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„Gorch Fock“: Lange Haftstrafen für Ex-Vorstände der Elsflether Werft?

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Von: Johannes Nuß

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Der Schriftzug „Gorch Fock“ ist an einem Steuerruder angebracht.
Im Zuge der Sanierung der „Gorch Fock“ müssen sich nun die Ex-Vorstände der Elsflether Werft vor Gericht verantworten. (Archivbild) © Frank Molter/dpa

Im Zuge der Sanierung der „Gorch Fock“ hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklagen erhoben. Zwei Ex-Vorständen der Elsflether Werft drohen lange Haftstrafen.

Osnabrück – Normalerweise heißt es ja: Was lange währt, wird endlich gut. Dass dieses Sprichwort nicht immer passt, haben die ehemaligen Verantwortlichen um die Elsflether Werft und die Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ bereits schmerzhaft lernen müssen. Am Anfang standen zunächst 10 Millionen Euro im Raum, zum Schluss wurde die Sanierung, oder besser gesagt Neubau, der „Gorch Fock“ mit 135 Millionen Euro Kosten rund 125 Millionen Euro teurer*. Seit der Insolvenz der Elsflether Werft wird die Geschichte um die Sanierung der „Gorch Fock“ immer mehr zum Wirschaftskrimi*.

Segelschulschiff:„Gorch Fock“
Schiffstyp:Bark
Klasse:Gorch-Fock-Klasse
Heimathafen:Kiel
Bauwerft:Blohm & Voss, Hamburg
Indienststellung:17. Dezember 1958

Gorch Fock: Affäre könnte für Ex-Geschäftsführern Nachspiel in puncto Haftstrafen

Das ganze Trauerspiel ist aber noch nicht zu Ende: Jetzt sollen sich zwei Ex-Vorstände der Werft vor Gericht verantworten. Sie könnten für lange Zeit im Gefängnis landen. Denn, nach fast drei Jahren Ermittlungen zu Geschäften des früheren „Gorch Fock“-Sanierers Elsflether Werft ist Anklage gegen die frühere Werftleitung und andere Beteiligte erhoben worden. Den Ex-Geschäftsführern Klaus W. und Marcus R. drohen wegen Untreue in besonders schwerem Fall Haftstrafen von bis zu zehn Jahren, berichtet der „Spiegel“.

Sanierung der „Gorch Fock“: Staatsanwaltschaft Osnabrück erhebt Anklage gegen Ex-Geschäftsführer

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück teilte am Montag mit, sie habe die Vorstände wegen Vorteilsgewährung, Untreue, unerlaubter Bankgeschäfte und Insolvenzverschleppung angeklagt. Ebenfalls angeklagt wurde ein ziviler Mitarbeiter der Marine in Wilhelmshaven. Er war für die Prüfung von Marinezahlungen in Sachen „Gorch Fock“ an die Elsflether Werft zuständig. Der Mann soll von dem Unternehmen Kredite von insgesamt 800.000 Euro bekommen haben.

Die kleine Werft an der Unterweser hatte ab Dezember 2015 den Hauptauftrag zur Generalüberholung der „Gorch Fock“. Deren Kosten explodierten von geplant 10 Millionen Euro auf schließlich 135 Millionen Euro. In der Diskussion über die hohen Kosten geriet um den Jahreswechsel 2018/19 auch das Geschäftsgebaren der Elsflether Werft AG in den Fokus. Im Februar 2019 meldete die Werft schließlich Insolvenz* an.

Innerhalb von drei Jahren durchleuchteten Ermittler das Beziehungsgeflecht zwischen Werft, vielen Subunternehmern in der Region und der Marine. Die Zentralstelle für Korruptionsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Osnabrück und die Sonderkommission „Wasser“ der Polizei Oldenburg führten insgesamt mehr als 115 Verfahren. Neben den Anklagen erging den Angaben nach ein Strafbefehl über 10.000 Euro an einen Zulieferer. Dutzende Verfahren wurden gegen Geldauflage eingestellt.

„Gorch Fock“: Ex-Vorstand der Elsflether Werft schweigt weiterhin zu Vorwürfen

Der Oldenburger Anwalt eines Ex-Werftvorstands bestätigte auf Anfrage den Eingang der Anklageschrift. Inhaltlich wolle man sich aber nicht äußern. Auch der zweite angeklagte Vorstand, ein Hamburger Anwalt, lehnte eine Stellungnahme ab. Das Landgericht Oldenburg muss noch über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

Allein in dem Fall des bestechlichen Marineangestellten gibt es sechs Angeklagte. Neben ihm sind es die zwei Vorstände, einer ihrer Mitarbeiter sowie der Geschäftsführer und die Prokuristin eines Zulieferers aus Heikendorf bei Kiel. Die Staatsanwaltschaft stellte zu diesen Korruptionsermittlungen* aber klar: „Ein Zusammenhang zwischen der Annahme der Darlehen und der Kostenexplosion bei der Instandsetzung der ,Gorch Fock‘ konnte nicht hergestellt werden.“

Die steigenden Kosten gingen eher darauf zurück, dass an dem maroden Dreimaster mit der Zeit immer mehr Stellen entdeckt wurden, die repariert werden mussten. Der wachsende Bedarf wurde von der Bundeswehr bis hinauf zur damaligen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) immer wieder abgenickt.

Nach Insolvenz der Elsflether Werft: von der Leyen lässt Schiff auf Bremer Lürssen-Werft fertigstellen

Nach der Insolvenz der Elsflether Werft entschied von der Leyen, das Schiff auf der Bremer Lürssen-Werft fertigstellen zu lassen. Diese lieferte die runderneuerte Bark Ende September 2021 bei der Marine ab. Derzeit liegt die „Gorch Fock“ auf Teneriffa. Sie wartet nach einer Verzögerung wegen Corona-Fällen auf die Offiziersanwärter und -anwärterinnen für eine erste Ausbildungsfahrt.

Allein 60 Verfahren betrafen Preisabsprachen zwischen der Elsflether Werft und ihren Subunternehmern zulasten der Bundeswehr. Die Ermittler errechneten daraus einen Schaden von 6,9 Millionen Euro. Die Führung der Heikendorfer Firma sowie der Geschäftsführer eines weiteren Zulieferers wurden wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr beim Amtsgericht Brake angeklagt.

„Gorch Fock“: Ermittlungen gegen die Ex-Werftvorstände wegen Betrugs am Bund laufen

Die Ermittlungen gegen die Ex-Werftvorstände wegen dieses Betrugs am Bund laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiter. Wegen Beihilfe wurde gegen 24 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Elsflether Werft ermittelt. Diese Verfahren seien gegen Geldauflagen eingestellt worden. Die Mitarbeiter seien „eingebunden in ein langjähriges System“ gewesen, sie hätten aber bei der Aufklärung geholfen, sagte ein Sprecher.

Die Vorstände sollen den Angaben nach seit 2015 auch fast elf Millionen Euro als Darlehen in Nebengeschäfte gesteckt haben. Diese reichte bis zu Goldminen in der Mongolei. Aussichten auf Rückzahlung habe es seit Mai 2018 nicht mehr gegeben, seit damals sei die Werft zahlungsunfähig gewesen. Darauf beziehen sich die Anklagen wegen Untreue, unerlaubter Bankgeschäfte und Insolvenzverschleppung. Über die Anklagen hatten zuerst „The Pioneer“ und der „Spiegel“ berichtet. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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