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Rassismus-Vorwürfe zu Halloween: Kostüme nicht mehr zeitgemäß

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Von: Bjarne Kommnick

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Halloween steht vor der Tür. Viele Partys sind bereits lange geplant, genau wie die Kostüme. Gäbe es da nicht ein den ein oder anderen Rassismus-Vorwurf.

Die Auswahl an Kostümen zu Halloween, Fasching und Karneval scheint beinahe grenzenlos zu sein. Doch moralische Fehltritte sind dabei keine Seltenheit. Die meisten dürfte wohl noch das Bild im Kopf haben, als Prinz Harry in einem Hitler-Kostüm abgelichtet wurde. Ein Extremfall. Aber auch unscheinbare Kostüme wie Pocahontas, die jeder von uns mit Sicherheit schon einmal gesehen haben dürfte, können moralisch verwerflich sein. Mit gutem Grund.

EreignisHalloween
UrsprungIrland (1830)
Datum31. Oktober
RhythmusJährlich

Blackfacing ist einer dieser Fehltritt, auf die man um jeden Preis verzichten sollte. Blackfacing ist, wenn sich weiße Menschen dunkler schminken, um schwarze Personen zu imitieren. Bereits im 19. Jahrhundert stellten weiße Schauspieler in den USA schwarze Sklaven dar – damals in den sogenannten „Minstrel-Shows“. Den Ursprung hat diese Art der Verkleidung im europäischen Kolonialismus, der von Unterdrückung unzähliger Menschen, insbesondere schwarzer Personen, geprägt war.

Auch auf deutschen Veranstaltungen ist Blackfacing bis heute keine Seltenheit. Oft heißt es dann: „Ich habe nichts gegen Schwarze“ oder „ich mache das als Zeichen der Anerkennung“. Damit wird man bei Betroffenen jedoch nicht auf fruchtbaren Borden treffen. Denn: Gut gemeint, ist nicht gleichzeitig gut gemacht. Denn: Blackfacing ist definitiv ein rassistisches Mittel! In fast allen Bereichen der Gesellschaft ist Rassismus noch tief verankert, wie eine Initiative aus Verden berichtet.

Halloween-Kostüme als rassistisches Mittel: Aktivistengruppe kämpft gegen kulturelle Nachahmung

Die Aktivistengruppe Kick Out Zwarte Piet (KOZP) aus Eindhoven kämpft gegen dieses Problem. Mit einer Fotoaktion sensibilisieren sie auf Instagram mit Fotos von Personen verschiedener Kulturen, die jeweils ein Bild hochhalten, auf dem jeweils verkleidete Personen zu sehen sind, die die jeweilige Kultur nachahmen wollen. Begleitet werden sie Bilder mit dem Spruch: „We are a culture, not a costume“ und „This is not me, and this is not okay“, auf Deutsch „Wir sind eine Kultur und kein Kostüm“ und „Das bin nicht ich und das ist nicht in Ordnung“.

Rassismus-Vorwürfe zu Halloween: Pocahontas-Kostüm nicht mehr zeitgemäß

Zu den Tabu-Kostümen gehören demnach beispielsweise auch Verkleidungen, die Muslime, Juden, indigene Völker und Personen traditioneller asiatische Kultur nachahmen sollen. Auch das beliebte Pocahontas-Kostüm ist nicht mehr zeitgemäß. Generell jedes Kostüm, bei denen eine Kultur nachgeahmt werden soll, könnten problematisch sein. KOZP schreibt: „Diese Feste sind etwas Großartiges, aber sie müssen auch jedem Spaß machen.“ Viele Kostüme seien dafür ungeeignet, ein Umdenken ist gefragt.

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Umdenken bei rassistischen Strukturen ist ein wichtiger Schritt, um das Problem zu bekämpfen. So nannten Wissenschaftler tausende Vogelarten mit rassistischen Namen um. Zudem wird schon lange das Umbenennen aller Mohrenapotheken in Deutschland gefordert. Sogar ein Kekshersteller hatte ein Produkt umbenannt, weil diese zuvor für einen rassistischen Hintergrund kritisiert worden.

Eine weiße Frau in einem Indianerkostüm und leuchtende geschnitzte Halloween-Kürbisse
Rassismus-Vorwurft: viele beliebte Halloween-Kostüme sollte man heute nicht mehr tragen. (kreiszeitung.de-Montage) © Luká Grinaj/Bernd Weissbrod/dpa/imago

Halloween-Kostüme in der Kritik: Pinterest kämpft gegen Rassismus

Auch die Plattform Pinterest setzt sich ab sofort gegen rassistische Kostüme ein. Dort holen sich viele Userinnen und User immer wieder Inspiration für Verkleidungen, oft unter dem Suchbegriff „cultural appropriation“, also kulturelle Aneignung. Damit ist jetzt Schluss: Pinterest möchte nur noch adäquate Kostüme anzeigen lassen und Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit geben, unangemessene Kostüme problemlos und unkompliziert zu melden.

Pinterest geht sogar so weit und nimmt sogar einen finanziellen Nachteil gegenüber der Konkurrenz in Kauf. Denn auch auf Werbung, die kulturell unangemessen Inhalte vermitteln, sind ab sofort verboten. Die Werbeeinnahmen bleiben stattdessen aus. Doch nicht nur Kostüme können rassistisch sein: So empfehlen Experten auch auf rassistische Kinderlieder wie „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ verzichten. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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