Weltweiter Kampf gegen Impfmuffel

Impfprämie: Pizza, Pils, Preziosen für den Pieks – verrückte Corona-Impfaktionen

  • VonUlrike Hagen
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Impfprämie für den Pieks. Um zur Impfung zu locken, gibt es weltweit verrückte Aktionen: Freiflüge, Gratis-Joints, Gold und Blind Dates winken den Impfbereiten.

Hamburg – Ob Impfen im Millerntorstadion, im Stadion des HSV oder in der Elbphilharmonie, zu der 800 Menschen kamen. Der Einfallsreichtum, Menschen zur Corona-Schutzimpfung zu bewegen, scheint derzeit unerschöpflich. Der im Rahmen der bundesweiten Impfaktionswoche ausgerufene jüngste Clou: In Hamburg gibt es im Rahmen der Impfwoche neben schrägen Impf-Locations jetzt Gratis-Pizza für jeden, der sich auf der Kiez-Kneipe „Wunderbar“ impfen lässt.

Und wo in Thüringen die „Bratwurst-Impfungen“ locken*, plant die SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci für Berlin bereits die Döner-Impfbelohnung. So weit, so lecker. Doch was in anderen Länder der Welt an Impfprämien aufgeboten wird, um gegen die steigenden Corona-Zahlen und Impfmüdigkeit anzukämpfen, ist noch weit spektakulärer als kulinarische Impf-Anreize.

Krankheit:Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Ursprung:China
Erster Fall:1. Dezember 2019

Die Impfbereitschaft ist deutlich ins Stocken geraten. In 13 von 16 Bundesländern ist die Zuwachsquote der vollständig Geimpften im Vergleich zur Vorwoche erneut gesunken. In Hamburg sorgen vor allem die extrem hohen Inzidenzen bei den Zwölf- bis 17-Jährigen für Corona-Alarm. Damit der Impffortschritt nicht weiter stockt, hat Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel, die es nach ihrer Amtszeit wohl wieder in ihre Heimat Hamburg zieht, am vergangenen Sonntag zur bundesweiten Impfaktionswoche aufgerufen. Wie Deutschland versuchen weltweit viele Länder, Noch-Zweifelnde und Impfmuffel zum schützenden Stich zu bewegen.

Impfprämie in Holland: Blind-Date mit Corona-Abstand

Singles mit coronabedingtem Liebes-Notstand versuchte man in Haarlem in Holland zum Impftermin zu bewegen. Für alle, die wollten, gab es in der in der Wartezeit nach dem Pieks ein Blind-Date mit Sicherheitsabstand. Der arrangierte Flirt für impfwillige Singles wurde tatsächlich von der Gesundheitsbehörde organisiert.

Impfaktion in Finnland: Auftritt der Landesikonen

In Lappland in Finnland hat man für eine Impfaktion gleich nicht weniger als die Landeslegenden eingespannt. Sowohl der Frontmann der Hardrock-Band „Lordi“, Gewinner des „Eurovision Song Contest“ von 2006, als auch – Trommelwirbel – der Weihnachtsmann, der entsprechend finnischen Glaubens in Lappland lebt, traten bei dem Impf-Event auf. Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu ließ sich dabei bühnenreif im Monster-Kostüm seine zweite Corona-Impfung verpassen.

Impfprämie: Pizza zum Pieks, Gratis-Cab für Corona-Impfung in England

Im Vereinigten Königreich versucht man, mit Rabatten für den Fahrdienst Uber, Gutscheine für den Lieferservice Deliveroo und Gratis-Mahlzeiten vor allem die jüngeren Bevölkerungsgruppen zur Impfung zu locken. Die Fast-Food-Kette „Pilgrims“ baut sogar zwei Filialen in Impfzentren um, Pizza zum Pieks inklusive.

Ob Bratwurst, Blind-Date oder Pizza. Die Impfprämie gegen Impfmüdigkeit soll in vielen Ländern zum Pieks bewegen.

Goldwert: Impfprämie in Thailand

In Thailand wird in ländlichen Bezirken unter Impfbereiten jede Woche eine Kuh mit dem für Landes-Verhältnisse unschätzbarem Wert von circa 10.000 Baht, das sind etwa 250 Euro, verlost. Der Bezirk Khon Kaen setzt sogar auf Edelmetall und verlost unter den ersten 2000 Geimpften drei Goldgeschmeide. Der Wert: Umgerechnet 180 Euro pro Kette.

USA: Land der unbegrenzten Impfanreize

Auch in den USA überbieten sich die Bundesstaaten mit schier unfassbaren Impfprämien-Anreizen: Ob Einkaufsgutscheine, Freiflüge, Stipendien, Luxus-Kreuzfahrten, Tickets für große Sportevents, oder sogar Freiflüge und Millionengewinne. Bereits seit März bekommt jeder Geimpfte mit einem Impfzertifikat von der Donut-Bäckerei „Krispy Kreme“ einen süßen Kringel gratis – und das, sooft er oder sie möchte.

Den Vogel abgeschossen hat aber immer noch der Bundesstaat Washington, der jedem über 21 Jahren, der sich bis Mitte Juli gegen das Coronavirus impfen ließ, einen Joint schenkte. Und Gäste von Brauereien, Weingütern und Restaurants können weiterhin an vielen Orten auf Freidrinks hoffen, wenn sie ihre Impfung nachweisen. 

Reis, Benzin und „Tuk-Tuks“ für Impfungen in Indien

So bunt und vielfältig wie das Land selbst ist die Palette der Impfprämien in Indien. Von Gemüse, Saatgut oder Reis über Benzin bis hin zu Dreirädern, sogenannten „Tuk-Tuks“ reichen die Belohnungen für Impfwillige. Man versucht es dort aber auch mit einem für manch einen wohl bedrohlichen Bestrafungsszenario: In einem Landesteil wird Alkohol grundsätzlich nur noch an Geimpfte verkauft. 

Frankreich: Impfparty mit Tombola

Im Land der Liebe dagegen setzt man eher auf romantische Verlockungen: Eine Impf-Werbekampagne zeigt ein leidenschaftlich verknotetes, knutschendes Paar auf dem Autorücksitz, der Claim: „Ja, die Impfung kann erwünschte Nebeneffekte haben.“ Mit einer Tombola nur für Geimpfte versucht die südfranzösische Stadt Nîmes, die Impfbereitschaft bei Jüngeren anzukurbeln. Auf einer virtuellen „Impfparty“ wurden unter 18- bis 25-Jährigen mit mindestens der Erstimpfung Konzerttickets, Freifahrtscheine für den Bus oder Eintrittskarten fürs Schwimmbad geschenkt.

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Ob die weltweiten Bemühungen, bisher Impfunwillige zu motivieren fruchten, wird sich wohl erst im späten Herbst zeigen, wenn die Inzidenzzahlen aufdecken, wie sich die vierte Welle entwickelt, die besonders für Kinder gefährlich werden könnte. Zumindest werden inzwischen auch für Deutschland Impfprämien von bis zu 500 Euro diskutiert, um das Schlimmste zu verhindern. * 24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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