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LNG: Beim Flüssiggas will Deutschland aufholen - vielleicht

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Von: Andree Wächter

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Deutschland hat kein Flüssiggas-Terminal. Befürworter sehen es als Chance. Kritiker zweifeln am Umweltnutzen. Bis zum Start dauerte es noch Jahre.

Stade/Brunsbüttel – Flüssigerdgas (LNG) gilt als eine Alternative beim Schiffsantrieb. Kreuzfahrtschiffe wie die Costa Smeralda oder die Aida Nova setzen auf diesen Kraftstoff. Immerhin will die Kreuzfahrt-Branche bis 2050 klimaneutral werden. LNG wird ein rund 15 bis 25 Prozent geringerer CO₂-Ausstoß zugeschrieben und gilt vielen Reedereien als „Brückentechnologie“. Diese im Verhältnis geringe Menge lässt sich händeln. Anders sieht es aus, wenn LNG (englisch liquefied natural gas, LNG) die leeren Gasspeicher füllen soll. Logistisch eine Herausforderung.

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Dies hat auch die Politik erkannt. „Nicht zuletzt die Ukraine-Krise und die gestiegenen Energiepreise zeigen uns, dass Deutschland unabhängiger von den Gaslieferungen und bilateralen Abkommen mit einzelnen Staaten werden muss. LNG kann hier ein richtiger Weg sein“, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU).

LNG als Alternative zu russischem Gas - Terminal in Niedersachsen

Um LNG im großen Stil importieren zu können, benötigt man Terminals. Diese gibt es so nicht in Deutschland. Da LNG per Tanker kommt, bietet sich die Häfen in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein an. Um den Zuschlag konkurrieren Brunsbüttel und Stade. Bei dem Projekt geht es um Investitionen von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro. Im Optimalfall kann das LNG-Terminal 2026 seinen Betrieb aufnehmen. Andere Länder sind schon viel weiter. In der EU gibt es bereits 26 LNG-Terminals.

Positive Signale kommen und kamen von der neuen und der alten Bundesregierung. Befeuert durch ein mögliches Kriegsszenario an der ukrainischen Ostgrenze, die zum Politikum gewordene Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 und die hohen Gaspreise rückt LNG als Brückenenergieträger in den Fokus.

Solche Schiffe sollen in einigen Jahren auch in Niedersachsen anlegen: Ein Tankschiff für den Transport von Flüssiggas (LNG).
Solche Schiffe sollen in einigen Jahren auch in Niedersachsen anlegen: Ein Tankschiff für den Transport von Flüssiggas (LNG). © LEX VAN LIESHOUT /afp

In Stade sollen die Antragsunterlagen im kommenden Sommer abgegeben werden. Es gibt unterschiedliche Genehmigungsbehörden für den unmittelbar an der Elbe geplanten Anleger und das Terminal auf dem Gelände des Chemiekonzerns Dow Chemical. Ein bis eineinhalb Jahre könnte das Genehmigungsverfahren im günstigen Fall dauern, schätzt Johann Killinger. „Dann geht es mit dem Bauen los.“

Killinger ist geschäftsführender Gesellschafter der Hanseatic Energy Hub GmbH (HEH), die das Terminal plant.
Wenn alles glatt läuft, wäre die Inbetriebnahme 2026. Die Eckwerte: 800 Millionen Euro Investitionen, plus etwa 150 bis 200 Millionen Euro für die öffentlichen Hafenanlagen. In der Endstufe sollen bis zu 12 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die deutschen Netze eingeleitet werden. Rund zehn Prozent des jährlichen deutschen Gasverbrauchs peilt die HEH als Einleitungsvolumen aus Stade an.

LNG-Terminals sind ein zusätzlicher Bypass

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

„LNG-Terminals sind ein zusätzlicher Bypass. Sie helfen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dem Handelsblatt. „Und wir brauchen eh Terminals für Wasserstoffimporte. Wir können dann Teile der Infrastruktur mitnutzen. Die Situation in diesem Winter ist eng gewesen, daraus muss man eine politische Konsequenz ziehen.“ Bis es so weit ist, setzen Anbieter auf lokale Lösungen für H2-Tankstellen.

Ein höherer Anteil an LNG würde zwar die Bezugsquellen für Erdgas auf eine breitere Basis stellen, aber an der deutschen Importabhängigkeit nichts ändern. 95 Prozent des Erdgases muss Deutschland importieren. Die Eigenproduktion von 5 Prozent stammt fast ausschließlich aus Niedersachsen. Große weltweite LNG-Exporteure sind unter anderem Katar, Australien, die USA und Algerien.

Nachbarländer besitzen LNG-Terminals

„Deutschland hat zwar keine eigenen LNG-Terminals, kann aber über den Markt in den Niederlanden und über das europäische Gasnetz kurzfristig mit LNG beliefert werden“, beschreibt Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zu den LNG-Terminals Dunkerque (Frankreich), Rotterdam (Niederlande) und Zeebrugge (Belgien) bestünden direkte Infrastrukturverbindungen nach Deutschland.

Aufgrund der guten Verbindungen und der geringen LNG-Nachfrage in Deutschland sei der Bau von LNG-Terminals hierzulande bislang nicht wirtschaftlich gewesen, so Andreae. „Sollte es aus wirtschaftspolitischen Gründen den Wunsch nach deutschen LNG-Terminals geben, dann müssten diese Kosten zum Teil bezuschusst werden.“

LNG-Terminal Brunsbüttel: Grüne gegen den Bau

Dauern wird es ohnehin, denn auch in Brunsbüttel ziehen sich die Projektpläne für ein geplantes Terminal in die Länge. Rund vier Jahre nach Präsentation des Vorhabens gibt es noch keinen Termin für eine endgültige Investitionsentscheidung, wie eine Sprecherin der German LNG Terminal GmbH sagte. Es handele sich um eine sehr komplexe, kostenintensive und langfristige Investition. Nach früheren Angaben soll das Projekt eine Kapazität von rund 8 Milliarden Kubikmeter Erdgas haben und mit rund 450 Millionen Euro eine der bedeutendsten Industrieansiedlungen im Norden sein.

Dabei ist das Brunsbütteler Projekt als „nationales LNG-Terminal“ Bestandteil des Koalitionsvertrages von CDU, Grünen und FDP. Allerdings endet die Amtszeit der Regierung bald. Schleswig-Holstein wählt am 8. Mai einen neuen Landtag. Zudem: Seit dem Koalitionsvertrag sind fünf Jahre vergangen, und Umweltschützer drängen immer vehementer auf rascheres Handeln.

Selbst in Habecks Partei und dessen früherer politischen Heimat gibt es Ablehnung. So votierten die in Schleswig-Holstein in einer Jamaika-Koalition mitregierenden Grünen bei ihrem Parteitag am vergangenen Sonntag gegen ein LNG-Terminal in Brunsbüttel. „Schleswig-Holstein braucht kein LNG-Terminal“, steht im Beschluss. Selbst ein Kompromissantrag scheiterte.

Bei minus 162 Grad wird Gas flüssig

LNG wird mit minus 162 Grad tiefgekühlt, flüssig per Schiff transportiert. Ein Flüssigerdgasterminal oder auch LNG-Terminal ist eine Einrichtung für den Umschlag von Flüssigerdgas. Zumeist umfasst es Anlagen zum Be- und Entladen von Tankern und ist per Pipeline an ein Gasnetz angeschlossen. Ausfuhrterminals besitzen Anlagen zur Verflüssigung, Anlandeterminal zur Wiederverdampfung des Erdgases.

Es gibt erhebliche Zweifel an der Klimabilanz von LNG und auch an den geplanten Terminals. Die Deutsche Umwelthilfe hält beide Projekte für nicht genehmigungsfähig.

„LNG-Terminals zu bauen dauert Jahre und ändert nichts an Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energien. Klimaschädliches Frackinggas ist keine Antwort auf eine sichere Energieversorgung, sondern Teil der fossilen Sackgasse“, wendet Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer ein. Seine Forderung an die Ampel-Regierung: mit einem Erdgasausstieg bis 2035 die klimaschonende Wärmewende einleiten.  (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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