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Gender-Sprache und Grundgesetz: Gutachten nimmt Behörden in die Pflicht

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Von: Christian Einfeldt

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Auch wenn die Gender-Sprache polarisiert: Laut einer Juristin geht sie Hand-in-Hand mit dem Grundgesetz. Wird die gendergerechte Sprache bald Pflicht?

Berlin/Hannover – Dass die Gender-Debatte polarisiert, wissen wir nicht erst seit dem Statement von Heiner Bremer. Schon zuvor hetzte Komiker Ingo Appelt gegen die gendergerechte Sprache und Scooter-Frontman H.P. Baxxter findet Gendern einfach nur „zum Kotzen“. Dem konträr steht ein aktuell angefertigtes Gutachten von Ulrike Lembke. An der Berliner Humboldt-Universität ist sie Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien. Ihre Meinung: Gendern sei die sprachliche Konsequenz unseres Grundgesetzes. Das Gutachten bestätigt die 43-jährige Juristin – und könnte die gendergerechte Sprache schon bald bundesweit verpflichtend machen.

Juristin:Ulrike Lembke
Geboren:1978 (Alter 43 Jahre)
Ausbildung:Universität Greifswald
Bücher:Einheit Aus Erkenntnis? Die Unzulässigkeit der Verfassungskonformen Gesetzesauslegung Als Methode der Normkompatibilisierung Durch Interpretation.

Gender-Sprache: Wird sie bald zur Pflicht? Juristin erstellt Gutachten für Behörden

Zwischen grenzenloser Befürwortung und bloßer Ablehnung ist es nur ein schmaler Grat. Die Debatte um eine Sprache, die eine Adressierung aller Geschlechter schafft, könnte kaum mehr polarisieren. Während in Hamburgs Behörden längst gegendert* wird, empfindet Christoph Ploß nur Missgunst. Hamburgs CDU-Chef setzt seit längerem alle Hebel in Bewegung, um ein Verbot der Gender-Sprache in die Wege zu leiten. Ein Gutachten, das laut Informationen des NDR der Stadt Hannover vorliegt, könnte Ploß ein weiteres Mal zur Weißglut bringen.

Auch wenn sich viele über die neue sprachliche Empfehlung des Genderns echauffieren – mit einer Forderung, die ein Verbot zur Folge hat, stand Hamburgs CDU-Chef lange Zeit alleine da. Die Anpassung, die Wörter mit der Endsilbe „in“ bzw. „innen“ erweitert, mag sauer aufstoßen, doch Fakt ist: Jedes dritte Unternehmen gendert bereits – und glaubt man der Gemengelage, könnten schon bald viele weitere folgen. In Zukunft könnte die Gender-Sprache weiter Einzug in öffentlichen Ämtern und Institutionen erhalten. Könnte Gendern bald auch zur Pflicht werden?

Justitia-Statue. Daneben ein Dokument, das auf die Gender-Sprache hinweist.
Gender-Sprache: 2018 führte Hannover als erste deutsche Stadt die gendergerechte Sprache in Verwaltungsebene ein. (Symbolbild) © IMAGO / Sabine Gudath und dpa/Gregor Bauernfeind

Gender-Sprache: „Aus dem Grundgesetz eine Verpflichtung zum Gendern herauszulesen, ist völlig absurd“

Nach Informationen von welt.de erstellte Juristin Ulrike Lembke ein 123 Seiten langes Gutachten. Es hinterfragt nicht nur die Sinnhaftigkeit der Gender-Sprache – sogar dessen behördliche Verpflichtung steht im Fokus. Dem vorausgegangen war eine Entscheidung der Stadt Hannover: Die Gender-Sprache wurde 2018 zur Norm. Es war ein Entschluss, der drei Jahre später erneut auf dem Prüfstand steht – und 2021 nicht nur Elke Heidenreich, die gendergerechte Sprache als eine „Verhunzung der Sprache“ bezeichnete, vor dem Kopf stoßen könnte.

Die Zusammenfassung des 123 Seiten langes Gutachten: Nicht nur würde das Grundgesetz die Gender-Sprache empfehlen – der NDR spricht sogar von einer „Pflicht für staatliche Stellen“. Begründet wird jene Schlussfolgerung damit, dass eine gendersensible Sprache weder Persönlichkeitsrechte noch Meinungsfreiheiten angreifen würde. Darüber hinaus stelle die Gender-Sprache die Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Vordergrund. Problematisch seien hingegen Redewendungen wie „Sehr geehrte Damen und Herren“. Dass sich davon unter anderem non-binäre Personen ausgeschlossen fühlen könnten, weiß wohl auch die Flughansa, die zukünftig nur noch gendergerecht grüßen.

Dass Lembkes Gutachten nicht überall auf Zustimmung stößt, war bereits im Vorfeld klar. „Aus dem Grundgesetz eine Verpflichtung zum Gendern herauszulesen, ist völlig absurd.“, sagte etwa Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache e.V, gegenüber der „Bild“. Ein allgemeiner Konsens in der Debatte scheint also auch trotz geprüften Gutachten nicht in Sicht. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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