Coronavirus-Welle überschwemmt Leer

Nach Restaurantbesuch: 18 Infizierte, 118 in Quarantäne, Papenburger Meyer Werft betroffen

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Die Zahl der Infizierten Menschen im Landkreis Leer explodiert. 18 Infizierte und 118 Menschen in Quarantäne sind es bisher. Bei einem Restaurantbesuch kam es zu Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen. Dem Wirt droht ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro.

  • In Leer (Ostfriesland) infizierten sich 18 Menschen mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2.
  • Sie aßen im selben Restaurant. 118 Menschen in Quarantäne.
  • Papenburger Meyer Werft betroffen, Wirt droht schmerzhaftes Bußgeld.

Update vom 25. Mai, 9:00 Uhr: Hamburg/Leer - Die Lage im Landkreis Leer in Ostfriesland spitzt sich immer weiter zu. Vergangene Woche gab es dort sieben Neuinfektionen, 50 Menschen mussten in Quarantäne. Mittlerweile sind die Zahlen aber noch oben geschnellt. Auf 18 Neuinfektionen und 118 Menschen in Quarantäne. Weil die Zahl der infizierten Menschen über das Wochenende kontinuierlich stieg, stieg auch die Zahl der möglichen Kontaktpersonen dramatisch an.

Deutscher Landkreis Leer (Ostfriesland)
Fläche 1.086 Quadratkilometer
Bevölkerung 168.253 (2016) Statistisches Bundesamt
Hauptstadt Leer
Sehenswürdigkeiten Neuer Leuchtturm Borkum
Mannschaft SV Warsingsfehn

Coronavirus-Ausbruch wegen Gasthaus in Leer: Zahl der Infizierten steigt, riesiges Bußgeld droht

So soll zu den infizierten Personen laut NDR auch die Personalchefin der Papenburger Meyer Werft gehören, die nach der Infektion an mehreren Meetings teilgenommen haben soll. Teile der Geschäftsführung und beinahe der vollständige Betriebsrat seien deswegen in Quarantäne.

Das Coronavirus hat sich im Gasthaus „Alte Scheune“ in Ostfriesland verbreitet. (24hamburg.de-Montage)

Auslöser für diese neue Coronavirus-Welle war die Wiedereröffnung der Restaurants im Landkreis Leer am 11. Mai. Bei einer Veranstaltung im Gasthaus „Alte Scheune“ in der Gemeinde Moormerland kam es scheinbar zu Verletzungen der Vorschriften und zur Verbreitung des Coronavirus-Sars-CoV-2. So erklärt Landrat Matthias Groote im NDR: „Wir haben Hinweise darauf, dass dort kein Mund-Nase-Schutz durch den Betreiber getragen worden ist. Dass man sich an einen Tisch gesetzt hat, dass es auch zu Körperkontakt gekommen ist.“

Für die Verstöße könnte ein saftiges Bußgeld fällig werden. Bis zu 25.000 Euro sieht der Strafenkatalog vor. Wie hoch die Strafe ausfällt dürfte auch von den weiteren Ermittlungen abhängen. So teilte der Landkreis Leer mit, dass sich Personen beim Gesundheitsamt gemeldet hätten, die zwar im Restaurant waren, aber nicht auf der obligatorischen Gästeliste standen.

Noch in der vergangenen Woche kündigte Landrat Matthias Groote an, dass die Lockerungen weiter gehen würden. Die aktuellen Entwicklungen beirren ihn in diesem Vorhaben bislang nicht. So sagte er im NDR weiter: „Ich denke, dass die Regeln, die wir in Deutschland haben zum Besuch in Restaurants, zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend sind. Sonst muss noch einmal darüber nachgedacht werden, ob es Verschärfungen geben muss.“

„Es ist halt blöd gelaufen, das Pre-Opening.“ - Selbes Restaurant: 70 Personen in Quarantäne, 11 infiziert

Erstmeldung vom 24. Mai, 15:50 Uhr: Hamburg/Leer - Niedersachsen zählt zu den Bundesländern, in denen Restaurants als erstes wieder öffnen durften. Schon am Montag, 11. Mai, war es soweit. Und tatsächlich gab es auch im Landkreis Leer (Ostfriesland) eine Woche lang keine Neuinfektionen. Doch jetzt kam das Coronavirus mit Wucht zurück.

Von Dienstag, 19. Mai, bis Freitag, 22. Mai, gingen elf Neu-Infektionen beim Gesundheitsamt ein, wie der Landkreis selbst vermeldet und auch gegenüber kreiszeitung.de bestätigt wurde*. Pikant: Die Infektionen konnten auf einen Restaurantbesuch in Moormerland zurückgeführt werden. Indes wurde auch bekannt, dass sich der Inhaber des Restaurants aktiv gegen die Coronavirus-Regeln verstoßen haben soll* – der Inhaber hat sich dabei auch mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 infiziert. Es ist der erste bekannte solche Fall in ganz Deutschland.

