Impf-Kampagne stockt

Impfmüdigkeit steigt: Tausende Bürger lassen Termine sausen

  • Annabel Schütt
    VonAnnabel Schütt
    schließen

Die einen sind geimpft, die einen warten auf einen Termin und die anderen lassen ihren Termin einfach sausen. Sind die Deutschen etwa impfmüde geworden?

Monatelang klagten Bundesländer über den Mangel an Corona-Impfstoff. Egal ob Biontech, Moderna oder eben Astrazeneca, jeder wollte eine der heißbegehrten Impfdosen gespritzt bekommen. Doch inzwischen ist es in den deutschen Impfzentren leerer geworden, stattdessen lassen sich viele lieber auf die Liste beim Hausarzt ihres Vertrauens setzen. Und selbst dort werden die Warteschlangen kürzer und kürzer.

Doch was steckt dahinter? Nach anfänglichen Startschwierigkeiten der Impf-Kampagne scheint es plötzlich Impfstoff im Überfluss zu geben – doch macht sich in jetzt Deutschland Impfmüdigkeit breit?

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
1. bekannter Fall:1. Dezember 2019

Impfmüdigkeit oder Impfstoff im Überfluss? Immer mehr Termine werden geschwänzt

Egal wohin man schaut, Experten berichten zunehmend über abgesagte Impftermine – und das, obwohl die Aussichten vielversprechend sind. So schützt Impfstoff auch vor gefährlichen Corona-Mutationen und vollständige Geimpfte dürfen ich über viele Freiheiten freuen – während auch Lockerungen für Genesene gerade in Hamburg lange auf sich warten ließen. Während Ungeimpfte sich vor Urlaubsreisen meist testen lassen müssen, reicht bei Geimpften das Zeigen des EU-Corona-Zertifikats.

„Absagen oder No-Shows nehmen auch in den Hausarztpraxen zu“, so der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Insbesondere die Zweitimpfungstermine sollen regelrecht geschwänzt werden. Zwar können Hausärzte bei Nichterscheinen anderen Patienten Impfungen anbieten, sodass die Ärzte den Impfstoff nicht in den Müll werfen müssen, jedoch brauchen sie verlässliche Zusagen, um den bestellten Impfstoff kalkulieren zu können.

In Deutschland werden immer mehr Corona-Impftermine geschwänzt oder abgesagt. (24hamburg.de-Montage)

Und tatsächlich: Eine Umfrage des Tagesspiegels zeigt, dass der Impfmotor langsam ins Stocken gerät. Der Anteil gestrichener Impftermine in allen 16 Bundesländern liegt zwischen einem und sechs Prozent. Besonders viele Schwänzer gibt es offenbar in Mecklenburg-Vorpommern. Dort fallen zwischen 15 und 40 Prozent der Impftermine aus, dicht gefolgt von Hessen mit 20 Prozent.

Insbesondere AstraZeneca entwickle sich nach dem Wirrwarr rund um die erhöhten Gefahr von Hirnvenenthrombosen, einigen Lieferstopps und der Altersfreigabe zum Ladenhüter. Dazu haben sicher traurige Meldungen wie der tragische Tod einer Dreifach-Mama, die nach der AstraZeneca-Impfung starb beigetragen. Viele Patienten meiden daher den Hersteller und nun läuft sogar die Haltbarkeit einer Sonderlieferung des Impfstoffs ab. Die Folge: AstraZeneca wird kaum noch bestellt oder gelieferte Impfdosen landen gar in der Tonne.

Besser sieht es dahingegen in Niedersachsen und Hamburg aus. Während in der Hansestadt an der Elbe zuletzt keine Impfabsagen beobachtet werden konnten, pendelt sich Niedersachsen bei rund vier Prozent ein.

Trotz vermehrter Impf-Absagen: RKI dementiert Impfmüdigkeit-Vorwürfe:

Trotz der deutlichen Zahlen: Das Robert-Koch-Institut (RKI) dementiert sämtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der langsam einkehrenden Impfmüdigkeit der Deutschen. Eine gerade erst veröffentlichte Studie ergab, dass 98,7 Prozent der bisher einmal geimpften Befragten sich „auf jeden Fall“ oder „eher“ ein zweites Mal impfen lassen zu wollen. „Es ist also keine Tendenz erkennbar, dass das empfohlene Impfschema nicht vervollständigt wird“, so das RKI und glaubt weiter an das Erreichen einer Herdenimmunität von rund 80 bis 85 Prozent. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Simon/IMAGO & xim.gs/IMAGO

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare