Großzügige Spende

Obdachlose kriegen irre Almosen: Frau verschenkt Goldbarren im Wert von 26.400 Euro

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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So großzügig wurden Obdachlose wohl selten bedacht. In Hannover spendete eine unbekannte Frau einen ganzen Goldbarren. Gegenwert: 26.400 Euro.

  • Anonyme Spenderin bringt Goldbarren zum Diakonischen Werk in Hannover*. Wert: rund 26.400 Euro.
  • Geld soll der Obdachlosenhilfe zugutekommen.
  • Hamburg* hat in der Coronavirus*-Krise die Hilfen für Obdachlose verstärkt.

Hannover/Hamburg – Es ist eine Geschichte wie aus einem Hollywood-Film. Plötzlich steht eine ältere Dame vor der Eingangstür des Diakonischen Werkes in Hannover. Sie überreicht einen schweren Umschlag und sagt: „Überraschung. Machen Sie etwas Schönes damit.“ Und tatsächlich, die Überraschung war groß. Denn in dem Umschlag war ein Goldbarren. Er soll den Obdachlosen zugutekommen.

Stadt in Niedersachsen:Hannover
Fläche:204 km²
Bevölkerung:532.163 (2016)
Vorwahl:0511
Bürgermeister:Belit Onay

Anonyme Spenderin: Goldbarren für Diakonisches Werk in Hannover – Obdachlosenhilfe soll unterstützt werden

Viel Aufhebens machte die Wohltäterin um ihre gute Tat nicht. Bentje Sara, die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, hatte den Brief entgegengenommen, wie das Diakonische Werk mitteilte. Die ältere Dame hätte den Umschlag überreicht, ihre Grußworte gesagt, habe sich umgedreht und sei wieder verschwunden.

Irre Spende: Ein ganzer Goldbarren soll Diakoniepfarrer Rainer Müller-Brandes bei der Obdachlosenhilfe unterstützen. (24hamburg.de-Montage)

Im Umschlag befand sich neben dem 500 Gramm schweren Goldbarren auch noch eine ebenso kurze wie klare Botschaft: „Für die Obdachlosenarbeit.“ Ein Bereich, der immer Unterstützung brauchen kann, bemerkt auch Rainer Müller-Brandes, der Diakoniepastor: „Wir danken der anonymen Spenderin für die unglaubliche Wertschätzung unserer Arbeit mit den wohnungslosen Menschen. Wir werden das Geld für die medizinische Versorgung der Obdachlosen und ihre weitere Unterstützung einsetzen, denn da wird es sehr dringend benötigt!“

Gespendeter Goldbarren jetzt besonders wertvoll: Goldpreis ist in der Coronavirus-Krise stark gestiegen

Die Spende ist vor allem in der jetzigen Zeit besonders wertvoll. Bei vielen Anlegern gilt Gold als Krisenanlage. Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist der Preis für das Edelmetall stark gestiegen. Kostete eine Feinunze (28,35 Gramm) am 22. Dezember 2019 noch 1.125 Euro, mussten am 6. August dafür schon 1.721 Euro bezahlt werden. Es war ein Allzeithoch.

Auf 3.000 bis 4.000 schätzt die Volkswagenstiftung die Zahl der wohnungslosen Menschen in Hannover. Zwar kämen viele davon bei Freunden oder Verwandten unter, dennoch müssten zwischen 300 und 500 Menschen auf der Straße leben. Zahlen, die jedoch nur geschätzt werden können. Konstanze Beckedorf, die Sozial- und Sportdezernentin der niedersächsischen Landeshauptstadt, geriet wegen der Statistik auf einer Podiumsdiskussion der Volkswagenstiftung Ende 2019 gehörig unter Druck. Werner Buchna, ein ehemaliger Obdachloser, warf der Stadtregierung vor, dass es zu wenige Schlafplätze gäbe.

Winter für Obdachlose besonders gefährliche Zeit: Goldbarren kann Abhilfe schaffen

Zwar herrscht gerade noch Sommer, doch in der Obdachlosenhilfe blickt man schon besorgt auf den anstehenden Winter. Es sind die schwierige, sogar lebensbedrohliche Monate für Menschen, die auf der Straße leben müssen. Der Goldbarren, den die ältere Dame dem Diakonischen Werk in Hannover überreicht hat, wird deswegen wahrscheinlich auch das Winternotprogramm mitfinanzieren.

Unter dem Dach des Winternotprogramms sind Notschlafplätze und Anlaufstellen für Obdachlose zusammengefasst. Unterstützt wird es durch eine Kampagne, die Menschen aus Hannover auf das Projekt aufmerksam machen soll. Und den Kältebus der Johanniter. Er bietet obdachlosen Menschen eine medizinische Erstversorgung und warme Mahlzeiten. Nicht jeder Mensch hat einen Goldbarren übrig, um obdachlosen Menschen zu helfen. Doch es geht auch günstiger. Der Malteser Hilfsdienst hat sechs einfache Regeln zusammengestellt, mit denen jeder Menschen helfen kann, die auf der Straße leben.

So kann jeder obdachlosen Menschen helfen

  • Suche das Gespräch. Denn auch die soziale Isolation ist für Obdachlose ein Problem.
  • Zeige Respekt. Ein Gruß oder ein freundlicher Blick kosten nichts.
  • Verurteile nicht. Vorurteile sollten nicht dazu führen, aus Prinzip kein Kleingeld zu spenden.
  • Hol Hilfe. Gerade, wenn draußen wieder Minusgrade herrschen.
  • Spende sinnvoll. Nur das weitergeben, was man selbst als Spende annehmen würde.
  • Suche dir eine Spendenaktion. Viele Städte haben Gabenzäune, Kleidersammlung oder andere zielgerichtete Projekte.
Der Kältebus in Hamburg wird bald wieder zum Einsatz kommen müssen, um obdachlosen Menschen zu helfen.

Wie groß die Not auch in Hamburg ist, zeigte ein Vorfall an der Bahnstation Landungsbrücken. Ein Obdachloser kletterte einer Pfandflasche hinterher* und wurde vom Zug erfasst. Um die Folgen der Coronavirus-Krise abzumildern hatte die Stadt Hamburg ein spezielles Notprogramm für Obdachlose* beschlossen. Auch die Hamburger selbst beschlossen zu helfen. So funktionierte Reeperbahn-Wirt Daniel Schmid seinen Elbschlosskeller zu einer Anlaufstelle für obdachlose Menschen um*, die dort Essen und medizinische Erstversorgung bekamen. * 24hamburg.de und nordbuzz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. 

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann/Bentje-Sara Carl/Stadtkirchenverband Hannover/dpa

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