Inklusive Sprache über den Wolken

Lufthansa: Schluss mit „Willkommen an Bord, meine Damen und Herren“

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Die Gender-Debatte nimmt jetzt Einfluss auf die Flughansa. Statt mit „Damen und Herren“ begrüßt die Fluggesellschaft ihre Gäste zukünftig nur noch gendergerecht.

Köln – Kaum ein gesellschaftlicher Diskurs polarisiert aktuell derartig wie die Gender-Debatte. Die Forderung nach einer Sprache ist riesengroß, die alle Geschlechter diskriminierungsfrei anspricht – und auch die Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Die Gender-Debatte ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Jetzt hat der Diskurs auch Einfluss auf Deutschlands größte Fluggesellschaft: Die Lufthansa möchte zukünftig auf die Durchsage „Sehr geehrte Damen und Herren“ verzichten.

Fluggesellschaft:Deutsche Lufthansa
Tochtergesellschaften:Eurowings, Swiss, Austrian Airlines, uvm.
Hauptsitz:Köln
Erstgründung:1926 in Berlin

Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa setzt zukünftig auf inklusive Sprache

Dass die Gender-Debatte bereits Früchte getragen hat, zeigen mehrere Beispiele. In Hamburgs Behörden wird jetzt offiziell gegendert* und selbst bei der Bundeswehr möchte man auf eine gendergerechte Kommunikation setzen und benennt darum die Einmannpackung um. Die Sprache befindet sich im Wandel. Das offenbarte kürzlich nicht zuletzt der Hamburger Verkehrsbund, der die umstrittene Formulierung des „Schwarzfahrens“ aus seinem Wortschatz strich*. Mit der Lufthansa greift nun ein weiteres großes Unternehmen in die Debatte um eine inklusive und diskriminierungsfreie Sprache ein.

Wie ein Sprecher der Fluggesellschaft Lufthansa Medienberichten zufolge verkündete, gäbe es reichlich Alternativen zum gewohnten Ausspruch „Sehr geehrte Damen und Herren“ bzw. „Ladies and Gentlemen“. Mit „Liebe Gäste“ oder „Herzlich willkommen an Bord“ schaffe man eine gendergerechte Ansprache, die keinerlei Spielraum für Diskriminierung bieten würde.

Lufthansa schließt sich in der Gender-Debatte weiteren Fluglinien an

Die Lufthansa reagiert damit auf eine Debatte, die zuletzt auch in London sehr kontrovers geführt wurde. So löste eine Zugdurchsage mit der Anrede „Meine Damen und Herren“ im Zug eine hitzige Debatte aus. Der Grund für den Eklat: Unter den Zugpassagieren befanden sich zwei Personen, deren Geschlechteridentitäten sich als nicht-binär bezeichnen lassen. Sie fühlen sich weder als männlich, noch als weiblich identifiziert. Um auch diverse Geschlechter diskriminierungsfrei ansprechen zu können, setze man in der Londoner North Eastern Railway (LNER) künftig auf eine gendergerechte Sprache.

Die Gender-Debatte nimmt nun Einfluss auf die Lufthansa.

Diesen Schritt vollzieht nun auch die Lufthansa. Die sprachlichen Änderungen werden dabei auch für die vielen Tochtergesellschaften gelten. So verzichten in Zukunft auch die weiteren Mitglieder der Lufthansa-Gruppe wie beispielsweise die „Swiss“- oder „Eurowings“-Fluglinie auf eine eindeutige Gender-Adressierung. Einfluss auf die Entscheidung könnten als inspirierendes Beispiel auch die „Air Canada“ und „Delta Airlines“ genommen haben. Seit 2019 hört man bei der kanadischen Fluglinien nicht mehr „Mesdames et Messieurs“ und seit 2020 begrüßt die „Delta Airlines“ Passagiere nur noch mit „Hello, everybody“.

Gender-Debatte sorgt bundesweit für hitzige Diskussionen

Die Umsetzungen der Gender-Debatte werden jedoch nicht überall mit offenen Armen begrüßt. Zahlreiche Politiker wie Prominente meldeten sich bereits zu Wort, um sich Luft zu verschaffen. Literaturkritikerin Elke Heidenreich motze kürzlich erst gegen die Gender-Sprache und Hamburgs CDU-Chef möchte die Gender-Sprache am besten direkt wieder verbieten.

Vor Kurzem sorgte auch die interne Einigung auf gendergerechte Formulierungen bei VW für Aufruhr und zeigt damit einmal mehr, wie viel Zündstoff der Debatte innewohnt. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa und Stasys Kudarauskas/Getty Images

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