Öffentlich rechtlicher Rundfunk

Gender-Kritik an der ARD: Mitarbeiter beschimpft Zuschauer – und fliegt raus

  • Annabel Schütt
    VonAnnabel Schütt
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Gendern findet nicht jeder gut. So auch ein Zuschauer der ARD, der seinen Unmut in einem Brief äußerte. Daraufhin wurde er von einem Mitarbeiter wüst beschimpft.

Die Lufthansa tut es, Apple tut es und die Bundeswehr tut es auch: Sie alle versuchen, durch eine gendergerechte beziehungsweise eine geschlechtsneutrale Sprache, niemanden zu diskriminieren, insbesondere jene nicht, die sich keinem Geschlecht zugeordnet fühlen.

Während die Tagesschau weiterhin mit „Guten Tag, meine Damen und Herren“ an altbewährten Anrede-Mustern festhält, haben sich im Ersten hier und da Gendersternchen, Unterstriche, Binnen-Is, die Endung „-ens“ und gesprochene Kunstpausen eingeschlichen – sehr zum Ärger eines erbosten Zuschauers. Dieser ließ es sich nicht nehmen, einen erzürnten Brief an die ARD zu senden – mit fatalen Konsequenzen.

Fernsehsender:Das Erste
Empfang:Digital: DVB-T2, DVB-C, DVB-C2, DVB-S, DVB-S2, IPTV
Sendeanstalt:Landesrundfunkanstalten der ARD
Intendant:Tom Buhrow (Vorsitzender der ARD)
Programmchef:Christine Strobl
Sendestart:12. Juli 1950, 25. Dezember 1952 (Regelbetrieb)

Gender-Debatte im öffentlich rechtlichen Rundfunk: Zuschauer kritisiert Sender

Gendern, ja oder nein? Eine Debatte, die aktuell Politiker, Wissenschaftler und queere Menschen gleichermaßen beschäftigt. Während die Lufthansa mit der Abschaffung ihrer Board-Begrüßung und die Bundeswehr mit der Einführung neuer Dienstgrade klar Stellung bezieht, herrscht bei der ARD Gender-Chaos. So hat sich beispielsweise die Tagesschau ganz bewusst entschieden, an „Guten Tag, meine Damen und Herren“ festzuhalten. Anders sieht es dahingegen bei diversen ARD- und ZDF-Shows aus. Dort steht es den „Moderatorinnen und Moderatoren frei, sprachliche Mittel für eine diskriminierungsfreie Ansprache zu finden.“

Aber: Kaum nutzen die Moderatorinnen und Moderatoren Gendersternchen. Unterstriche, Binnen-Is, die Endung „-ens“ und gesprochene Kunstpausen, flatterte prompt der erste erboste Leserbrief ins Haus.

Nachdem Autor Gunther Grabowski bereits im April 2021 seiner Wut in schriftlicher Form freien Lauf gelassen hatte, jedoch keine zufrieden stellende Antwort erhalten hatte, legte er nun noch einmal nach und schickte einen zweiten Brief an die ARD-Zuschauerredaktion. Darin monierte er, dass Fernsehsender die genderneutrale Sprache vorantreiben, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung das Gendern ablehne. Zudem kritisierte er, dass sich nur eine geringe Anzahl von Transsexuellen offiziell als „divers“ identifizieren würde, daraufhin jedoch Ausdrücke wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ aus der Sprache verbannt werden.

Nach Gender-Kritik an der ARD: Mitarbeiter geht mit wüsten Beschimpfungen auf Zuschauer los

Doch dieses Mal hatte es die Antwort eines ARD-Mitarbeiters in sich. So heißt es in dem Antwortschreiben, dass Graboswki „zum Thema gendergerechte Sprache und Gender im Allgemeinen zwar viel zu sagen“ habe, er sich „aber offensichtlich nur sehr einseitig mit dem Thema“ auskenne. Zudem soll er „eine sehr feste Meinung“ haben, die er „sicherlich nicht hinterfragen“ werde.

Ein Zuschauer kritisierte den Umgang der ARD mit der Gendersprache – mit fatalen Folgen. (24hamburg.de-Montage)

Doch damit nicht genug. An anderen Stellen des Briefes heißt es: „Sie verstehen das ‚dritte Geschlecht‘ nicht“ oder: „Erst wenn Ärzte im Sprachgebrauch nicht mehr ausschließlich männlich sind, spiegelt unsere Sprache die gesellschaftliche Wirklichkeit ab. Sie waren sicherlich schon einmal bei einer Ärztin, oder?“

ARD entschuldigt sich bei Zuschauer und entlässt Mitarbeiter

Für Gunther Grabowski brachte dieses Antwortschreiben des ARD-Mitarbeiters das Fass zum Überlaufen. Er schickte einen Scan des Briefes (mit Anmerkungen) per Mail an die Programmdirektion der ARD, die sich daraufhin umgehend entschuldigte und erklärte: „Es steht uns nicht zu, Ihre diesbezüglichen Anliegen derartig abzuqualifizieren.“

Der Sender selbst zog daraufhin die Reißleine. Während man Grabowski noch mitgeteilt hatte, dass man die Angelegenheit mit dem Kollegen „intensiv besprochen“ habe, teilte der Sender der Bild mit, dass man dem Mitarbeiter gekündigt habe. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Steinach/IMAGO & Soeren Stache/picture alliance/dpa

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