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Ukraine-Krieg: Flüchtlingen private Unterkunft bieten – so geht es

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Von: Andree Wächter

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Einige Flüchtlinge aus der Ukraine kommen bei Verwandten unter. Der Rest sucht Wohnungen. Wie kann ich ukrainische Flüchtlinge privat aufnehmen?

Der Ukraine-Krieg vertreibt immer mehr Menschen aus ihrer Heimat. Ein Ziel von Kriegsflüchtlingen ist Deutschland. 98 Ukrainer sind bislang in der Landesaufnahmebehörde in Niedersachsen eingetroffen. Das teilte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch mit (Stand: 8 Uhr). Am Tag zuvor waren es 67 Menschen. Mit wie vielen Flüchtlingen aus der Ukraine das Land rechnet, ist bislang noch nicht bekannt. Die Zahl der tatsächlich in Niedersachsen angekommenen Flüchtlinge dürfte noch höher liegen, weil Menschen auch etwa bei Verwandten oder Freunden unterkommen.

LandUkraine
HauptstadtKiew
Bevölkerung44,13 Millionen (2020)
LandesspracheUkrainisch

Ukraine Flüchtlinge aufnehmen privat

Die Rechtslage ist aktuell eine andere als beispielsweise bei der Flüchtlingswelle 2015. Flüchtlinge aus der Ukraine benötigen nur einen Pass zur Einreise. Sie bekommen Touristen-Visum und können so 90 Tage lang bleiben. Wegen der aktuellen Situation in Ihrem Heimatland kann dieser Aufenthalt zunächst für maximal weitere 90 Tage verlängert werden. Dazu müssen Sie sich an die Ausländerbehörde wenden, in deren Bezirk Sie Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, heißt es im Merkblatt des Landes.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) schwebt eine andere Lösung vor. Er will, dass für die Geflüchteten in Kürze eine Regelung angewendet werden soll, die 2001 als Reaktion auf den Balkankrieg eingeführt wurde. Demnach könnten Ukrainer zunächst ohne ein Asylverfahren bleiben und sofort arbeiten. Die Absprachen laufen mit dem Bund.

Landesaufnahmebehörde: Zuständig für Asylsuchende aus dem Ukraine-Krieg

Ukrainer, die als Flüchtlinge (Asylsuchende) nach Niedersachsen kommen, ist die erste Anlaufstelle die Landesaufnahmebehörde mit Sitz in Braunschweig. Sie hat sechs Standorte in Braunschweig, Bramsche, Fallingbostel-Oerbke, Friedland, Oldenburg und Osnabrück. Vor Ort werden die Kapazitäten wieder hochgefahren. Ende vergangener Woche gab es 1300 frei Plätze. Nach diesem Zwischenstopp werden die Männer und Frauen auf die Kommunen in Niedersachsen verteilt. Ob es sinnvoll gleich einen Asylantrag zu stellen oder die 90 Tage auszuschöpfen ist unklar.

Anders sieht es in Bremen aus. Laut Sozialsenatorin Anja Stahmann, (Grüne), seien die Aufnahmeeinrichtungen des Landes und der Stadt zu über 90 Prozent ausgelastet. Daher wird privater Wohnraum für Flüchtlinge gesucht. Die Vermittlung von Wohnungen läuft in Bremen über die Awo. Übernachtungsplätze können über das Portal Elinor.network abgewickelt werden. Der Anbieter ist deutschlandweit aktiv. Direkt zu erreichen ist er unter unterkunft-ukraine.de

Menschen auf der Flucht. Trotz der internationalen Appelle für ein Ende des Kriegs, hat Russland seine Angriffe auf die Ukraine verschärft.
Menschen auf der Flucht. Trotz der internationalen Appelle für ein Ende des Kriegs, hat Russland seine Angriffe auf die Ukraine verschärft. © Pavlo Palamarchuk/dpa

Wie kann ich ukrainische Flüchtlinge privat aufnehmen?

Das Internet bietet ein Füllhorn an Möglichkeiten. Beim Ferienwohnungsportal „Airbnb“ kann man nun auch Wohnungen für Flüchtlinge anbieten. Bis zu 100.000 Menschen aus der Ukraine sollen zumindest vorübergehend kostenlos eine Unterkunft vermittelt bekommen, heißt es. Freiwillige können ihre Wohnung kostenlos inserieren – „Airbnb“ prüft dann die Gäste, ob sie für die Buchung berechtigt sind. Laut Unternehmensmitteilung werden die Kosten vom Unternehmen, Spender und Wohnungsbesitzer übernehmen.

Wohnungen können auch auf kommunaler Ebene angeboten werden. Im Rathaus kann dem Vermieter meist weitergeholfen werden. Auch wissen sie, welche Netzwerke vor Ort tätig sind und ob es Annahmestellen für Sachspenden gibt.

Ein geflüchtetes Mädchen aus der Ukraine am Bahnhof von Przemysl in Polen
Ein geflüchtetes Mädchen aus der Ukraine am Bahnhof von Przemysl in Polen. © Ondrej Deml/imago

„Überbrückungsleistungen“ für Flüchtlinge aus der Ukraine

Während des visumfreien Aufenthalts in den ersten drei Monaten in Deutschland besteht für hilfebedürftige Personen kein Anspruch auf normale Sozialleistungen. Es besteht aber stattdessen für hilfebedürftige Personen Anspruch auf sogenannte „Überbrückungsleistungen“ beim Sozialamt. Die Überbrückungsleistungen werden normalerweise für einen Monat gezahlt und umfassen in der Regel Essen, Kleidung, Kosten der Unterkunft, medizinische Versorgung bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen sowie Hilfe bei Schwangerschaft, heißt es im Merkblatt des Landes. Ob darüber auch die Miete für eine privat-vermittelte Wohnung fällt, sollten Vermieter vorab klären.

Auf Anfrage von kreiszeitung.de schreibt das niedersächsische Innenministerium: „Die Überbrückungsleistungen müssen länger als einen Monat und in angehobener Höhe erbracht werden, wenn dies zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich ist.“ Weiter heißt es: „Aufgrund der aktuell hochdynamischen Lage wird auf die Sonderseite auf der Homepage des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport verwiesen. Dort werden Entwicklungen und Neuerungen aktuell dargestellt.“

In den kommenden Wochen wird mit einer deutlich höheren Zahl an Flüchtlingen gerechnet. Um ausreichend Unterkünfte anbieten zu können, haben die Landesregierungen von Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein angekündigt, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Alle Bundesländer betonen, dass ukrainischen Staatsangehörigen ausnahmslos Schutz geboten werde. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Transparenzhinweis: Der vorletzte Absatz mit der Aussage des Innenministeriums wurde nachträglich ergänzt.

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