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Rassismus-Vorwürfe: Hawaii-Pizza und Toast Hawaii sollen umbenannt werden

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Von: Annabel Schütt, Ulrike Hagen

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Die Hawaii-Pizza Hawaii soll nach Rassismus-Vorwürfen umbenannt werden. Der Begriff bediene „kolonialistische Stereotype“ – das gilt auch für den Toast Hawaii. 

Hamburg – Kaum eine Variante ist in der Geschichte der Pizza wohl so umstritten wie die „Hawaii-Pizza“. Und wer jemals gewagt hat, einen Italiener nach seiner Meinung zur Version mit Ananas und Kochschinken zu fragen, weiß, dass das süß-salzige Teigprodukt seit jeher eine große Hass-Gemeinde hat, die den Tag seiner Abschaffung ganz groß feiern würde. Nicht ganz so umstritten dagegen ist der Toast Hawaii – an den Kragen geht es aber beiden vermeintlich exotischen Speisen.

Nun gerät die „Spezialität“ zur Zeit aber nicht aufgrund von Geschmacksfragen, sondern für ihren Namen in den Fokus der Kritik – ein Schicksal, das vorher bereits viele andere Gerichte getroffen hat, wie beispielsweise das „Curry“, dessen Umbenennung von Food-Experten und Bloggern gefordert wird, weil der Begriff rassistisch sei.

50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten:Hawaii (seit 1959)
Hauptstadt:Honolulu
Fläche:28.311 km²
Einwohner:1,416 Millionen (2019)

„Bestellt Pizza mit Ananas statt Pizza Hawaii. Gilt auch für den Toast!“ Diesen Beitrag postete die Gruppe Linke PoC/Migrantifa auf Facebook. Im Beitrag erklären die Aktivisten, dass der Ausdruck „Pizza Hawaii“ äußerst problematisch sei. Eben nicht, weil sie ein Angriff auf – vor allem – italienische Geschmacksnerven ist, sondern weil damit eine „Geschichte des Kolonialismus und der Aneignung“ verbunden sei.

Tatsächlich wurde die die Variante der Pizza, die aus Grundteig, Tomatensauce, Schinken, Ananas und Käse besteht – man ahnt es – übrigens weder auf Hawaii noch in Italien, sondern 1962 in Chatham, Kanada, vom Gastronomen Sam Panopoulos erfunden.

Zigeunersauce und Co.: Immer mehr Klassiker werden wegen „Rassismus“ umbenannt

Die „Problem-Pizza“ steht damit nicht alleine da. Ob Bahlsen, Nestlé, Knorr – oder andere Marken. Immer mehr Firmen kassieren aktuell Rassismus-Vorwürfe wegen ihrer Produktnamen. Die Konsequenz: Umbenennung in politisch korrektere Namen. So steht beispielsweise die Zigeunersauce inzwischen als „Paprikasauce Ungarische Art“ im Regal. Die im Grunde nur konsequente Forderung an Gastronomen, auch das „Zigeunerschnitzel“ von der Karte verschwinden zu lassen, stößt jedoch nicht bei jedem Wirt auf Gegenliebe.

Hawaii-Pizza und Toast Hawaii wegen Rassismus in Verruf: Man soll es nicht mehr sagen

Nun also drohen Hawaii-Pizza und Toast Hawaii das gleiche Schicksal wie dem oben genannten „Zigeunerschnitzel“. „Pizza Hawaii“ solle zukünftig „Pizza Ananas” heißen, und auch der „Toast Hawaii“ gehört sich als „Toast Ananas“ bestellt, so die Forderung der Schweizer Gruppe Linke PoC/Migrantifa, die sich „selbst organisierte Antirassisten“ nennt. Der Verweis des Namens auf die Inselgruppe im Pazifik bediene tiefkolonialistische Ressentiments.

Die Bezeichnung „Hawaii“ sei mit der Geschichte des Kolonialismus und der Aneignung verbunden, denn genau mit dem Ananasanbau sei die indigene Bevölkerung von weißen Siedlern ausgebeutet worden. In der Debatte gehe es also nicht direkt um Rassismus, sondern um „koloniale Stereotype“.

Nahaufnahme von einer Pizza Hawaii
Ciao, „Pizza Hawaii“: Die Forderung nach der Abschaffung der „Spezialität“ kommt nicht aus Italien – sondern aus der Schweiz! © agefotostock/Imago

Neben Rassismus-Vorwürfen Hawaii-Pizza und Toast Hawaii: Auch Bahlsen-Kekse nach Kritik umbenannt

Die Geschichte erinnert an die Debatte um den Namen eines Gebäckes, das ebenso vermeintlich „nur“ einen geografischen Namen trug: Nach über 60 Jahren benannte der Hannoveraner Keks-Hersteller Bahlsen nach einem Rassismus-Shitstorm seine „Afrika“-Waffeln um. Der dunkle Waffel-Keks heißt nun „Perpetum“.

Bleibt am Ende die Frage: Wer würde wirklich um die „Pizza Hawaii“ weinen? Wohl überraschend viele: Umfragen haben ergeben, dass sie nach der Salami-Variante tatsächlich die zweitbeliebteste Pizza Deutschlands ist*! Vor allem bei den Befragten im Alter von 65+ ist sie mit 29,09 Prozent heißbegehrt –  während jüngere Befragte zwischen 18 und 24 Jahren sie mit 17,16 Prozent und auch die 25 bis 34-jährigen mit 18,89 Prozent eher weniger leiden können. Nun gut, ein neuer Name ändert ja zum Glück (oder leider) letztendlich nichts am Geschmack des Ananas-Kochschinken-auf-Teig-Gerichtes. * 24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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