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Psychotherapie: Wie komme ich an einen Therapieplatz?

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Von: Maria Sandig

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Die Wartezeit für einen Therapieplatz kann lang sein. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig darum zu bemühen. Alle Infos, um schnellstmöglich Hilfe zu finden.

Wer schon einmal eine Therapie gemacht hat, weiß, wie langwierig die Suche nach einem Platz sein kann. Besonders in depressiven Phasen ist es schwer, sich um einen Platz zu bemühen. Bundesweit erfüllt mehr als jede vierte erwachsene Person im Zeitraum eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Depressionen gehören neben Angststörungen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentengebrauch zu den häufigsten Krankheitsbildern.

Psychotherapie: Wie komme ich schnell an einen Therapieplatz?

In Deutschland an einen Therapieplatz zu kommen, ist nicht einfach und in der Regel ein langwieriger Prozess. Die Corona-Pandemie *, welche die Gesellschaft im Frühjahr 2020 vor bisher ungeahnte Herausforderungen gestellt hat und das soziale Leben bis heute noch einschränkt, hat die Situation weiter verschärft.

In Deutschland an einen Therapieplatz zu kommen, ist nicht einfach und in der Regel ein langwieriger Prozess.
In Deutschland an einen Therapieplatz zu kommen, ist nicht einfach und in der Regel ein langwieriger Prozess. © Soeren Stache/ dpa

Klar ist: Die Wartezeiten in Deutschland sind zu lang und das System dahinter ausbaufähig, auch wenn sich schon vieles positiv verändert hat. Seit der Psychotherapie-Reform im Jahr 2017 sollte sich die Situation für Therapiesuchende verbessern. Doch die durchschnittliche Wartezeit hat sich lediglich um 3,5 Wochen verkürzt. So lang warten Menschen in Deutschland auf einen Therapieplatz *.

Viele kümmern sich erst um eine Psychotherapie, wenn schon die ersten Anzeichen einer psychischen Erkrankung vorliegen

Viele Menschen bemühen sich meist erst um einen Platz für eine Psychotherapie, wenn es ihnen schon sehr schlecht geht und bereits die ersten Anzeichen einer psychischen Erkrankung vorliegen. Wenn sie dann noch mehrere Monate warten müssen, ist das ungünstig für den Krankheitsverlauf. Das weiß auch Claudia Ritter Rupp. Sie ist Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und arbeitet als Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie in München. 

„Patientinnen und Patienten können sich zu diesem Schritt manchmal nur schwer entschließen“, weiß die Expertin. Sich in Psychotherapie zu begeben sei ein längerer Prozess und dieser löse auch Vorbehalte und Ängste aus. 

Wie die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückt werden kann

Die Seite der Bundespsychotherapeutenkammer, hilft dabei, Therapeutinnen und Therapeuten im Umkreis zu finden. Um einen Termin für ein Erstgespräch zu bekommen, können die Krankenkassen oder die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung ein Anlaufpunkt sein. Einen Termin für ein Erstgespräch zu bekommen, kann relativ schnell gehen.

Doch die Terminvergabe der Erstgespräche ist unabhängig von der eines freien Therapieplatzes. Das bedeutet, dass es sein kann, dass Menschen mit psychischen Problemen schnell ein Erstgespräch bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten bekommen, dieser danach aber keinen freien Platz für eine Therapie hat. 

Eine Seite, die sich der Problematik widmet, ist Kassenwatch. Dort geht es um das Kostenerstattungsverfahren. Darauf greifen einige Therapeutinnen und Therapeuten ohne Kassensitz zurück. So können sie auch Kassenpatienten behandeln, die anderweitig keinen Therapieplatz finden.

Ambulante Behandlungsangebote in der psychiatrischen Institutsambulanz sind auch eine Option, wenn Menschen akute Hilfe benötigen.
Ambulante Behandlungsangebote in der psychiatrischen Institutsambulanz sind auch eine Option, wenn Menschen akute Hilfe benötigen. © Holger Hollemann/ dpa

Um die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken, empfiehlt Claudia Ritter Rupp, können Betroffene sich auch an Selbsthilfegruppen wenden. Zudem gibt es in jedem Landkreis den sozialpsychiatrischen Dienst, der Menschen in Krisen hilft. Zur emotionalen Entlastung gibt es auch das Angebot der Telefonseelsorge oder das „Seelefon“ des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker (BApK).

Ambulante Behandlungsangebote in der psychiatrischen Institutsambulanz sind auch eine Option, wenn Menschen akute Hilfe benötigen. Wichtig ist, sich während der Wartezeit weiter um einen Therapieplatz zu kümmern. Denn: Alle Überbrückungsangebote ersetzen langfristig keine Therapie.  Auch ein Klinikbesuch kann eine Möglichkeit sein, „einen Fuß in die Tür zu bekommen“ und ist nicht ausschließlich für „Härtefälle“ gedacht. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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