1. 24hamburg
  2. Niedersachsen

Wieder Feuer im Harz: So bedrohlich ist der Klimawandel für den Wald

Erstellt:

Von: Andree Wächter

Kommentare

Klimawandel und menschliche Fehler: Die Zahl der Waldbrände im Harz nimmt zu. Frühwarnsysteme wie „Fire Watch“ sollen helfen. Doch reicht das?

Harz - Es hat erneut im Harz gebrannt. Betroffen ist diesmal eine Fläche von etwa fünf Hektar im Trecktal im Oberharz am Brocken. Es ist mindestens der vierte Waldbrand in diesem Jahr. Eigentlich ist die Waldbrand-Saison in der „Sommerpause“. Die größte Gefahr besteht im Frühjahr und Herbst, wie ein Sprecher des Nationalpark-Harz gegenüber kreiszeitung.de sagte. Frisches Grün der Bodenvegetation und die Blätter der Baumkronen sorgen für einen natürlichen Brandschutz. Entsprechenden Mengen an Wasser (Regen und Schneeschmelze) sind eine Voraussetzung.

MittelgebirgeHarz
Höchster PunktBrocken
Höhe1141 Meter
Fläche2226 Quadratkilometer

Feuer im Harz: Erneut hält ein Waldbrand aktuell die Feuerwehr in Atem

Unabhängig vom aktuellen Feuer im Harz: Grundsätzlich gehören aber Waldbrände zum natürlichen Kreislauf des Waldes, so die Landesforsten. Im Harz gibt es ein weiteres Problem, das Waldbrände begünstigt: Viele Fichten sterben ab und brennen so schneller als sonst. Ein Grund fürs Absterben ist der Borkenkäfer.

Da es bisher zu wenig Niederschlag gab und mit einem heißen und trockenem Sommer zu rechnen ist, steigt auch die Waldbrandgefahr. Für das kommende Wochenende vom 17. bis zum 19. Juni erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) heiße Tage und hat den Waldbrandgefahrenindexes angepasst. Für Lüchow wurde für Sonnabend die höchste Warnstufe 5 ausgerufen. Celle, Bad Harzburg und der Landkreis Harz werden mit Stufe 4 geführt. Laut dem DWD rollt am Wochenende die erste große Hitzewelle über Niedersachsen.

„Im Zuge des Klimawandels wird die Gefahr von Waldbränden zunehmen“, schrieb zuletzt ein Sprecher des Forstministeriums in Magdeburg. Ob ein Waldbrandsommer wie 2018 bevorstehe, könne man noch nicht sagen, so der Sprecher. Die Witterung spiele dabei die entscheidende Rolle.

Wie groß ist die Gefahr? Waldbrand wird meist von Menschen verursacht

Fakt ist auch, dass die meisten Waldbrände von Menschen verursacht werden. Die weggeworfene Zigarette, warme Grillkohle oder der heiße Katalysator am Auto – Auslöser für einen Waldbrand gibt es viele. Dazu kommen noch natürliche wie ein Blitzeinschlag. Wenn es zum Feuer kommt, gilt: die Waldbrände so früh wie möglich zu lokalisieren und erfolgreich zu löschen, um die Entwicklung größerer Brandereignisse zu verhindern und Schäden für Mensch und Natur so gering wie möglich zu halten.

Zur Erkennung betreiben die niedersächsischen Landesforsten im Auftrag des Landes das Automatisierte Waldbrand-Früherkennungs-System (AWFS) in Lüneburg. Die optischen Sensoren des Systems überwachen die Waldfläche. Es hat eine Reichweite von 20 Kilometern. Innerhalb dieses Radius kann das AWFS Rauchentwicklungen durch Entstehungsbrände erkennen und exakt verorten, schreiben die Landesforsten. Die Kamerastandorte erstrecken sich auf sechs Landkreise: Lüneburg, Heidekreis, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Celle.

Feuerwehr
Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr fährt zu einem Einsatz. Bei Waldbränden ist die Anfahrt nicht immer einfach. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Sachsen-Anhalt (der Harz liegt zu Teilen in dem Bundesland) unterhält ein automatisches Waldbrand-Frühwarnsystem. Dieses wurde laut Ministerium in den vergangenen zwei Jahren für rund 1,6 Millionen Euro modernisiert. Die Elektronik auf den 15 bestehenden Sensorstandorten ist in diesem Zusammenhang ausgetauscht und grundlegend erneuert worden. Die Sensoren erfassen beispielsweise Rauchentwicklung in einem Radius von bis zu 15 Kilometern.

Feuer Harz: Frühwarnsysteme sollen Waldbrandgefahr bannen

In den vergangenen Jahren wurde ein Netzwerk zur automatisierten Früherkennung in mehreren Bundesländern errichtet. „Wir sind sensibler geworden“, hieß es jüngst vom Landesfeuerwehrverband in Sachsen-Anhalt über den flächendeckenden Ausbau des automatisierten Waldbrandüberwachungssystems „Fire Watch“.

Bereits 2021 testen die niedersächsischen Landesforsten ein DIY-Löschauto zur schnellen Bekämpfung von Waldbränden. Das Lösch-Modul besteht aus einfachen Bauteilen, die überall im Handel zu kaufen sind.

Auch interessant

Kommentare