1. 24hamburg
  2. Niedersachsen

Impfmücken und Mikrochips: Die witzigsten Corona-Verschwörungsmythen

Erstellt:

Von: Christian Einfeldt

Kommentare

Angst vor „Impfmücken“, Warnungen vor eingesetzten Mikrochips: Verschwörungsmythen haben in der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Ein Überblick über die absurdesten.

Berlin/Mississippi, USA – Die Regierung will Impf-Verweigerer per „Impfmücken“ impfen, Entwurmungsmittel hilft gegen Corona oder Impfungen enthalten Mikrochips. Seit Pandemie-Beginn im März 2020 kursieren die verrücktesten Corona-Verschwörungen. Trotz wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ihre Hypothesen ad absurdum führen, halten sich viele von ihren hartnäckig – und ihre Liste wird länger. Was steckt hinter den verrückten wie gefährlichen Verschwörungsmythen? Eine Übersicht.

Corona-Impfungen in Deutschland:Quelle: Our World in Data; Stand: 20. August 2021
Verabreichte Dosen:99,3 Mio.
Vollständig geimpft:48,9 Mio.
% der Bevölkerung vollständig geimpft:58,9 %

Parasitenschutzmittel statt Spritze: Corona-Verschwörung gefährdet die Gesundheit

In den USA nimmt die vierte Corona-Welle Überhand. Unlängst erteilte New York nur nach einer Impfung Zutritt* zum öffentlichen Leben. Besonders getroffen von der Pandemie ist aktuell der US-Bundesstaat Mississippi – das Land mit der höchsten Inzidenz und der niedrigsten Impfquote.

Statt ein Impfzentrum aufzusuchen, setzen einige Bewohner jedoch lieber auf ihre eigenen Methoden. Eine von ihnen lautet: Parasitenschutzmittel statt Spritze. Die US-Giftambulanzen sind besorgt aufgrund des Trends, der in den Vereinigten Staaten immer mehr Nachahmer findet. Das Mittel Ivermectin, das Tieren eine Vorbeugung und Behandlung von Parasiten verspricht, rief bereits erste Symptome bei den Impf-Verweigerern hervor.

Während Forscher kürzlich ein vermeintliches Wundermittel gegen Corona finden konnten, greifen die amerikanischen Impf-Gegner auf ein Mittel, mit denen sie sich selbst schaden. „Es kann sehr gefährlich sein, die falsche Dosis eines Medikaments zu nehmen, vor allem, wenn es für Pferde oder Kühe bestimmt ist“, warnte vor Kurzem das Giftzentrum von Mississippi gegenüber Nachrichtensender „ABC“.

„Impfmücken“ auf Mission: Corona-Verschwörer attackieren die Regierung

Die Liste der Verschwörungserzählungen ist lang. Seit Anfang August 2021 beherrschen „Impfmücken“ die Gedanken der Verschwörungstheoretiker. Via Telegram, das auch Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann für seine Propaganda nutzt*, habe ein Querdenker einen waschechten Skandal aufgedeckt. Im Sommer habe die Regierung sogenannte „Impfmücken“ gezüchtet, um Verweigerern eine Impf-Dosis zu verabreichen.

Den Stich könne man dabei kaum bemerken, da die Einstichstelle nicht jucken würde und ohnehin nur wenige Minuten sichtbar sei. Auf Querdenker-Demos, die auch schon Hamburg lahmlegten*, flögen die „Impfmücken“ umher, um ihre Arbeit für die Regierung zu verrichten. Der Impfgegner Dennis Ritter spricht eine Warnung aus und appelliert an seine Querdenker-Kollegen auf „ungeschützte Stellen der Haut“ zu achten.

Kontrolle durch Corona-Impfungen: Bill Gates als Feindbild der Corona-Verschwörer

Darüber hinaus berichten Querdenker von Mikrochips, die bei den Corona-Impfungen, die etwa das Hamburger Impfzentrum ohne Termin anbietet*, implementiert werden. Auf diesem Weg sollten Menschen vollends kontrolliert werden. Die Theorie stößt unter Impf-Verweigerern bereits seit Beginn der Pandemie auf Zustimmung. Anlass für Querdenker gab ein Schreiben von Bill Gates. Bereits im März 2020 berichtete er davon, dass „digitale Zertifikate“ in absehbarer Zeit Auskunft über eine Genesung oder Corona-Impfung geben könnten.

