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Hamburg macht jetzt Strom aus Fäkalien: Könnte Energie für immer liefern

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Von: Christian Einfeldt

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Strom aus Fäkalien zu erzeugen, klingt erstmal bizarr. Doch die Idee funktioniert – und immerhin: Diese Energie-Ressource dürfte wohl niemals versiegen.

Hamburg – Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich „Hamburg Water Cycle“ als „innovativ und nachhaltig“. Die Planungen seien mittlerweile fast abgeschlossen. Es ist ein ungewöhnliches Projekt, das die Bewohner*innen im Hamburger Stadtteil Jenfeld miteinander verbindet. Sie produzieren ihren Strom nämlich sozusagen selbst. Das System von „Hamburg Water Cycle“ wandelt Abwasser - und alles, was da drin ist - in Energie und Wärme um. Fäkalien als Innovationsmotor in der Klimawende? Schon bald könnte das Hamburger Projekt Schule machen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Hamburg erzeugt Strom aus Fäkalien: „Das Abwassersystem Hamburg Water Cycle ist einzigartig“

In Niedersachsen haben Windstrom und Wasserstoff unlängst zu einer Co2-Reduzierung bei der Stahlproduktion* beigetragen. Zuletzt gelang Forscher*innen gar ein Durchbruch bei der Kernfusion, sodass Wind und Solar überflüssig sein könnte. Im Kampf gegen den Klimawandel will auch das Projekt „Hamburg Water Cycle“ helfen – mit einem Konzept, das zunächst kaum bizarrer klingen könnte. Will die Hansestadt ernsthaft mit Fäkalien Strom erzeugen? Deshalb könnte es funktionieren.

Hamburg ist bislang der erste Standort, an dem das von der EU geförderte Projekt, realisiert wird. „Das Abwassersystem Water Cycle der Jenfelder Au ist einzigartig“, befindet Sabrina Schmalz gegenüber der MOPO. Sie ist die Pressesprecherin von „Hamburg Wasser“, der Hamburger Wasserversorgung, die das Projekt ins Leben gerufen hatte.

Strom-Erzeugung aus Fäkalien in Hamburg ist durch Entstehung von Biogas möglich

Kläranlagen erreichen stets zwei Wasserarten: Grauwasser und Schwarzwasser. Während es sich bei Grauwasser um das Wasser handelt, das beim Duschen oder Wäsche waschen entsteht, geht es bei Schwarzwasser schlicht und einfach um das schmutzige Abwasser aus der Toilette. Für Hamburgs neuen Plan zur Energiewende wird nach Angaben von focus.de lediglich letzteres benötigt. Getrennt werden Grau- und Schwarzwasser in der Kläranlage. Anschließend wird das Schwarzwasser zu einem Betriebshof geliefert, der die Jenfelder Au mit der regenerativen Ressource versorgen soll. Hier wird aus Schwarzwasser Biogas. Ein Blockheizkraftwerk, verantwortlich für die Stromversorgung einzelner Quartiere, wandelt es im finalen Schritt nun in Strom und Wärme um.

Klimafreundliche Stromerzeugung: Auch andere Hamburger Stadtteile sihaben Projekte

Wenige Kilometer südlich von Jenfeld, setzt man ebenfalls auf eigenen Strom. Am Hamburger Dudenweg produziert ein Blockheizkraftwerk Strom und Wärme schon seit September 2019. „Wir sparen sehr viel Platz, da sich das Kraftwerk unter der Erde befindet“, sagt die Sprecherin von „Hamburg Energie“. Auswertungen ergaben, dass die Anlagen in Billstedt auf diesem Wege bereits 850 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr einsparen konnten.

Eine Hand steckt einen Stecker in die Steckdose. Daneben eine Toilette.
„Hamburg Water Cycle“ liefert ein Konzept zur klimafreundlichen Energieerzeugung. (Symbolbild) © imago

Klimafreundlicher Strom spielt in Hamburg, wo die Corona-Fälle zuletzt wieder in die Höhe geschossen waren*, jedoch weitaus länger schon eine Rolle. Seit 2015 versorgt Wilhelmsburg rund tausende umliegende Haushalte mit Energie. Hier liefert das Kraftwerk Strom und Wärme für 614 Wohnungen. „Mit unseren Quartierslösungen verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, dass Energie dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird“, sagt Hamburg-Energie-Geschäftsführer Michael Prinz gegenüber der MOPO.

Neuer Strom für Hamburg: Ist die Eigenproduktion von Energie die Zukunft?

Der Grund, warum die Hansestadt diesen klimafreundlichen Weg geht: Kaum eine Ressource ist effizienter. Eine Turbine, die mit Wasserdampf angetrieben wird, produziert Energie. Im Gegensatz zu normalen Kraftwerken haben Blockheizkraftwerke einen klaren Vorteil. Ein normales Kraftwerk kann 62 Prozent der produzierten Abwärme nicht verwerten. Ein Blockheizkraftwerk hingegen speichert die entstehende Wärme und gibt sie direkt an angeschlossene Haushalte weiter.

Für den Fall, dass die Haushalte in Hamburg die Energie nicht verbrauchen, nimmt das Fernwärmenetz die überschüssige Energie auf. Auf diesem Weg bleiben nur zwölf Prozent ungenutzt. In Anbetracht der steigenden Kosten für Strom und Wärme könnte dies ein entscheidender Aspekt sein. Aufgrund eben jener Energiekosten-Steigerung wurde zuletzt gar debattiert, ob es für Hartz-IV-Empfänger 100 Euro* extra geben sollte.

Hamburger Strom aus Fäkalien kann bereits 25 Haushalte mit Strom und 70 mit Wärme versorgen

Für die Zukunft verfolgt die Jenfelder Au große Ziele. Wie die MOPO berichtet, will das Wohnquartier innerhalb eines Jahres rund 450.000 Kilowattstunden Strom sowie 690.000 kWh Wärme produziert haben. 25 Haushalte wären in der Zeit mit Strom versorgt, von 70 Haushalten wäre der Wärmebedarf gedeckt. Darüber hinaus bietet das Hamburger „Water Cycle“-Konzept einen weiteren positiven Effekt: Normalerweise liegt der Wasserbedarf einer Klo-Spülung bei sechs bis neun Liter. Nach Informationen von focus.de kommt die Technik des Hamburger Unternehmens mit weniger als einem Liter pro Spülung aus. Liter. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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