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Gorch Fock kommt nach Hause – „Es gab definitiv Bestechungen“

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Von: Tomasz Gralla

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Nach sechs Jahren und astronomisch hoher Sanierungskosten kehrt das Marineschiff „Gorch Fock“ zurück nach Kiel. Neben Begeisterung gibt es aber auch Proteste.

Kiel – Nach einer wahren Odyssee voller Pannen, Skandalen und für viele unverhältnismäßig hohen Sanierungskosten kehrt die „Gorch Fock“, das legendäre Segelschulschiff der Deutschen Marine, zurück in seinen Heimathafen nach Kiel. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gibt sich die Ehre, genauso wie die Naturschutzorganisation WWF, die die Rückkehr des Segelschiffes mit Protesten begleiten will.

Schiff:Gorch Fock
Flagge:Deutschland
Heimathafen:Kiel
Kiellegung:24. Februar 1958
Stapellauf:23. August 1958
Indienststellung:17. Dezember 1958
Besatzung:222

Segelschiff: Gorch Fock kehrt zurück nach Kiel

Die „Gorch Fock“, benannt nach dem gleichnamigen Schriftsteller, ist untrennbar mit Kiel verbunden. Hier befindet sich der Heimathafen des Segelschiffes, das auch traditioneller Teil der Windjammer-Parade zum Abschluss der Kieler Woche ist. Jahrzehntelang schmückte es zudem die Rückseite des 10-D-Mark-Scheins.

Es war 2015, als sich eine routinemäßige Überholung der „Gorch Fock“ zu einem millionenschweren und skandalumwitterten Projekt entwickelte, das niemand hat kommen sehen. Die angedachte Sanierung wurde nicht nur einmal infrage gestellt, ein kompletter Neubau lag auf dem Tisch. Doch daraus wurde nichts, die „Gorch Fock“ segelte auch durch diesen Sturm mehr oder weniger souverän und dockt nun wieder in Kiel an.

«Gorch Fock» kehrt in seinen Heimathafen zurück
Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ fährt auf die Kieler Förde zu. © Axel Heimken/dpa

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wird bei der Rückkehr der „Gorch Fock“ an Bord des Schiffes sein, wenn dieses am Montag, dem 04. Oktober, um etwa 14 Uhr den Marinestützpunkt Kiel-Wik passiert. Interessierte können der Einfahrt von der Eckernförder Bucht über das Laboer Ehrenmal verfolgen. Auf Höhe des Regierungssitzes wird es ein Wendemanöver geben, bis die Dreimastbark schließlich an der Gorch-Fock-Mole festmacht.

Gorch Fock: „Wahrzeichen und Visitenkarte Kiels“ kommt nach vielen Pannen zurück

„Das Segelschulschiff ist nicht nur als schwimmende Botschafterin Deutschlands auf allen Weltmeeren unterwegs“, erinnert Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther laut dem NDR*, „sondern auch Wahrzeichen und Visitenkarte unseres Bundeslandes und der Landeshauptstadt Kiel.“

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Eine Visitenkarte, die lange in Druck und begleitet war von wenig schmeichelhaften Schlagzeilen. Nach fast sechs Jahren Sanierungsarbeiten erlitt die „Gorch Fock“ bei einer Probefahrt im September einen Maschinenschaden. Die zweite Probefahrt verlief dann unproblematischer und nun segelt das Segelschulschiff wieder und alles scheint perfekt. Oder?

Sanierung: Kosten bei Gorch Fock stiegen in die Höhe

Perfekt ist noch lange nichts. Die Kosten für die Sanierung der „Gorch Fock“ belaufen sich auf 135 Millionen Euro Steuergeld. Der Bund der Steuerzahler rechnet mit weiteren Kosten in den kommenden Jahren. Auch die zahlreichen Skandale, die dem Schiff in den letzten Jahren den Wind aus den Segeln nahmen, seien noch lange nicht aufgearbeitet. „Es gab definitiv Bestechungen, es gab Untreue-Vorwürfe gegen eine Werft und es ist bis heute nicht aufgeklärt, welche Rolle die Marine dabei gespielt hat“, zitiert der NDR den Bund weiter.

Die Naturschutzorganisation WWF kündigte an, die Rückkehr der „Gorch Fock“ nach Kiel mit Protesten zu begleiten. Angeblich soll auf dem Schiff illegal geschlagenes Tropenholz verbaut worden sein. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung verweigert laut der WWF bislang den Einblick in die Dokumente, die Klarheit in dieser Frage liefern könnten. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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