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Kinder fordern: „Lasst euch impfen“ – sie wollen wieder Normalität

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Kinder werden gegen Impfmuffel laut. Sie sind die größten Leidtragenden der Corona-Krise. „Millionen Kinder brauchen Normalität!“, mahnt „Initiative Familie“.

Greven – Lockdown, Quarantäne, Schul- und Kitaschließungen – die vergangenen anderthalb Jahre Corona-Pandemie macht uns allen, aber am allermeisten Kindern und Jugendlichen, zu schaffen. Deren psychische und die physische Gesundheit ist schwer angeschlagen und soziale Ungleichheiten haben sich weiter vertieft. Um endlich wieder zurück zur Normalität zu kehren, haben nicht nur die Großen die „Initiative Familie“ ins Leben gerufen. Auch die Kleinen sehnen sich nach einer unbekümmerten Zeit mit ihren Freunden und fordern daher: Lasst euch impfen!

Krankenhaus:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Adresse:Martinistraße 52, Hamburg-Eppendorf
Gründung:1889
Betten:1.460

Rückkehr zur Normalität – Kinder fordern: Lasst euch impfen!

Für Kinder steht fest: Sie wollen nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie endlich mal wieder ins Schwimmbad, mit ihren Freunden im Einkaufscenter abhängen oder Kindergeburtstage mit Gleichgesinnten, statt nur mit Mama und Papa feiern. Doch wie ist das möglich in einer Welt, die von 2G- oder 3G-Regeln, Inzidenzwerten und Kontaktbeschränkungen bestimmt wird? Forscher, Experten und eben auch unsere Kleinen wissen: Nur durch Impfen bekommen wir unser Leben zurück.

„Dass Leute so dagegen sind und sich wehren, macht mich sauer und traurig. Es trägt ja dazu bei, dass man mehr Freiheiten hat. Da würde es einfach helfen, wenn Leute sich impfen lassen, weil dann nicht mehr so viele erkranken“, so eine 12-Jährige in einem RTL-Video. „Ich schütz damit ja auch andere Menschen“, bringt es eine andere Schülerin auf den Punkt.

Iniative fordert: „Gebt den Kindern ihr Leben zurück!“

„Bildungsgarantie und Normalität für Kinder und Jugendliche – Jetzt!“ verlangt nun in einem „Offenen Brief an die Kanzlerkandidat*innen, Kultus- und Familienminister*innen“ die „Initiative Familie“. Der Verein entstand aus den beiden Gruppen „Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“, die sich zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 gebildet hatten.

Konkret lauten die Forderungen: Normalität für Kinder und Jugendliche mit Regelbetrieb in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und in bei Freizeitaktivitäten, kindgerechte Hygienemaßnahmen in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen, Beendigung von Testungen bei asymptomatischen Kindern ohne konkreten Anlass – auch nicht per Lolli-Testverfahren, das gerade in Hamburg ausprobiert wird. Zudem wird die Vermeidung unverhältnismäßiger Quarantäneregeln, die Gleichstellung aller Kinder und Jugendlichen mit geimpften und genesenen Erwachsenen, und das Absehen von einem indirekten Impfzwang für Kinder und Jugendliche gefordert. In Hamburg könnte das 2G-Modell für den nötigen Impfanreiz sorgen – Tschentscher hällt jedenfalls daran fest.

Corona macht Kinder und Jugendliche depressiv und ängstlich

Auch Reviews des RKI (Robert-Koch-Institut) zur Situation von Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage von Auswertungen von insgesamt 17 Studien ergaben, dass Kinder und Jugendliche durch die COVID-19-Pandemie in einem drastischen Maß psychisch belastet sind. Ganz im Gegensatz zu den körperlichen. Denn Experten schätzen die Gefahr einer Corona-Infektion bei Kindern weiter gering ein. Die psychischen Belastungen sind im Verlauf der Pandemie sogar gestiegen: In der zweiten Befragung der mitberücksichtigten sogenannten COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte: Die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich in Deutschland im Verlauf der Corona-Pandemie weiter verschlechtert. Fast jedes dritte Kind litt ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. 

„Datenerhebungen zeigen eine deutliche Zunahme von Depressionen oder Angstzuständen bei Kindern und Jugendlichen. Die Zahlen haben sich in Deutschland und einigen anderen Ländern verdoppelt, teil­weise sogar verdreifacht“, erklärte Christopher Prinz vom OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusam­men­arbeit und Entwicklung) bei der Tagung „Psychische Gesundheit in der Pandemie – Junge Menschen unter Druck“ laut Ärztezeitung.

Massive Zunahme an Gewalt gegen Kinder hinter verschlossenen Corona-Türen

Der Hintergrund für den dringlichen Appell ist aber nicht nur die psychische Belastung der jüngsten Betroffenen der Corona-Krise. Auch die Aus­wer­tungen der Polizei­lichen Kriminal­statistik des Bundeskriminalamtes zeichnen ein düsteres Bild. Es gab 2020 eine massive Zunahme an körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern. Bei Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von sexuellen Missbrauchsabbildungen, sogenannter Kinderpornografie, gab es sogar einen dramatischen Anstieg um 53 %. Deutlich wird: Die Lockdowns haben die auch die Bedrohung durch Gewalt für Kinder massiv verschärft.

Unglückliches Kind mit Maske steht an einem Fenster und schaut in die Kamera.
Lockdown, Social Distancing und Schulschliessungen. Corona hat die Lebensqualität für Kinder drastisch verschlechtert. © Juan Garcia/Imago

„Vollständige oder teilweise Schließung von Bildungseinrichtungen ist eine Hochrisikostrategie!

„Schwerste Straftaten an Kindern wie der sexuelle Missbrauch oder Misshandlungen geschehen zumeist hinter verschlossenen Türen.“ erklärt dazu Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Und die gab es zu Corona-Zeiten eben zuhauf, weshalb die „Initiative Familie“ appelliert: „Die vollständige oder teilweise Schließung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ist keine angemessene Vorsorgemaßnahme, sondern eine Hochrisikostrategie mit schwerwiegenden Folgen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die wir uns nicht länger leisten können.“ *24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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