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Gender-Sprache: „Kolleg*innen“ – jedes dritte Unternehmen gendert schon

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Von: Christian Einfeldt

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Die Gender-Sprache ist auf dem Vormarsch, jedes dritte deutsche Unternehmen setzt schon darauf. Das passt nicht allen Kollegen*innen – die erste klagen schon.

München – Ob mit Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich: Geht es um die Gender-Sprache erhitzen sich die Gemüter. Große Begeisterung hier, vehemente Ablehnung dort – und dort und dort und dort. Eine Online-Studie, die Anfang des Jahres erhoben wurde, zeichnet jedenfalls ein vermeintlich eindeutiges Meinungsbild: Nur 14 Prozent geben klares „Ja“ zur gendergerechten Sprache*. Gleichermaßen bringen aktuelle Business-Umfragen jetzt allerdings auch einen anderen Trend zum Ausdruck. Jede dritte Firma setzt auf die Gendern-Sprache.

Forschungseinrichtung:ifo Institut für Wirtschaftsforschung
Präsident:Hans-Werner Sinn
Gründung:1949
Hauptstandort:München

Gender-Sprache hat durch „öffentliche Debatten Einzug erhalten“: Jedes dritte Unternehmen gendert

„Beim Thema Gendern sehen wir einen Anstieg, seitdem das Thema verstärkt in öffentlichen Debatten Einzug erhalten hat“, stellte kürzlich Frank Hensgens, Deutschlandchef bei „Indeed“, gegenüber der „Welt“ fest. Seinen Angaben zufolge greift bereits im Zuge der Jobsuche die Gender-Sprache immer mehr um sich. Wie das Kürzel „m/w/d“ flimmern auf der Jobbörse immer mehr gendergerechte Berufsbezeichnungen über den Bildschirm.

Eine Befragung des Münchner Ifo-Instituts sowie der Zeitarbeitsfirma Randstad zeigt noch drastischeres: Zufolge einer erhobenen Untersuchung setzt bereits jede dritte Firma auf die genderneutrale Sprache. Damit folgt eine Vielzahl von Unternehmen dem Beispiel der Hamburger Behörden, die seit Mitte Juni 2021 offiziell gendern*. Ein Unterschied bestehe demzufolge jedoch, ob die Kommunikation intern oder extern betrachtet wird. 35 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, nach außen gendergerechte Formulierungen zu verwenden. Intern machen sich jedoch nur 25 Prozent der Firmen die Gender-Sprache zunutze. Für Gender-Gegner wie Christoph Ploß ist dieser Anteil sicherlich viel zu hoch, denn der Hamburger CDU-Chef setzte sich vor Kurzem für ein striktes Gender-Verbot ein.

Gender-Sprache am Arbeitsplatz führt schon zu Klagen: „Heuchlerischer Gender-Wahn“

Wie polarisierend die Debatte auch in Unternehmen geführt wird, zeigte kürzlich erst ein Fall beim Autohersteller Audi. Ein VW-Mitarbeiter ging aufgrund „heuchlerischen Gender-Wahns“ vor Gericht. Was war der Hintergrund? Zufolge seiner Anklageschrift sei er aufgefordert worden, einen Gender-Leitfaden zu befolgen. Aus Kollegen wurde Kolleg*innen. Gesprochen wird es in einem Wort mit kleiner Pause – wer will, kann das falsch als komplett weibliche Ansprache verstehen. Für den VW-Mitarbeiter, der den sprachlichen Gepflogenheiten von Audi Rechnung tragen musste, zu viel des Guten bei der tagtäglichen Arbeit. Er sieht sich diskriminiert „unter umgedrehten Vorzeichen“. Er zog vor das Landgericht Ingolstadt, um „diesem opportunistisch-heuchlerischen Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben.“

Menschen treffen sich zu einer Geschäftsbesprechung. Ein Text verweist auf die Gender-Sprache.
Gender-Sprache in Firmen: „Anstieg, seitdem das Thema verstärkt in öffentlichen Debatten Einzug erhalten hat“, © dpa/Doreen Garud und IMAGO/Shotshop

Gender-Sprache in Unternehmen: Akzeptanz abhängig von Firmengröße und Branche

Die Umfrage stellt außerdem heraus, dass besonders große Firmen ihre Formulierungen genderneutral umstellen. Intern wie extern habe jedes zweite Unternehmen mitsamt einer Größenordnung von mindestens 500 Mitarbeitern die Gender-Sprache verinnerlicht. Unter mittelgroßen Unternehmen, die 250 bis 500 Mitarbeiter beschäftigen, wird zu 49 Prozent auch gegendert. Jedoch nur extern. Hausintern sind es dann auch nur noch 37 Prozent.

Wie die Umfrage bekräftigt, zahlt nicht nur die Unternehmensgröße auf die vermeintliche Akzeptanz für die Gender-Sprache ein. Ebenso relevant ist auch der jeweilige Sektor. Am häufigsten verwendet der Dienstleistungsbereich gendergerechte Formulierungen – zumindest nach außen.

37 Prozent an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen geben an, ihre Ansprache an Kunden und externen Geschäftspartnern genderneutral zu gestalten. Intern klafft jedoch auch hier eine Lücke. Während die interne Kommunikation des Industriesektors mit 28 Prozent am stärksten von der Gender-Debatte geprägt ist, sind es unter Dienstleister-Unternehmen nur noch 25 Prozent, die gendern.

Nicht alle wollen „Kollegen*innen sein: Prominente Gegener der Gender-Sprache gibt es viele

Zuletzt rechnete er etwa Heiner Bremer mit der Gender-Debatte ab. Nach Literaturkritikerin Elke Heidenreich würden genderneutrale Formulierungen die Sprache verhunzen und für Komiker Ingo Appelt ist die Gender-Debatte einfach nur „furchtbar“. Dem konträr stehen jedoch viele Meinungen und Bestrebungen, die die Gender-Sprache befürworten. Dass bereits Annalena Baerbock die Einführung von gendergerechter Gesetzestexte zur potenziellen Kanzlerin-Aufgabe erklärte*, zeigt, dass die Debatte auch zukünftig noch viel Zündstoff bereithält. *24hamburg.de, merkur.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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