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Nordex streicht 500 Jobs: Produktion von Rotorblättern für Windräder bald im Ausland

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Von: Andree Wächter

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Nordex will die Produktion von Rotorblättern für Windräder in Rostock bis zum 30. Juni beenden. Über 500 Beschäftige könnten auf der Straße stehen.

Rostock - Deutschland will schneller und mehr Windräder bauen. Da passt die Meldung der Firma Nordex überhaupt nicht ins Bild: Mehr als 500 Beschäftigte müssen damit rechnen, dass die Rotorblattfertigung in Rostock endgültig geschlossen wird. Nordex will die Produktion ins Ausland verlagern. Als Begründung für die bevorstehende Schließung nannte Nordex ein schwieriges Umfeld. Es würden immer größere Rotorblätter benötigt. Diese seien am Standort nicht zu produzieren. Dies würde bedeuten, dass in Zukunft die Rotorblätter für Windräder um die halbe Welt gefahren werden, damit in Deutschland die Energiewende klappt.

Nordex Gründung1985
SitzHamburg
Mitarbeiter weltweitca. 8500 (Stand 2020)
Umsatz4.650 Mio. Euro (2020)

Nordex hatte Ende Januar angekündigt, die Rotorblatt-Fertigung in Rostock Ende Juni einzustellen. Eine etwaige Transfergesellschaft für das von der Schließung bedrohte Nordex-Rotorblattwerk in Rostock müsste allein das Unternehmen tragen. Anders als bei den MV-Werften werde im Fall des Windanlagen-Bauers das Werk eines intakten Unternehmens ins Ausland verlagert, stellte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Rande einer IG-Metall-Veranstaltung zur insolventen Werften-Gruppe in Schwerin fest. Dies sagte er bereits vor einer Woche.

Derzeit verhandelt die Gewerkschaft über die Einsetzung einer solchen Transfergesellschaft und hofft auf die Übernahme des Standorts durch neue Investoren. Allerdings drängt die Zeit. Denn am 30. Juni sollen die Tore für immer schließen.

Windräder: Nordex und Landesregierung sprechen

Die Landesregierung führt den Angaben zufolge weiter Gespräche mit Nordex, bisher sei noch keine Änderung der Haltung festzustellen. Man sei jedoch auch an andere Firmen herangetreten. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) betonte ebenfalls am Rande der IG-Metall-Veranstaltung, dass sie sich beim Ausbau der Erneuerbaren Energien mehr Unterstützung vom Bund wünscht. „Die Windkraft gibt es vor allem auf See“, betonte Schwesig die Bedeutung der Küstenländer für die angestrebte beschleunigte Energiewende.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium hatte wegen der Schließungspläne bereits reagiert. „Für das Gelingen der Energiewende und den ambitionierten Ausbau der Windenergie an Land werden alle vorhandenen Produktionskapazitäten, insbesondere die in Deutschland verfügbaren, benötigt“, teilte eine Sprecherin bereits Anfang Mai mit. Seit Bekanntwerden der Nordex-Entscheidung bestehe ein sehr enger und regelmäßiger Austausch.

Ein Arbeiter prüft die Spitzen von Rotorflügeln für Windräder auf dem Gelände von Nordex in Rostock. Ende Juni soll damit Schluss sein.
Ein Arbeiter prüft die Spitzen von Rotorflügeln für Windräder auf dem Gelände von Nordex in Rostock. Ende Juni soll damit Schluss sein. © dpa

Zu allem Überfluss brach am Mittwoch (25. Mai) auch noch der Aktienkurs ein, nachdem es eine Gewinnwarnung gab. Die Papiere des Unternehmens rutschten am Frankfurter Finanzmarkt auf den tiefsten Stand seit August 2020 ab, ihr Kurs büßte zwischenzeitlich knapp 20 Prozent ein. Nordex dürfte in diesem Jahr nach eigenen Angaben nur noch im besten Fall in den schwarzen Zahlen abschließen. Ende März war der Geschäftsausblick noch optimistischer. Die Aktien erholen sich vom Rückschlag der vergangenen Tage, hieß es damals.

Neben Lieferkettenproblemen hatte Nordex Anfang April mit einem Cyperangriff zu kämpfen. „Die Störung wurde frühzeitig bemerkt und Gegenmaßnahmen wurden umgehend gemäß entsprechender Krisen-Protokolle eingeleitet“, hieß es damals in einer Mitteilung. es ist unklar, ob die Cyberangriffe im Zusammenhang mit den anderen Angriffen auf Windräder in Ostfriesland stehen.

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