Islamist:innen

ZDF gendert Taliban: Auf Instagram-Post folgt Shitstorm

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
    schließen

ZDF-Beitrag über die Machtergreifung der Taliban sorgt in sozialen Medien für Spott und Sticheleien. Weil das ZDF die Taliban gendert, entfacht ein Shitstorm.

Mainz – Das ZDF sorgt mit einem Instagram-Post für Aufregung. In ihrer Berichterstattung über den Krieg in Afghanistan verwendet das ZDF das Gendersternchen. So heißt es in dem Beitrag: „Die Islamist*innen ziehen in immer mehr afghanische Städte ein“. Die Folge: In den sozialen Medien entfacht nun ein regelrechter Shitstorm, der in diesem Kontext die Sinnhaftigkeit der diskriminierungsfreien Sprache hinterfragt. Wenig später reagiert das ZDF.

Fernsehnetzwerk:ZDF
Hauptsitz:Mainz
Intendant:Thomas Bellut
Gründung:1961, Deutschland

Weil das ZDF genderte – Instagram-Post entfacht Social-Media-Shitstorm

Bilder zeigen einen schwer bewaffneten Taliban-Kämpfer, als der öffentlich-rechtliche Sender ZDF* in ihrem Instagram-Video den Untertitel einblendet: „Die Islamist*innen ziehen in immer mehr afghanische Städte ein.“ Ein Satz, der nicht unbeachtet blieb. Stimmen wurden laut, die anhand dieses Beispiels den vermeintlichen Irrsinn der Gender-Debatte, die an Hamburgs Schulen bereits Ärger auslöste*, begründet sehen. „Wenn das ZDF nun anfängt die islamistischen Mörder von Frauen zu gendern, muss die Politik das Gendern in den ÖRR verbieten“, beklagte ein Twitter-User seinen Unmut.

Dass die Gender-Debatte polarisiert, zeigen die Reaktionen auf den ZDF-Beitrag eindrucksvoll. Bereits im Vorfeld sprach sich etwa Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß für ein gesetzliches Gender-Verbot aus. Dass die Verwendung der gendergerechten Sprache in einem Kontext geschieht, in dem von einer Gruppierung berichtet wird, die aus ihrem Frauenhass keinen Hehl macht, treibt die Debatte für manch einem Social-Media-User nun auf die Spitze.

„Es bedeutet den Tod“: Aktivistin schildert Angst der afghanischen Frauen vor Taliban

Im Zuge des Taliban-Vormarschs rückt immer mehr die Angst derer, die vor der Taliban flüchten, in den Vordergrund. Während der Vorwurf im Raum steht, dass Laschet den Krieg in Afghanistan für den Wahlkampf ausschlachtet*, bestätigte der Hamburger Senat* unlängst, dass Hamburg Geflüchtete aus Afghanistan aufnehmen will*. Wie sehr insbesondere Frauen unter der Herrschaft der Taliban leiden müssen, berichtet etwa die afghanische Aktivistin Zakira Hekmat gegenüber „dw.com“.

Das ZDF musste nach ihrem „Islamist*innen“-Beitrag viel Kritik einstecken. (24hamburg.de-Montage)

„Es bedeutet den Tod“, so das erschütternde Fazit der Aktivistin, die zwischen 1996 und 2001 selbst erleben musste, wie das Schreckensregime die Rechte der Frauen mit Füßen tritt. Frauen dürften nicht das Haus verlassen und der Schulbesuch sei strikt verboten. Setzen Frauen sich gegen Vorschriften zur Wehr, droht ihnen häufig der Tod. Wie „deutschlandfunk.de“ berichtet schreckt die Taliban auch nicht vor Methoden des Mittelalters – wie etwa der Steinigung oder Handabhaken – zurück.

ZDF reagiert nach Gender-Shitstorm und löscht den „Islamist*innen“-Beitrag

Warum sich das ZDF dazu entschied, im Zuge ihrer Taliban-Berichterstattung das Gendersternchen zu verwenden, beantworte das Fernsehnetzwerk bislang nicht. In Anbetracht dessen, dass sich unter den islamistischen Kämpfern vorwiegend Männer befinden erscheint die Inklusion von Frauen und transgender Personen ohnehin für viele fragwürdig.

Nachdem sich das ZDF mit viel Spott und Häme seitens der Social-Media-User konfrontiert gesehen hatte, reagierte der Sender. Die Redaktion entfernte den „Islamist*innen“-Beitrag. In einem anderen Post heißt es wenig später: „Die Taliban sind gewalttätige, radikale Islamisten“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Gender-Debatte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nach hinten losgeht. Im Mai sprach die Tagesschau, die „Damen und Herren“ nicht gendern will, im Zusammenhang eines Berichts über den Krieg der palästinensischen Terrororganisation Hamas gegen Israel von „Kommandeurinnen und Kommandeure“. Auf einen externen Hinweis, dass es keine weiblichen Kommandeure gebe, reagierte die ARD und korrigierte den Beitrag. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rahmat Gul/dpa/AP, IMAGO/Christian Ohde und IMAGO/imagebroker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare