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Nach Großbrand: Schaulustige hetzen gegen Feuerwehr

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Von: Sebastian Peters

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Feuer in Neu Wulmstorf bei Hamburg
Schaulustige hetzten gegen die Feuerwehrkräfte. Sie seien zu langsam gewesen. Hätten absichtlich das Haus abbrennen lassen. © Sebastian Peters

In Neu Wulmstorf kam es zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Flammen machten eine Doppelhaushälfte unbewohnbar. Nun folgt harte Kritik an der Feuerwehr.

Neu Wulmstorf – Als die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neu Wulmstorf am Mittwoch, 1. Juni 2022, am Einsatzort in der Straße Elchpfad eintrafen, schlugen bereits Flammen meterhoch in den Nachthimmel. Eine Rauchwolke, die in Richtung Hamburg zog, war weit sichtbar. Sofort suchten die Einsatzkräfte nach möglichen verletzten oder sogar vermissten Personen. Anfänglich war die Vermutung geäußert worden, dass möglicherweise noch ein Mensch im Haus vermisst sei. Dies bestätigte sich zum Glück nicht. 

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Feuerwehreinsatz Neu Wulmstorf: Großbrand zerstört Doppelhaushälfte

Routiniert und mit höchster Professionalität sind Einsatzkräfte mehrerer ehrenamtlicher Wehren teilweise sogar in das brennende Gebäude gerannt. Von Außen löschten zeitgleich zwei Drehleitern. Eine davon kommt direkt aus dem Ort, eine weitere wurde zusätzlich aus Buxtehude angefordert. Sogar Einsatzkräfte der Feuerwehr Hamburg sind vor Ort gewesen. Nur durch eine sogenannte Riegelstellung konnte das Ausbreiten der Flammen auf die andere Haushälfte verhindert werden.

Die hauptsächlich ehrenamtlichen Einsatzkräfte waren bis in den frühen Morgen mit Löscharbeiten beschäftigt. Danach wechselten die Ehrenamtlichen Feuerwehrleute die Klamotten und mussten zu ihrer eigentlichen Arbeit. Was nur wenige wissen, ihr Einsatz in der Nacht war ehrenamtlich. Keiner bekommt dafür Geld. Keiner hat „nur“ diesen Job. Sie müssen nach dem Löscheinsatz wieder zurück zu ihrer eigentlichen Arbeit.

Schaulustige hetzen gegen Feuerwehr: Feuerwehr lässt das Haus absichtlich abbrennen

Allerdings waren wohl nicht alle Anwohner, Nachbarn und Schaulustigen über den nächtlichen Einsatz der Feuerwehr glücklich. Einer Einsatzkraft platzte vor Ort sogar der Kragen. Die Einsatzkraft ging proaktiv zu den Schaulustigen und erklärte ihnen das Vorgehen der Feuerwehr und erläuterte genau, warum die Drehleiter gerade kein Wasser auf das bereits durchgebrannte Dach des Hauses schießt. Dies wurde nämlich von den Schaulustigen bemängelt. Der Vorwurf wurde breit, die Feuerwehr lasse das Haus absichtlich abbrennen. Eine unglaubliche Unterstellung.

Der Hintergrund, warum die Drehleitern kein Wasser auf das Feuer gaben, ist nämlich für die Retter lebenswichtig. Als die Drehleitern aufgestellt und bereit gemacht wurden, waren noch Einsatzkräfte unter Atemschutz im Gebäude. Sie versuchten, die Flammen von innen zu bekämpfen und so den Totalverlust des gesamten Gebäudes zu verhindern.

