nachdem die ursprüngliche Variante immer wieder öffentlich in der Kritik stand. Denn zu sehen war ein rassistisches Motiv aus der Kolonialzeit: Der „Meinl-Mohr“, ein stilisiertes afrikanisches Kind, mit schwarzer Hautfarbe und einer Fes-Kopfbedeckung, stereotypisiert im Stile der Kolonialisten.

UnternehmenJulius Meinl
Gründung1862
GründerJulius Meinl I.
Anzahl der Beschäftigten845

Damals mag der „Meinl-Mohr“ wohlmöglich noch dem Zeitgeist entsprochen haben, jedoch war auch Sklavenarbeit zu dieser Zeit noch trauriger Alltag. Nicht verwunderlich also, dass diese Werte längst überholt sein müssten, nicht von ungefähr fordern immer mehr Menschen, den „Mohren“ als Symbol aus der Gesellschaft zu verbannen. Eine Initiative fordert die Umbenennung aller Mohren-Apotheken in Deutschland. In der Tierwelt gab es bereits Veränderung, so haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tausende Vogelarten mit rassistischen Namen unbenannt.

Andauernder Rassismus-Vorwurf: Kaffeehersteller Julius Meinl ändert Logo mit „Mohrenkopf“

Und auch das Unternehmen Julius Meinl war sich offensichtlich schon länger über diese Problematik bewusst. Bereits 2004 habe man das Logo geändert, damals scheinbar jedoch noch nicht konsequent genug. Vom „Meinl-Mohr“ mit schwarzer Hautfarbe, Schmuck und überspitzten stereotypischen Gesichtspartien wandelte das Unternehmen das Logo damals zu einer weißen Silhouette auf rotem Grund.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Dennoch war die Assoziation zum Mohr immer noch unverkennbar. Das Unternehmen sah das erstmal anders. Damals hatte der Designer Mattheo Thin den Auftrag, das Logo zu ändern. Seine Motiv-Idee soll ihn an den „Wiener Braockengerln“ erinnert haben, den er bei seinem Entwurf einfließen lassen haben soll. Für die Geschäftsführung war die Veränderung zufriedenstellend und somit blieb das Logo von 2004 bis 2021 noch bestehen. Wie schwer Veränderung manchmal sein kann, zeigte eine US-Universität, als sie einen 70-Tonnen schweren „rassistischen“ Stein entfernt hat.

Kaffeehersteller ändert Logo nach Rassismus-Kritik: Julius Meinl investiert 7 Millionen in Modernisierung

Das Unternehmen Julius Meinl reagierte erst 17 Jahre später auf seine auf Kritikerinnen und Kritiker: Das Logo wurde nun erneut geändert, die Änderung von 2004 sei heute nicht mehr zeitgemäß, heißt es aus der Geschäftsführung. Dieses Mal bleibt nur noch die Fes als Motiv über. Das Gesicht des „Mohren“ taucht nicht mehr auf. Somit bleibt ein Teil des ursprünglichen Logos bestehen, ohne dabei auf rassistische Motive zu setzten. Damit hat Julius Meinl der heftigen Rassismus-Kritik doch noch nachgegeben. Die kam unter anderem von der Initiative „Mein Julius“, die in dem Logo nichts weniger als die „bildhafte Fortschreibung von Ungleichheit, Diskriminierung und Ausbeutung“ sieht. Nach andauernder Rassismus-Kritik änderte auch Kekshersteller Balsen den Namen der „Afrika“-Kekse. Einige fordern zudem, dass die Hawaii-Pizza umbenannt werden soll – auch hier sei Rassismus im Spiel und auch der Begriff Curry soll rassistisch sein.

Das Unternehmen Julius Meinl investierte in den vergangenen Monaten rund 7 Millionen Euro, um seine Filialen zu modernisieren. Dafür waren alle Standorte geschlossen. Seit Freitag sind sie wieder geöffnet, nun jedoch ohne Mohren-Logo. häufiger werden veraltete Begriffe und Motive hinterfragt. Darum ist auch der „Sarotti-Mohr“ schon lange verschwunden – sowie auch Produkte von Nestlé und anderen wegen Rassismus den Namen geändert haben. Nach heftiger Kritik baut nun der Europapark Rust seine „Dschungel-Floßfahrt“ um. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare