Impfkampagne der Regierung

Nichts für schwache Nerven: Australien schockt Impfmuffel mit Video

  • Annabel Schütt
    VonAnnabel Schütt
    schließen

Eine Frau ringt nach Atmen und dann – Totenstille. Mit diesen Szenen will Australien die Impfkampagne vorantreiben. Doch stattdessen sorgt das Video für Unmut.

Australien – Egal ob Australien oder Deutschland: Vielerorts stockt die Impfkampagne im Kampf gegen das Coronavirus. Überall scheint es nach anfänglichem Mangel mehr Impfstoff als Impfwillige zu geben. Ausschließlich Frankreich kann Rekordzahlen bei den Impftermin-Buchungen verzeichnen, nachdem Präsident Emmanuel Macron angekündigt hatte, strengere Corona-Regeln und eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal einzuführen.

Während in Deutschland derzeit über Geldprämien und Geschenke für impfwillige Bürger oder gar Bußgeldern für „Impfschwänzer“ nachgedacht wird, greift Australien zu deutlich drastischeren Maßnahmen, um der hochansteckenden Delta-Variante und der Impfmüdigkeit Einhalt zu gebieten.

Land in Ozeanien:Australien
Premierminister: Scott Morrison
Hauptstadt:Canberra
Bevölkerung:25,36 Millionen (2019)

Nichts für schwache Nerven: Junge Corona-Patientin ringt in australischem Werbeclip nach Luft

Mit den Worten „Das folgende Video zeigt die Darstellung einer schweren Covid-19-Erkrankung. Einige könnten sich davon gestört fühlen“ und einem, im wahrsten Sinne des Wortes, Schockvideo will die australische Regierung all jene Menschen wachrütteln, die sich einer Impfung bis dato verweigern oder jene, die wie in Deutschland, einfach ihren Impftermin sausen lassen.

Der Clip zeigt eine junge, sterbende Frau, die an Beatmungsgeräte angeschlossen ist und im Krankenbett um ihr Leben kämpft. Ihr Blick ist voller Angst und sie schnappt panisch nach Luft, übertönt wird ihr Keuchen nur von dem monotonen Piepen der Maschinen. „Warum hilft mir keiner?“, scheinen ihre Augen sagen zu wollen. Nach 19 Sekunden, die einem endlos erscheinen, erscheint eine Botschaft: „Covid-19 kann jeden treffen. Bleibt zu Hause. Lasst euch testen. Bucht euren Impftermin.“ Frei nach dem Motto: Wer sich nicht impfen lässt, stirbt...

„Vollkommen unanständig, auf jede Art daneben“: Australien schockt mit neuer Impfkampagne

Doch der Clip, der eigentlich viele Menschen in Australien dazu animieren soll, sich impfen zu lassen, wirkt für viele abschreckend. Auch Bill Bowtell, Professor an der Universität von New South Wales, findet, dass der Spot „auf jede Art verkehrt“ sei. Zudem stelle das Video die „Realität einer Covid-Erkrankung nicht authentisch“ dar und sollte daher aus dem Netz genommen werden.

Mit einem Video, in dem eine junge Frau um ihr Leben kämpft, ruft die australische Regierung zum Impfen auf. (24hamburg.de-Montage)

Es sei „vollkommen unanständig eine solche Anzeige zu schalten, während viele Menschen in dieser Altersgruppe auf ihre Impfung warten“, twitterte zudem der australische Moderator Hugh Riminton. Das Problem: Ausgerechnet jüngere Menschen, die mit dem Video erreicht werden sollen, warten vergeblichst auf ihre Impfung. Denn: Die offizielle Gesundheitsberatung rät jungen Menschen auf eine Pfizer-Impfung zu warten – doch die gibt es frühstens Ende des Jahres. Astrazeneca sei zwar ausreichend vorhanden, jedoch von der Regierung aufgrund der sehr seltenen Fälle von Blutgerinnseln im Gehirn für die Altersgruppe von 16 bis 59 Jahren nicht empfohlen.

Die australische Wissenschaftlerin Jessica Kaufman geht sogar einen Schritt weiter und warnt, dass diese unnötige „Angstkampagne“ den gegenteiligen Effekt auslösen könnte.

Während die Stimmen immer lauter werden, die Kritik an der Impfkampagne der australischen Regierung üben, hält Chief Health Officer Paul Kelly an den angeblich guten Absichten fest. Es gehe darum, die richtige „Botschaft in die Wohnzimmer zu bringen“. „Wir tun das nur wegen der Situation in Sydney“, so Kelly weiter, nachdem der Lockdown in der australischen Hauptstadt um eine weitere Woche verlängert wurde. Man habe sich daher bewusst „für drastische Bilder“ entschieden, um „der Botschaft Nachdruck zu verleihen“. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Westend61/IMAGO & Australian Government Department of Health/YouTube

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare