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Musiker starten Impf-Kampagne „#impfenschützt“ – und ernten Shitstorm

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Von: Christian Einfeldt

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„Damit das Leben weitergeht“ appellieren zahlreiche Musiker an ihre Fans, sich impfen zu lassen. Doch die Kampagne droht im Shitstorm zu versanden.

Berlin – Seit März 2020 bleiben laute Konzert-Musiker und Fan-Geschreie stumm. Eine Impfkampagne, initiiert von der Berliner Rock-Band „Die Ärzte“, soll die leidgeplagte Musikbranche jetzt reaktivieren. Zahlreiche Musiker wie Festivals schlossen sich der Kampagne an. Das Motto: „#impfenschützt“. In der Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme des Normalbetriebs, appellieren Musiker ihre Fans, sich impfen zu lassen. Doch statt großer Anteilnahme ernten die Musiker einen heftigen Shitstorm.

Corona-Impfungen in DeutschlandQuelle: Our World in Data, Stand: 25. August 2021
Verabreichte Dosen:100 Mio.
Vollständig geimpft:49,4 Mio.
% der Bevölkerung vollständig geimpft:59,5 %

impfenschützt: Musiker starten Impf-Kampagne

Am Mittwoch, 25. August 2021, plakatierten zahlreiche Musiker die Pinnwände ihrer sozialen Netzwerke mit dem Hashtag „#impfenschützt“. Ob der Absender nun Die Toten Hosen, Max Herre oder Peter Maffay war – sie alle richteten sich mit einer Bitte an ihre Fans. Mit dem großen Ziel vor Augen, schon bald wieder vor geöffneten Konzerthallen stehen zu können, rufen sie ihre Fans zur Impfung auf.

Das Hamburger Reeperbahn-Festival 2021 soll stattfinden* und auch der Hamburger Kultursommer* wartete mit einigen Musik-Auftritten auf. Doch die Möglichkeiten für Künstler ihre Musik live zu präsentieren, sind nach wie vor begrenzt. Die Kampagne „#impfenschützt“ hofft nun, dass Konzerte mit vollem Publikum schon bald wieder in den Alltag integriert werden können.

„Die Ärzte“ spielen ein Konzert. Eine Frau wird geimpft.
Die von der Band „Die Ärzte“ ins Leben gerufene Impf-Kampagne stößt nicht nur auf Zustimmung. (24hamburg.de-Montage) © Axel Heimken/dpa und Sebastian Gollnow/dpa

Den Meldungen ging ein ausführliches Statement der Berliner Band „Die Ärzte“ voraus. Die Rock-Band pocht darauf den anhaltenden Trend der Impf-Müdigkeit in Deutschland* zu stoppen. „Damit es nicht mehr so lange dauert, bis auch wieder Konzerte, Club- und Theaterbesuche unter normalen Bedingungen möglich sind“. Es ginge um die Zukunft der Kultur, die mit einer voranschreitenden Impfquote gewährleistet werden könne. Die Band habe sich unlängst selbst impfen lassen. Das Gleiche erhoffen sich die Bandmitglieder nun von ihren Fans.

Musiker setzen sich für Impfungen ein und warnen vor den Folgen einer Corona-Infektion

Die Band könne es nachvollziehen, dass sich die Angst vor einem „neuen und so schnell zugelassenen Stoff“ – trotz seiner sorgfältigen Beobachtung – negativ auf die Impf-Bereitschaft auswirke. So steht etwa der Verdacht im Raum, dass die Biontech-Impfung Herzmuskelentzündung* verursache. Doch hinsichtlich der immensen Gefahren einer Corona-Infektion, die durch Mutanten wie der Lambda-Variante* gar verstärkt werden, sei eine Impfung unabdinglich.

Darüber hinaus erwähnt die Band die erhöhte Ansteckungswahrscheinlichkeit bei Ungeimpften. „Das Problem an dieser Wette mit dem Schicksal ist, dass der Einsatz im schlimmsten Fall das eigene Leben sein kann“, heißt es weiter im Statement der Rock-Band.

„Damit das Leben weitergeht“: Musiker rufen ihre Fans zur Impfung auf

Das Statement stieß unter Musikerkollegen auf große Zustimmung. Jan Delay, dessen Konzert im Hamburger Impfzentrum vor Kurzem verweigert wurde*, schloss sich der Stellungnahme wenig später an. „Wenn ihr wieder Konzerte, Clubs und Veranstaltungen wie früher besuchen wollt: LASST! EUCH! IMPFEN! BITTE! DANKE!“, schreibt der Hamburger auf Facebook. „Wir wünschen uns Festivals und Konzerte zurück. Wir wünschen uns euch zurück“, schrieb das „Rock am Ring“-Festival, das sich ebenso beteiligt.

Die Liste der teilnehmenden Musiker liest sich wie das „Who‘s who“ der deutschen Musiklandschaft und reicht von Rap-Musiker Trettmann über Silbermond bis hin zu Schlager-Star Howard Carpendale. Letzterer bekräftigte, dass für ihn „die Impfung die einzige und endgültige Lösung für die Pandemie“ sei. Ähnliche Worte fand kürzlich Johannes Oerding, der gegen Nena wetterte*. Sie alle riefen ihre Fans nun zur Corona-Impfung auf. „Damit das Leben weitergeht“, wie es im vorausgegangenen „Ärzte“-Statement heißt.

„Politische Treibjagd“: Musik-Fans wittern eine indirekte Impf-Pflicht

Während sich die Musiker einig sind, dass eine Bekämpfung des Corona-Virus nur durch die Immunisierung der Impfung möglich sei, polarisiert das Thema unter den Fans. Wie die Facebook-Kommentare der zahlreichen Impf-Aufrufe belegen, löst die Debatte einen regelrechten Shitstorm aus.

Die Rede ist von einem Impfzwang, die die Musiker ihren Fans auferlegen würden: „Auch geil, dass man die Ungeimpften jetzt dafür verantwortlich macht, wenn keine Konzerte mehr stattfinden. Angeblich ist jeder gleich, das sehe ich bei der Coronakampagne nicht“, beschwerte sich etwa ein Kommentator unter dem Post von Jan Delay, der vor Kurzem im 24hamburg.de-Interview über ein Karriereende sprach*. Andere Facebook-User werden noch expliziter und sprechen gar von einer „politischen Treibjagd“, die die Impfkampagne betreibe. So etwa ein Fan der Berliner Rockband „Beatsteaks“.

Doch nicht alle Fans suchen die Konfrontation mit ihren Lieblingsmusikern. Ein „Beatsteaks“-Fan erinnert etwa an die vergangenen Jahre mitsamt allen Entbehrungen. Wie der Kommentator beipflichtet, sei eine Impfung für „den Erhalt der Kulturszene“ von großer Bedeutung. Ein anderer Kommentator ist unentschlossen: „Fan bleib ich, aber impfen möchte ich mich momentan einfach nicht“. „Jeder so, wie er es für richtig hält“, entgegneten die Musiker von „Beatsteaks“ – und liefern die Antwort auf die Frage, ob der Aufruf denn tatsächlich als Impf-Pflicht zu verstehen sei. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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