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Kinderärzte warnen vor indirekter Impf-Pflicht in Schulen

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Von: Christian Einfeldt

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In Deutschland nehmen die Impf-Pläne für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren Konturen an. Nun warnen Kinderärzte vor einer indirekten Impf-Pflicht in Schulen.

Düsseldorf – In Deutschland läuft die Impfkampagne auf Hochtouren. Bis zum 27. Mai erhielten bereits 40 Prozent der Bevölkerung Deutschlands eine erste Impfung. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dauert es nicht mehr lange, bis auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren geimpft sind. Bereits im Sommer soll es so weit sein. Droht für sie jetzt etwa eine indirekte Impfpflicht? Unter Kinderärzten ist die Angst vor einem Impfzwang „durch die Hintertür“ groß.

Corona-Impfungen in DeutschlandStand: 26. Mai, 12.50 Uhr, Quelle: Impfdashboard.de
Mindestens eine Impfdosis:40,8 Prozent
Verabreichte Impfdosen:46,1 Millionen

Kinderärzte in Sorge: Impfung als Voraussetzung für einen Schulbesuch?

Vor Kurzem gab Hamburgs Schulbehörde den Termin für die Rückkehr zum Präsenzunterricht* bekannt. Doch müssen sich Kinder und Jugendliche vor dem Schulbesuch erst gegen das Corona-Virus* impfen lassen? Diese Frage besorgt aktuell Kinderärzte im ganzen Land. Schließlich hatte Bildungsministerin Anja Karliczek erst kürzlich einen Impf-Plan auf die Beine gestellt, der dies impliziert. So pocht die 50-jährige CDU-Politikerin bis zum Beginn des kommenden Schuljahres auf ein Impfangebot für alle. Auch Heranwachsende seien in ihrem Impf-Plan ausdrücklich inbegriffen.

Der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Axel Gerschlauer blickt sorgenvoll auf ein solches Vorhaben. „Kinder sind keine Corona-Infektionstreiber, und das Risiko, schwer zu erkranken, ist für sie – anders als bei Masern – gering“, zeigt sich Gerschlauer gegenüber der „Rheinischen Post“ besorgt über die Bedenken und Vorbehalte bezüglich der Corona-Impfung für Kinder*.

Sollten dennoch Nebenwirkungen wie eine Schockreaktion die Folge einer Impfung sein, wolle man dies unter keinen Umständen in der Schule erleben. Vor allem bei Kindern müsse man daher Vorsicht walten lassen. Verantwortungsbewusst und unter Rücksprache mit den Eltern müssten Impfungen vonstattengehen, um so auch für sie eine reibungslose Corona-Impfung möglich machen zu können.

Eine Apothekerin bereitet eine Corona-Impfung vor.
Kinderärzte in Sorge: Werden bald Kinder gezwungen, sich impfen zu lassen? © Friso Gentsch/dpa

Axel Gerschlauer: Eine Impfpflicht für Schüler dürfe es nicht geben - auch nicht indirekt

Am vergangenen Wochenende sprach sich Bildungsministerin Anja Karliczek für einen Fahrplan für Impfungen von Schülern ab 12 Jahren aus. Sie wolle alle Hebel in Bewegung setzen, damit „nach den Sommerferien überall der Schulbetrieb wieder relativ normal beginnen kann“, so die CDU-Politikerin. Dass die Entscheidung massive Kritik hervorruft, berichtete kürzlich 24rhein.de. Nachdem ein Gymnasium im nordrhein-westfälischen Langenfeld verkündet hatte, Schüler gegen Corona impfen, hagelte es Drohungen*.

Doch mit ihren Planungen greift auch die Angst um eine indirekte Impf-Pflicht für Kinder und Jugendliche um sich. Die Sorge ist groß, dass die Bundesregierung einen „Impfzwang durch die Hintertür“ plane, der in Schulen den Druck nach Corona-Impfungen erhöht.

Medienberichten zufolge umfasst Karliczeks Strategie „ganze Schulklassen“ vor Ort im Schulbetrieb impfen lassen zu wollen. Zwar müsse ein solches Vorhaben Hand-in-Hand mit dem Einverständnis der Eltern gehen, dennoch bremst nun der Chef des Kinderärzteverbandes. In Sachen Corona-Impfungen solle man sich nicht an die Schulen, sondern an Kinderarzt-Praxen wenden. Der Schulbesuch dürfe nicht mit einer Impfung verknüpft werden, so Axel Gerschlauer. Letztendlich sei eine durch die Impfungen an Schulen angestrebte Impf-Pflicht nicht vertretbar – weder eine direkte noch eine indirekte.

Jens Spahn lehnt Impf-Zwang für Kinder ab: „Es wird definitiv keine Verpflichtung zur Impfung geben“

Auch in Niedersachsen – das erste Bundesland, das ein Impfkonzept für Kinder vorgestellt hatte – entfacht die Debatte um Corona-Impfungen für Schulkinder eine Kontroverse*. Doch nachdem bereits Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) bekräftigt hatte, dass es im Zuge der Corona-Impfungen keine Pflicht für Kinder geben wird, sorgen nun auch Aussagen von Jens Spahn zur Erleichterung bei Eltern und Ärzten.

Einschriften von Kinder und Eltern belegen, dass der Wunsch nach einer Impfung bei vielen groß sei, so der Bundesgesundheitsminister im ZDF-Interview. Doch eine Impfung dürfe nicht als Voraussetzung für eine Teilnahme am Präsenzunterricht geltend gemacht werden. Diese beiden Dinge hätten „nichts miteinander zu tun“, versicherte Jens Spahn.

Corona-Impfungen: Schüler sollen Biontech-Impfdosen erhalten

Für Schüler käme laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zum aktuellen Stand nur der Impfstoff von Biontech infrage. Auch in Hamburg schließt man sich den Biontech-Plänen von Spahn an*. Doch damit der potenzielle Impf-Plan eingehalten werden kann, müssen entsprechende Impfdosen reserviert werden. Die Reihenfolge der Priorisierung ist für den Hausärzteverband Nordrhein klar: Bei knappen Liefermengen sollen Erwachsene zunächst das Vorrecht gegenüber Kindern erhalten.

So liegt der Verdacht nahe, dass Kinder bei Corona-Infektionen zumeist mit geringeren Nebenwirkungen zu kämpfen hätten. Noch im Mai möchte die EU-Arzneimittelbehörde über eine baldige Zulassung des Biontech-Vakzins für Kinder und Jugendliche entscheiden. Vielleicht wird ja schon der heutige Impf-Gipfel Aufschluss geben können. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und 24rhein.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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