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Mit Folter gegen Übergewicht: Kiefersperre soll Kilos purzeln lassen

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Von: Annabel Schütt

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Abnehmen? Für neuseeländische Forscher kein Problem. Mithilfe einer Kiefersperre sollen die Kilos purzeln. Im Netz stößt das Produkt nicht auf Begeisterung.

Otago, Neuseeland – Die Menschheit hat im Laufe der Zeit bereits so einige fragwürdige Diätmethoden hervorgebracht. Was neuseeländische und britische Forscher nun allerdings entwickelt haben, ist an Skurrilität nicht zu überbieten. Mithilfe einer magnetischen Kiefersperre, die so manchen an ein mittelalterliches Folterinstrument erinnert, sollen übergewichtige und an Adipositas erkrankte Menschen zukünftig auf ein Magenband oder eine chirurgische Magenverkleinerung verzichten können – und trotzdem sagenhafte Abnehmerfolge feiern.

Übergewicht:über das Normalmaß hinausgehende Erhöhung des Körperfettanteils
Index:BMI - Body-Mass-Index
Typen:Androider Typ (Apfeltyp), Gynoider Typ (Birnentyp)

Gewichtsreduktion durch Kiefersperre? Forscher entwickeln metallenes Folterinstrument

Wer abnehmen will, muss weniger Essen. Wenn das mal so leicht wäre! Viel zu verlockend ist der Duft eines fettigen Burgers oder eines lauwarmen Lava Cakes. Gerade in Lockdown-Zeiten trösteten sich viele Menschen mit leckerem Essen – wegen der sogenannten Corona-Wampe schlug nicht nur ein Hamburger Mediziner Alarm. Grundsätzlich macht Ärzten die ungesunde Ess- und Lebensweise Sorgen. Um die Kilos trotz der ein oder anderen Leckerei zum Purzeln zu bringen, greifen viele auf Flüssigmahlzeiten in Form von Abnehm-Shakes zurück – die geschmacklich leider oft ein Fall für die Tonne sind.

Eine magnetische Kiefersperre namens „DentalSlim Diet Control“ soll nun allerdings Abhilfe schaffen und vor allem übergewichtigen oder an Adipositas erkrankten Menschen das Abnehmen erleichtern. Bitte was?

Kiefersperre zum Abnehmen ist echtes Foltergerät

Tatsächlich haben Forschern aus Neuseeland und Großbritannien ein modernes Foltergerät entwickelt, mit dem sich der Mund nur noch wenige Millimeter öffnen lässt, sodass man keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen kann. Ein Magenband oder eine Magenverkleinerung sollen damit der Vergangenheit angehören. Atmen und Sprechen soll hingegen weiterhin problemlos möglich sein – na immerhin etwas!

Eine übergewichtige Frau läuft durch die Stadt. Im Kreis ist die magnetische Kiefersperre der neuseeländischen Forscher zu sehen. (24hamburg.de-Montage)
Neuseeländische Forscher haben eine magnetische Kiefersperre entwickelt, um Übergewichte zum Abnehmen zu bewegen. (24hamburg.de-Montage) © Winfried Rothermel/IMAGO & University of Otago /Twitter

„Forscher der Universität Otago und des Vereinigten Königreichs haben ein weltweit erstes Gerät zur Gewichtsreduktion entwickelt, um die weltweite Fettleibigkeitsepidemie zu bekämpfen“, heißt es dazu auf der Internetseite der Universität Otago in Neuseeland. Im Schnitt hätten die Probandinnen im Rahmen einer Studie  6,36 Kilo in zwei Wochen verloren. Schon nach zwei bis drei Wochen könnten die Magnete schon wieder entfernt werden, da sich bereits nach so kurzer Zeit die neuen Essangewohnheiten manifestiert hätten – quasi – „Kick-Start“ für den Prozess der Gewichtsabnahme.

„Abstoßend und entmenschlichend“: Kritik gegen magnetische Kiefersperre in den sozialen Medien

Während die Forscher sich für ihren angeblichen Erfolg feiern, da es eine nicht-invasive, reversible, günstige und attraktive Alternative zum Magen-Bypass sei, spaltet die magnetische Kiefersperre das Netz. User werfen den Forschern „Fat Shaming“ vor, und Kritiker bezeichnen die Kiefersperre als „abstoßend und entmenschlichend“. Zudem schreibt ein Twitter-Nutzer: „Wenn die Gesellschaft dicke Menschen so sehr hasst, dass ihnen Magneten auf ihre Zähne befestigt werden, um sie damit zu zwingen flüssige Nahrung zu sich zu nehmen, um zu überleben.“

Auch für die AdipositasHilfe Deutschland e.V. sei diese Kiefersperre kein probates Mittel, um krankhaftem Übergewicht den Kampf anzusagen. „Einem Menschen den Kiefer zwanghaft einzuengen, ihm nicht mal die Möglichkeit zu geben zwischendurch vielleicht Rohkost zu essen und somit den Kaubedarf des Menschen zu befriedigen, kann psychisch nicht ohne Folgen bleiben“, so Michael Wirtz.

Nach dieser niederschmetternden Kritik bezieht auch die Universität Otago Stellung zu ihrem vermeintlichen Folterinstrument: „Das Gerät ist nicht als schnelles oder langfristiges Hilfsmittel zur Gewichtsabnahme gedacht, sondern soll Menschen helfen, die sich einer Operation unterziehen müssen und diese erst nach einer Gewichtsabnahme durchführen lassen können.“ Na dann: Prost, Mahlzeit.

Wer statt magnetischer Kiefersperre tatsächlich auf gesunde Ernährung setzt, sollte unbedingt das perfekte Frühstücksei von Steffen Henssler als Proteinquelle oder die Mallorca-Rezepte von Tim Mälzer ausprobieren. Sollte die Lust, sich selbst an den Herd zu stellen, sich allerdings in Grenzen halten, wäre ein Besuch in Tim Mälzers neuem italienischen Restaurant „Pezzo di Pane“ vielleicht eine gute Idee. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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