Feuer Neu Wulmstorf
Mitten in den Flammen steht ein Feuerwehrmann und versucht die Flammen von innen zu bekämpfen. Die Drehleitern, die zu diesem Zeitpunkt bereits ausgefahren warne, durften kein Wasser auf das Feuer geben. © Sebastian Peters

Hätten die Kollegen auf der Drehleiter in diesem Moment mit Wasser von oben gelöscht, wären die Einsatzkräfte in dem Haus durch heißen Wasserdampf regelrecht gekocht worden. Lebensgefahr! Genau deshalb üben die ehrenamtlichen Kräfte regelmäßig ihre Handgriffe. Damit nichts schiefgeht. 

Nachbar beschwert sich über Wasserschlauch in seinem Garten – Polizei schreitet ein

Allerdings wollten die Schaulustigen die Erklärung nicht wirklich verstehen. Das Meckern und Jammern ging weiter. Ein Nachbar beschwerte sich sogar, dass ein Feuerwehrschlauch durch seinen Garten geführt wurde. Die Polizei musste den wütenden Nachbarn aufklären. 

Ein großes Unverständnis machte sich unter den Rettern breit. „Es ist unmöglich, was da gestern für Kommentare fielen“, schreibt eine Feuerwehrkraft. Der Versuch, die Schaulustigen „aufzuklären“ scheiterte – sie seien wohl unbelehrbar, äußert sich die Feuerwehrkraft gegenüber 24hamburg.de

Feuer in Neu Wumlstorf
Notruf 112 nicht erreichbar gewesen? Dies äußert eine Userin bei Facebook. © Screenshot Facebook

Auch online bei Facebook schreibt eine Frau über die Feuerwehr. In einer lokalen Gruppe kommentiert sie: „Als wir 112 angerufen haben, ging niemand ans Telefon. Wie kann das sein? …“ Mutmaßlich ist es genau zu diesem Zeitpunkt zu einer Vielzahl von Notrufen gekommen. Sind alle Telefonplätze in der Leitstelle besetzt, landet man in einer Warteschlange. Besonders in der Nacht arbeitet in der Rettungsleitstelle nur eine geringe Anzahl an Mitarbeitern. Bei besonderen Lagen wie Unwetter oder ähnlichen größeren Schadenslagen können zwar weitere Mitarbeiter in die Leitstelle gerufen werden, dies war bei dem Feuer allerdings nicht der Fall.

Trotz der negativen Kommentare der Schaulustigen löschten die Einsatzkräfte das Feuer. Ein Sachschaden von rund 200.000 € entstand. Die Polizei ermittelt nun, weshalb es überhaupt zum Brand kommen konnte. Die Frage ist auch, warum die Flammen so lange unbemerkt blieben. Erst durch das Geräusch von knackendem Holz wurden Bewohner und Nachbarn aufmerksam. 

Feuerwehreinsatz in Neu Wulmstorf
Die Flammen haben die gesamte „Dachhaut“ durchgebrannt. © Sebastian Peters

Einer der schwersten Vorwürfe sei allerdings, dass die Retter zu langsam gewesen wären. Wie kann das sein? Fakt ist, als das Feuer bemerkt wurde, hatten sich die Flammen bereits großflächig ausgebreitet. Nach Eingang des Notrufes rückte das erste Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Neu Wulmstorf nach wenigen Minuten aus.

Durch einen glücklichen Zufall schraubten nämlich mehrere Feuerwehrkräfte in einer privaten Garage an deren Fahrzeugen, als der Notruf einging. Durch die Nähe der Garage zur Wache der Feuerwehr konnte das erste Fahrzeug nach wenigen Augenblicken bereits ausrücken. Der Vorwurf, dass die Retter zu langsam wären, stimmt also nicht.

Allerdings könnte die Zeit zwischen dem Entdecken des Feuers und Absetzen des ersten Notrufes länger gewesen sein. Die Polizei Harburg schreibt in einer Pressemitteilung: „Gegen 22:30 Uhr, wurden Bewohner einer Doppelhaushälfte an der Straße Elchpfad durch Geräusche geweckt. Beim Nachschauen entdeckten sie, dass sich Rauch und Flammen im Obergeschoss ausbreiten.“

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