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Fracking in Niedersachsen? Von vielen gefordert, wird es immer unwahrscheinlicher

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Von: Johannes Nuß

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Niedersachsen hat riesige Erdgasvorkommen. Daher wird immer wieder die Forderung nach Fracking im Nordwesten laut. Dabei würde das Gas erstmal gar nicht helfen.

Hannover – Fracking in Niedersachsen? Bereits vor elf Jahren wurden im Nordwesten die letzten Bemühungen dieser Art Gas zu fördern abgeschaltet. Doch, das Thema hält sich hartnäckig. Gerade auch deswegen, weil mit dem Ukraine-Krieg eine nie dagewesene Energiekrise in Deutschland und dem Rest Europas herrscht. In Niedersachsens Böden schlummern derweil die wohl größten Erdgasvorkommen des Landes, müssten aber mit unkonventionellen Methoden gefrackt werden – was in Niedersachsen verboten ist. Das dürfte es auch weiterhin bleiben, denn starke Gegenstimmen gibt es aktuell von den Wirtschaftsweisen, wie der Norddeutsche Rundfunk berichtet.

Fracking in Niedersachsen? Von vielen gefordert, wird es immer unwahrscheinlicher

„Wir sollten nicht in eine rückwärtsgewandte Technologie investieren. Fracking ist ein Auslaufmodell“, sagte die neue Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte unlängst für einen Wiedereinstieg ins Fracking in Niederachsen aufgrund der Energiekrise geworben. „Wir haben in Deutschland erhebliche Gasvorkommen, die gewonnen werden können, ohne das Trinkwasser zu gefährden“, sagte der FDP-Vorsitzende noch Ende Oktober. Gegen Fracking regt sich allerdings auch Widerstand in den Gemeinden in Niedersachsen.

Ein Plakat gegen Fracking und für Regenerative Energien im Stil eines Ortsschildes.
Dass in Niedersachsen gefrackt wird, gilt weiterhin als sehr unwahrscheinlich. ©  Carsten Rehder/dpa/Archiv

Die Förderung sei laut Lindner auch unter ökologischen Voraussetzungen verantwortbar. Lindner forderte: „Wir müssen rasch an die Förderung herangehen.“ Auch aus den Reihen der CDU kamen in jüngster Zeit immer wieder Forderungen, das Schiefergas aus den Böden in Niederachsen zu holen, um der Energieknappheit Einheit zu gebieten.

Fracking in Niedersachsen: Wirtschaftsweise wollen Gas aus dem Ausland importieren

Wirtschaftsweise Schnitzer hingegen ist der Meinung, dass das Gas, was Deutschland zur Überbrückung bis zum völligen Eintritt der neuen Energien, auch aus dem Ausland bezogen werden könnte. Es ist davon auszugehen, dass die in Niedersachsen vorkommenden Erdgas-Ressourcen für etwa zehn Jahre ausreichen würden.

Was ist Fracking? Die Fracking-Methode einfach erklärt:

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Chemikalien, Stützmitteln und Wasser unter Hochdruck durch ein Bohrloch in tiefe Gesteinsschichten gepresst, dadurch entstehen Brüche. Durch diese Risse im Gestein gelangt das Gas oder Öl an die Oberfläche. Unterschieden wird zwischen konventionellem und unkonventionellem Fracking – eines ist nicht verboten, das andere schon.

Konventionelles Fracking:

Seit den 1960er-Jahren wird in Deutschland durch konventionelles Fracking Erdgas aus Sandstein gewonnen, allerdings sind die Lagerstätten inzwischen erschöpft. Das konventionelle Fracking unterliegt strengen Regelungen. In bestimmten Gebieten, etwa an Seen und Talsperren zu Trinkwasserversorgung, ist die Förderung verboten.

Unkonventionelles Fracking:

Unkonventionelles Fracking ist in Deutschland hingegen verboten. „Unkonventionelles Fracking“ meint die Gewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefer-, Mergel-, Ton und Kohleflözgestein. Gas, was dort gebunden ist, lässt sich schwieriger fördern, mit entsprechenden Risiken: Das Gestein muss weiträumiger aufgebrochen werden, es bedarf massiver Querbohrungen. Die Erfahrungswerte in diesem Bereich sind in Deutschland gering.

Auch rein zeitlich seien die Gasvorkommen in Niedersachsen im Zuge der Energiekrise auch gar nicht nutzbar, heißt es aus dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover (LBEG). Wie ein Sprecher dem NDR sagte, wäre eine Nutzung der Vorkommen frühestens in vier bis fünf Jahren möglich. Sollten noch Klagen folgen, könnte sich das ganze auf bis zu zehn Jahre hinziehen.

Der Großteil der bekannten deutschen Erdgasreserven an Land liegt in Niedersachsen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich mehrmals gegen die umstrittene Fördermethode ausgesprochen. Anfang August hatte sich Weil in dieser Frage einen Schlagabtausch mit Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) geliefert.

Fracking in Niedersachsen: Seit 2011 keine Frackingmaßnahmen mehr im Nordwesten

Söder hatte eine Prüfung von neuen, umweltverträglichen Frackingmethoden in Deutschland vorgeschlagen und die Reserven in Niedersachsen erwähnt. Weil wies damals darauf hin, dass Fracking in Deutschland zur Überwindung der Energiekrise keinen Beitrag leisten könne, weil die Umsetzung solcher Projekte im besten Fall eben drei bis fünf Jahre dauere.

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Zwischen 1961 und 2011 hatte es insgesamt 350 registrierte Fracking-Maßnahmen in Niedersachsen gegeben. Aus den restlichen 15 Bundesländern zusammen seien gerade einmal gut zwei Dutzend bekannt, teilte das LBEG vor einem Jahr mit. Die letzte Maßnahme in Niedersachsen fand demnach Ende Juli 2011 an der Bohrung Buchhorst T12 bei Sulingen (Landkreis Diepholz) statt. (mit Material der dpa)

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