Landkreis Leer in Ostfriesland: Sieben Neuinfektionen mit Coronavirus nach Restaurantbesuch

„Die Infektionen stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Besuch in einem Lokal. Seit Bekanntwerden der Fälle ist das Gesundheitsamt dauerhaft im Einsatz, um die Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen und auf dieser Grundlage entscheiden zu können, wer in Quarantäne muss und wer nicht.“, vermeldet der Landkreis Leer.

Bis jetzt sind elf Menschen infiziert, siebzig weitere mussten in Quarantäne. Seinen ersten Coronavirus-Fall hatte der Landkreis Leer am Mittwoch, 4. März, zu beklagen. Seitdem gab 108 Infektionen. 96 Menschen wurden wieder gesund, drei starben. Die restlichen Personen befinden sich noch in Behandlung. Jetzt scheint das Coronavirus mit Wucht zurück zu sein. „Dieser Ausbruch führt uns deutlich vor Augen: Corona ist nicht vorbei, das Virus kann sich jederzeit weiter verbreiten.", kommentiert Landrat Matthias Groote die Situation.

Fallzahlen steigen bald „extremst" an

Das Coronavirus jetzt wieder einzudämmen sei schwer, wie das Gesundheitsamt betont. Schließlich würde es sich nicht um einen Einzelfall handeln, sondern um einen „Ausbruch mit gleichzeitig mehreren Infizierten und vielen Kontakten.“ Das würde vor allem die Nachverfolgung erschweren.

Auch Groote rechne damit, dass die Zahlen in naher Zukunft „extrems ansteigen werden“, da die neuen Fälle „im Rahmen eines Zusammentreffens“, passiert seien. In einem Video, das der Landrat am Freitag veröffentlichte, appelliert er noch einmal an seine Bürger: „Halten Sie sich an die Regeln. Denn diese Regeln schützen uns davor, dass die Fallzahlen ansteigen.“

Erste Weiterverbreitung des Coronavirus in einem Restaurant in ganz Deutschland

Hinweisschild vor der „Alten Scheune“ in Moormerland.

Natürlich ist in Niedersachsen jetzt auch eine Debatte darüber ausgebrochen, wie sicher ein Restaurantbesuch in Zeiten des Coronavirus ist. Der Hotel- und Gaststättenverband in Niedersachsen zeigte sich zwar bestürzt, wie es in einer Mitteilung heißt, sieht die Verantwortung aber bei „Gastwirt, Mitarbeiter und Gäste die gesetzlich festgelegten Abstands- und Hygienevorgaben kompromisslos einhalten“ müssten.

Es handelt sich um den erster Fall einer Weiterverbreitung in Deutschland, der sich auf ein Restaurant zurückführen lässt. Christoph Diekmann, Koch des betroffenen Gasthauses „Alte Scheune“ in Moormerland erklärt gegenüber der dpa: „Es ist halt blöd gelaufen, das Pre-Opening. Wir mussten feststellen, dass sich ein Gast mit Covid-19 infiziert hat.“ Das Restaurant musste geschlossen werden, der Imbiss für den Außer-Haus-Verkauf bleibe aber geöffnet.

Keine Konsequenzen: Lockerungen gehen weiter

Vor Ort scheint die Suche nach einem Schuldigen bereits zu laufen. So hätten sich die Personen bei einer Veranstaltung infiziert, die vor dem 11. Mai stattgefunden hätte, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Also vor der offiziellen Freigabe. Laut dpa sei mittlerweile aber geklärt, dass sich die Gäste auf einer Veranstaltung vom 15. Mai infiziert hätten. Vier Tage später wurden Gäste und der Wirt positiv auf das Coronavirus getestet.

Konsequenzen aus diesem erneuten Coronavirus-Ausbruch gibt es bislang keine. Eher im Gegenteil. Noch in der selben Mitteilung, in der Groote über die Neuinfektionen berichtet, kündigt er an, dass Reisende nach Borkum dürften. Entgegen eines Verbots. Ab Montag, 25. Mai, würde es eine neue Allgemeinverfügung geben, die Hotelgästen erlauben würde, auf der Insel zu bleiben. Parallel dazu dürften auch die Hotels auf der Insel ihren Betrieb wieder hochfahren.

Quelle: 24hamburg.de

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Rubriklistenbild: © Lars-Josef Klemmer/dpa/picture alliance

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