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Kreuzfahrtschiffe: „Diese Überführung so nicht genehmigt werden dürfen“

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Von: Kevin Goonewardena

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Seit Jahren sorgt der künstliche Emsaufstau zur Überführung riesiger Kreuzfahrtschiffe für Ärger bei Naturschützern. Nun wurden neue Vorwürfe laut.

Aurich – Seit Jahren sorgt der sogenannte Emsaufstau regelmäßig für Ärger unter Naturschützern – und schätzungsweise tausenden toten Vogelbruten. Mit Emsaufstau wird dabei das Aufstauen des Flusses Ems mit Hilfe des Emssperrwerks in der Nähe von Emden bezeichnet, um den Fluss für die Überführung von großen Kreuzfahrtschiffen in den Dollart und weiter in die Nordsee schiffbar zu machen. Der Naturschutzbund Nabu macht den Emsaufstau Ende März für die jüngste Schiffsüberführung der Papenburger Meyer Werft, die in den letzten Jahren vorallem mit Personalabbau Schlagzeilen machte, für die Vernichtung von zahlreichen Vogelbruten verantwortlich. Dies hätten ehrenamtliche Vogelbeobachter feststellen mussten, teilte der Nabu am Mittwoch mit.

Name:Ems
Quelle:Schloß Holte-Stukenbrock, Nordrhein-Westfalen
Mündung:Emden, Niedersachsen
Länge:371 Kilometer
Städte (Auswahl):Rheda-Wiedenbrück, Rheine, Lingen, Meppen, Haren, Papenburg, Leer, Emden, Delfzijl (NL)

Emsaufstau: Tausende ertrunkene Gänsegelege

So wurden am vergangenen Wochenende an einem zehn Meter langen Abschnitt des Emsufers bei Hatzumersand bei einer schnellen Überprüfung mehr als 200 in die Ems gespülte Gänseier gefunden. „Bei circa 1300 bekannten Gänsenestern zwischen Weener und Emssperrwerk müssen wir mit Tausenden ertrunkenen Gelegen rechnen“, sagte Ihno Völker vom Nabu Leer. Ein Winterstau der Ems zur Schiffsüberführung ist zwar bis Ende März erlaubt, jedoch müssen dabei die Naturschäden so gering wie möglich gehalten werden. Zudem gelte das Tötungsverbot von Wildtieren aus dem Bundesnaturschutzgesetz, führte der Nabu an. „Hier wurde auf den letzten Drücker mit maximal möglicher Aufstauhöhe noch schnell ein Schiff überführt, im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir müssen von mehreren Tausend verlorenen Küken ausgehen. Dies betrifft vor allem Gänse, Enten und Kiebitze“, erläuterte Völker.

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Emsaufstau: Naturschützer fordern mehr Rücksicht – Überführung hätte nicht genehmigt werden dürfen

„Während der Brutzeit hätten Vorkehrungen getroffen werden müssen, damit keine Vögel in den gefährdeten Bereichen brüten. Mit den bekannten Gelegen hätte diese Überführung so nicht genehmigt werden dürfen“, sagte der Naturschützer. „Wir fordern, dass in Zukunft der Artenschutz berücksichtigt und damit deutlich mehr Rücksicht auf die Tiere genommen wird.“

Luftaufnahme 337 Meter langes Kreuzfahrtschiff AIDAcosma auf der Ems in Richtung Nordsee
Regelmäßig sorgt der Aufstau der Ems zur Überführung riesiger Kreuzfahrtschiffe aus der Meyer-Werft in Papenburg in die Nordsee für überflutete Flussauen und damit im Frühjahr zerstörte Vogelbruten der dort nistenden Wasservögel. (Symbolbild) © Carl Groll / Imago Images

Kreuzfahrtschiffe in Hamburg

Deutlich mehr Kreuzfahrtschiffe als die Meyer-Werft in Papenburg, verlassen den Hamburger Hafen jedes Jahr. Wie der NDR vermeldet, hätten sich für 2022 300 Schiffe in der Hansestadt angekündigt. Ein deutlicher Zuwachs zu den rund 200 im letzten Vor-Coronajahr 2019. Die Grünen zeigten sich bereits 2020 alarmiert über das Kreuzfahrt-Comeback nach dem Abklingen der Pandemie. Denn auch wenn es auf der Elbe aufgrund deren ausreichender Tiefe keine Aufstauung geben muss, damit große Schiffe passieren können, hinterlassen Kreuzfahrtschiffe unter anderem wegen ihres CO₂-Ausstoßes besonders große Natur- und Umweltschäden. (mit dpa). 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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