Corona-Querdenker, die seit längerem schon vom Berliner Verfassungsschutz beobachten werden*, verdrehten diese Aussage und unterfütterten sie nach ihrem Belieben mit Forschungen der Gates-Stiftung. Diese haben alle eines gemeinsam: Mit dem Coronavirus haben sie nichts zu tun. So etwa die Untersuchungen zur digitalen Identifizierung, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt oder Verhütungsmethoden via Mikrochips.

Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen.
Immer mehr Corona-Verschwörungstheorien sind im Umlauf. © Christoph Schmidt/dpa

Kurze Videos, die in den sozialen Medien kursieren, sollen jetzt jedoch den letzten Beweis der Verifizierung ihrer Theorie gebracht haben. Diese zeigen, wie Menschen sich Magnete an ihre vermeintliche Einstichstelle ihrer Impfung halten. Der Magnet bleibt haften. Dass die Verschwörungstheoretiker jedoch etwas nicht bedacht haben, erklärt ihnen etwa ein kurzer Blick auf die Website „Mimikama“, die es sich zur Aufgabe macht, den Theorien auf den Grund zu gehen.

„So ein kleiner Magnet kann nahezu überall am Körper hängenbleiben, solange die Stelle entsprechend glatt ist – das klappt also eher weniger an den haarigen Beinen oder am rauen Ellenbogen.“ Im Zuge der sogenannten Adhäsion, die das Aneinanderhaften zweier Stoffe ausdrückt, wirken zwischen den Teilchen verschiedener Körper anziehende Kräfte.

Corona-Verschwörung: Attacke auf DNA – tödliche mRNA-Impfstoffe

Natürlich sind auch die Corona-Impfstoffe Gegenstand von Verschwörungstheorien. Nachdem bereits der Vorwurf im Raum steht, dass eine Biotech-Impfung eine Herzmuskelentzündung* bewirken könne, gehen die Impf-Gegner einen Schritt weiter. So würden die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna unser Erbgut verändern. Frauen würden im Zuge dessen unfruchtbar werden und im Zweifelsfall sogar daran sterben. Auch hier offenbart sich schnell eine Wissenslücke.

Mithilfe von winzig-kleinen Fettpartikel wird die Erbinformation für das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus bei Impfungen in unsere Zellen injiziert. Die Fettpartikel produzieren wiederum ein Eiweiß, das unser Immunsystem schnell erkennt. In der Folge bildet unser Körper Antikörper dagegen. Zu unserer DNA haben die Fettpartikel jedoch gar keinen Kontakt.

5G-Sendemasten, die das Coronavirus verbreiten und Internetausfall

Die Liste der Corona-Verschwörungen ist unaufhörlich: Unter Corona-Leugnern, zu denen seit geraumer Zeit auch Sängerin Nena zählt*, hält sich das Gerücht hartnäckig, dass 5G-Sendemasten das Virus innerhalb der Gesellschaft verbreiten würden. Die Folge: Immer wieder werden Netzverteiler in Brand gesetzt. Dass die Masten einfach nur Funkwellen übertragen und die Infektionen auch in Ländern ohne 5G-Netzwerke in die Höhe schießen, stößt derweil auf wenig Zustimmung.

Eine weitere Theorie, die im Sommer 2021 die Gedanken von Querdenkern bestimmte: Mit dem Ziel „unliebsame Inhalte“ zu löschen, sollte im Juli das Internet abgeschaltet werden. Verfasser der kruden Theorie war die Verschwörungstheoretikerin Miriam Hope.

Auf Telegram zählt sie bereits Hunderttausende Follower, womit der große Einfluss von Verschwörungstheoretikern bereits angedeutet wird. Doch auch, wenn sie noch so fest daran glauben: Das Internet wurde nicht abgeschaltet, niemand erhielt ein Chip bei der Impfung. Und zu guter Letzt ruft Entwurmungsmittel im Endeffekt nur gesundheitliche Schäden hervor. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. Dieser Artikel erschien ursprünglich im August 2021.

Auch interessant

Kommentare