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Kellnerin bekommt 4.400 US-Dollar Trinkgeld – und wird gefeuert

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Von: Christian Einfeldt

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Es war ein Wechselbad der Gefühle: Ein großzügiger Gast gab einer Kellnerin erst 4.400 US-Dollar Trinkgeld. Wenig später wird sie gefeuert.

Bentonville, Arkansas – 4.400 US-Dollar erhielt eine besonders fleißige Kellnerin. Die Anfang dreißigjährige US-Amerikanerin Ryan Brandt konnte den glücklichen Moment gar nicht fassen. Auf Instagram ließ sie am 2. Dezember 2021 die Welt daran teilhaben. Der spendable Gast war zufrieden mit ihrer Arbeit. Ihr Arbeitgeber hingegen wohl scheinbar gar nicht. Wenige Momente später sah ihre Welt zu ihrem Leidwesen ganz anders aus: Sie wurde gefeuert – einzig und allein deshalb, weil dem Chef das Trinkgeld zu hoch war. Das steckt hinter der unfassbaren Geschichte.

Stadt:Bentonville
US-Bundesstaat:Arkansas:
Fläche:88,7 km²
Bevölkerung:49.467 (2019)

Kellnerin erhält 4.400 US-Dollar Trinkgeld – und wird deswegen entlassen

Grant Wise, seines Zeichens Geschäftsführer eines großen Immobilienunternehmens, zeigte sich Anfang des Monats im Lokal „Oven and Tap“ besonders großzügig. Im „Oven and Tap“ endete jedenfalls der Abend damit, dass es für die Bedienung einen Scheck in Höhe von 4.400 US-Dollar gab. Ähnlich großzügig war zuletzt eine Familie, die einem Pizza liefernden Rentner ein Mega-Trinkgeld gab.

Wie Wise später dem amerikanischen TV-Sender FOX 59 erzählte, hätte er während der Corona-Pandemie ein besonderes Mitgefühl mit der leidgeplagten Gastronomie entwickelt. Aus diesem Grund rief er zuvor die Idee des „100 Dollar Dinner Clubs“ ins Leben. Jedes Mitglied des „100 Dollar Dinner Clubs“ machte sich auch an jenem Abend Anfang Dezember durch eine großzügige Spende einen Namen. Jeder zahlte 100 US-Dollar und so häufte sich das Trinkgeld, bis eine Anfang dreißigjährige Kellnerin auf einmal um 4.400 US-Dollar reicher wurde. Als sie erfuhr, dass sie das Geld bekommen sollte, brach sie in Tränen aus. So etwas hatte sie noch nie erlebt. So viel Geld an einem Abend?

So schnell ihre Freude kam, so schnell ging sie auch wieder: Ihr Chef sagte, dass alle ihre Kolleginnen und Kollegen vom Trinkgeld profitieren sollen. Seit dreieinhalb Jahren arbeitete Ryan Brandt beim Restaurant in Arkansas. Nun solle sie das Trinkgeld aufteilen. Bislang habe aber noch nie jemand verlangt, dass Trinkgeld aufgeteilt wird, die Praxis sei in dem Restaurant nie üblich gewesen. So etwas hat sie tatsächlich noch nie erlebt. Sie weigerte sich und musste diese Entscheidung mit ihrem Job bezahlen. Unglaublich, aber wahr – so wie die Geschichte einer Frau, die zahlen musste, weil sie beim Arzt ihre Tränen nicht zurückhalten konnte.

Kellnerin wollte mit Trinkgeld Kredite abzahlen – nun ist sie „am Boden zerstört“

„Mir wurde gesagt, dass ich mein Geld meinem Schichtleiter übergeben soll und nur 20 Prozent mit nach Hause nehmen darf“, sagte die aufgebrachte Kellnerin gegenüber FOX 59. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie aufgefordert worden war, ihr Trinkgeld mit all ihren Kolleginnen und Kollegen zu teilen. Eben noch überglücklich, nun war sie am „am Boden zerstört“. Lange Zeit studierte sie Spanisch an der University of Arkansas. Als sie die großzügigen Spende zur Kenntnis genommen hatte, hatte sie gedanklich schon die Rückzahlungen ihrer Studienkredite im Sinn.

Eine Kellnerin weint vor Freude. Daneben ein Mann, der sich freut.
Eine Kellnerin bekommt 4.400 US-Dollar Trinkgeld und wird gefeuert – doch dann erhält sie vom großzügigen Gast ein weiteres Mal Unterstützung. © Screenshot/Instagram @rebeccasoto_legacy und IMAGO/MiS

Es war ein bitterer Moment, als sie erfuhr, dass ihr das Trinkgeld nach Ansicht ihres Arbeitgebers nicht zustünde. Doch wenige Tage später kam es dann endgültig zum Zerwürfnis. Grant Wise, der barmherzige Kunde, der der Kellnerin über 4.000 US-Dollar Trinkgeld zusicherte, erfuhr, dass sie am 7. Dezember bei „Oven and Tap“ gefeuert wurde.

Gefeuert wegen Trinkgeld: „Ich versteh nicht, warum es passieren konnte“

Laut dem Restaurant herrsche eine strikte Trinkgeldpolitik vor. Das Trinkgeld hätte demnach aufgeteilt werden müssen. Grant Wise kann es nicht fassen. Nur die Geschichte, dass ein Restaurant Schadensersatz zahlen musste, weil das Eis zu kalt gewesen war, ist ähnlich aufregend. „Ich bin so traurig zu hören, dass das Mädchen gefeuert wurde“, schreibt er auf Facebook. Warum es so weit gekommen ist, bleibt unklar. Laut Angaben des Arbeitgebers habe man das Trinkgeld der Amerikanerin gelassen. Die einzige Rückmeldung seitens des Restaurants: „Aus Respekt vor unseren hochgeschätzten Teammitgliedern sprechen wir nicht über die Einzelheiten einer Kündigung eines Mitarbeiters.“

Für wegen Trinkgeld gefeuerte Kellnerin gibt es ein Happy End

„Ich verstehe nicht ganz, warum das einer so süßen und gutherzigen Frau passieren sollte“, sagt Trinkgeld-Geber Wise. Erneut bot er seine Unterstützung an und rief eine Spendenaktion für die Kellnerin ins Leben: 8.700 US-Dollar kamen letztendlich zusammen – eine Summe, nahezu doppelt so hoch, wie noch das Trinkgeld zu Beginn des Monats. Die für die erst beschenkte und dann gefeuerte Kellnerin Ryan Brandt wohl schönste Fügung: Nur wenige Tage nach ihrer Kündigung lag bereit ein neues Vertragsangebot vor. Nun arbeitet sie seit dem 8. Dezember zufrieden in einem anderen Restaurant. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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