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Offizielle Corona-Zahlen falsch: Mediziner warnen vor hoher Dunkelziffer

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Von: Fabian Raddatz

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Offizielle Corona-Zahlen falsch: Mediziner warnen vor hoher Dunkelziffer
Weil viele Infizierte derzeit einen Antigentest statt einen PCR-Test machen, gebe es laut Nießen eine „Untererfassung der Infektionen“. © Andreas Arnold/dpa

Weil viele Infizierte keinen PCR-Test mehr machen, seien die Corona-Zahlen um ein Vielfaches höher als offiziell angegeben, warnen Amtsärzte.

Berlin – Die Corona-Zahlen in Deutschland sind laut Amtsärzteverband deutlich höher als offiziell angegeben. Laut den Mediziner sei die Dunkelziffer etwa zwei- bis dreimal so hoch, sagte Johannes Nießen, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖDG), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die offiziell registrierten Zahlen würden sich aus den gemeldeten positiven PCR-Tests ergeben, doch weil viele Infizierte derzeit eher einen Antigentest statt einen PCR-Test machen würden, gebe es laut Nießen eine „Untererfassung der Infektionen“. Das Corona-Monitoring von Abwasser und Antikörperstudien von Blutspenden würden die Annahme der Untererfassung stützen.

Mediziner warnen vor hoher Corona-Dunkelziffer: Lediglich 890.000 PCR-Tests registriert

Auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sieht das bestätigt: „Nur ein Teil derjenigen, die einen positiven Schnelltest haben, machen zur Bestätigung auch einen PCR-Test.“ Allein deswegen sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

So registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) in der Woche ab dem 18. Juli lediglich 890.000 PCR-Tests. Im Januar und März dieses Jahres seien es zu Spitzenzeiten rund 2,5 Millionen Tests pro Woche gewesen, heißt es in dem Bericht. Täglich mehrere Zehntausend Coronainfektionen verzeichnet das RKI zurzeit. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei mehr als 400.

Mediziner werben für vierte Corona-Impfung

Die Mediziner warben gleichzeitig für eine vierte Coronaimpfung, die auch von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen wird. Demnach sei eine zweite Auffrischungsimpfung vor allem für Menschen über 70, Vorerkrankte und Pflegepersonal sinnvoll, so Verbandschef Weigeldt zur Rheinischen Post.

Dabei müsse auch die individuelle Situation des einzelnen Patienten in Betracht gezogen werden. Weigeldt: „Ob jemand 69 oder 70 ist, wird dabei natürlich nicht die alles entscheidende Frage sein, denn am 70. Geburtstag wird ja kein Schalter umgelegt.“ Ein jüngerer Patient mit Vorerkrankungen könne stärker gefährdet sein als ein 70-Jähriger, „der topfit ist“.

Immunologe: Mit vierter Corona-Impfung besser noch warten

Der Immunologe Carsten Watzl sieht aktuell Gründe, mit einer vierten Corona-Impfung noch auf an die Omikron-Variante angepasste Vakzine zu warten. „Da die angepassten Impfstoffe hoffentlich nächsten Monat kommen, kann man jetzt auch warten, wenn man die vierte Impfung bisher noch nicht gemacht hat“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). „Die Impfung mit den angepassten Impfstoffen verstärkt noch einmal die Immunität gegenüber Omikron und sie werden wahrscheinlich auch einen gewissen Schutz vor Infektionen bieten.“

Watzl erläuterte, wenn man sich jetzt zum vierten Mal mit den bisherigen Impfstoffen impfen lasse, sollte man mindestens drei bis sechs Monate warten bis zur nächsten Impfung. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der derzeit mit Corona infiziert ist, hatte jüngst gesagt, er erwarte zum Herbst vier neue, angepasste Impfstoffe mit Zulassung frühestens am 9. September.

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