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Impfung verweigert: 153 Mitarbeiter freigestellt – Klage verloren

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Von: Christian Einfeldt

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Nachdem über einhundert Mitarbeiter eine Impfung verweigert hatten, verloren sie ihren Job. Wäre dies auch in Deutschland möglich, müssen Impf-Gegner zittern?

Houston – Die Methodist-Klinik in Houston, Texas ist die erste größere Klinik in den USA, die eine Corona-Impfung für Mitarbeiter verpflichtend gemacht hatte. Rund 25.000 von 26.000 Angestellten seien bereits vollständig geimpft, doch nicht wenige widersetzen sich der Maßnahme. Über einhundert Menschen klagten gegen die Impfvorschrift und hofften auf eine Lockerung. Nun haben 153 Mitarbeiter ihren Job verloren. Auch in Deutschland gelangen ähnliche Fälle ans Tageslicht.

Corona-Impfungen in USAQuelle: Our World in Data, Stand: 22. Juni
Verabreichte Dosen:319 Mio.
Vollständig geimpft:150 Mio.
Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft:45,8 %

Impfpflicht in amerikanischen Krankenhaus sorgt für mediale Brisanz: über 100 Mitarbeiter verweigern Impfung

Die Impfkampagne schreitet in den Vereinigten Staaten von Amerika aktuell nur langsam voran. Nach Angaben der New York Times hätten bereits über 66 Prozent der US-Amerikaner mindestens eine Impfung erhalten. Das erklärte Ziel von Präsident Joe Biden, dass bis zum Nationalfeiertag, dem 4. Juli, 70 Prozent der über 27-Jährigen mindestens einmal geimpft sein sollen, kann die USA mit der aktuellen Impfquote nicht erreichen. Aus diesem Grund greift nun auch ein US-Bundesstaat zu einer ungewöhnlichen Impfkampagne*.

Vorbehalte gegen die Corona-Impfung verhindern einen weiteren Impffortschritt. So auch in der amerikanischen Großstadt Houston. Dass die Methodist-Klinik eine Impfpflicht eingeführt hatte, sorgte für großes mediales Interesse. Denn über 100 hundert Mitarbeiter widersetzten sich der Vorschrift. Sie misstrauen den Impfstoffen und sehen ihre Gesundheit durch den Eingriff gefährdet. Befeuert wurde ihr Widerstand von zahlreichen Fällen, bei denen es nach der Zweitimpfung zu einer Herzmuskelentzündung* kam. Andere Angestellte verwiesen auf Vorerkrankungen oder äußerten religiösen Vorbehalte.

Klage der Impf-Gegner scheitert: Bezirksrichterin weist „verwerfliche“ Kritik zurück

Mit einer Klage erhofften sie von der Impfpflicht befreit zu werden. Doch ihr Antrag scheiterte. Über einhundert Menschen, die gegen die geltende Vorschrift protestierten, wurden entlassen. Besonders bedenklich ist ein Vergleich, der aus dem Kreise der Kläger publik wurde. So hätten einige die Impfkampagne mit der Situation von Opfern medizinischer Experimente im Zweiten Weltkrieg verglichen.

Demonstranten protestieren gegen Corona-Maßnahmen.
Nach einer gescheiterten Klage wurden in einem amerikanischen Krankenhaus 153 Mitarbeiter entlassen. © Yi-Chin Lee/picture alliance/dpa/Houston Chronicle via AP

Bezirksrichterin Lynn Hughes stritt diesen Vergleich vehement ab. Er sei „verwerflich“ und auch die Gefahr vor gesundheitlichen Beeinträchtigung und Schäden durch die Impfstoffe* wies sie zurück. Der Erfolg, den sich die Impf-Verweigerer erhofft hatten, blieb demnach aus. Die Folge: 153 Mitarbeiter wurden fristlos entlassen. Einige unter ihnen kündigten bereits im Vorfeld, bevor das Gericht ihr Urteil verlas.

Droht Impf-Gegnern auch in Deutschland die Entlassung?

Mitarbeiterin Jennifer Bridges war sich der Konsequenz durchaus bewusst. „Wir alle wussten, dass wir heute gefeuert werden“, wird sie in Medienberichten zitiert, nachdem sie und weitere Angestellte sich nicht an die Impf-Frist der Klinik zum 7. Juni gehalten hatten. Auch in Deutschland, wo aktuell wie in Hamburg die Delta-Variante um sich greift*, ist das Thema umstritten.

In Deutschland gibt es aktuell keine rechtliche Grundlage, dass Arbeitnehmer einer verpflichtenden Corona-Impfung unterstellt seien. Jedoch liegt es in Ermächtigung des Arbeitgebers, welche Mitarbeiter eingestellt und weiterhin beschäftigt werden sollen. So kam es nach Angaben einer MDR-Berichterstattung Anfang des Jahres zu sieben Entlassungen innerhalb eines Pflegedienstes. Da das betroffene Personal eine Corona-Impfung ablehnte, verloren auch sie ihren Job. Ähnlich erging es einer ARD-Schauspielerin, die sich ebenfalls nicht impfen ließ*.

Der Leiter einer anderen ärztlichen Praxis verwies etwa darauf, dass ungeimpfte Mitarbeiter künftig nur noch mit administrativen Aufgaben betreut werden sollen. Auch hier sei in letzter Konsequenz eine Entlassung nicht ausgeschlossen. Schließlich könnten Impf-Verweigerer in medizinischen Einrichtungen ihre beruflichen Tätigkeiten ohne Patientenkontakt nicht dauerhaft verantwortungsbewusst ausüben.

Da Arbeitgeber in medizinischen Einrichtungen ohne eine Corona-Impfung die Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeiter und Patienten gefährdet sehen, könnten zukünftig Fälle wie in Houston auch in Deutschland große Welle schlagen. *24hamburg.de, merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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