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Expertin: „Wer Kindern ein Handy gibt, kann ihnen auch gleich Koks geben“

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Von: Ulrike Hagen

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Eine Suchtexpertin provoziert aktuell mit ihrer These, Handys wirkten auf Kinder „wie ein Gramm Kokain oder eine Flasche Wein“ und mache sie zu Suchtkranken.

London – Für die meisten Kinder und Teenager ist das Handy aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch die schockierende Botschaft, die die britische Suchtexpertin Mandy Saligari auf einer Bildungskonferenz an Lehrer, Eltern und Forscher richtet, ist eine dramatische Warnung davor, was eben genau dieser rechteckige Knochen beim Nachwuchs anrichten kann. Sie sagt: „Wer seinem Kind ein Handy in die Hand drückt, kann ihm auch gleich ein Gramm Kokain geben!“

Hauptstadt des Vereinigten Königreichs:London
Größe:1.572 km²
Einwohner:8,982 Millionen (2019)
Bürgermeister:Sadiq Khan (Labour)

Smartphone für Kinder: Laut Expertin „wie ein Gramm Kokain oder eine Flasche Wein“

Saligari, Leiterin der Londoner „Charter Harley Street“-Entzugsklinik muss es wissen. Zwei Drittel der Patienten, die sie in ihrer Suchtklinik behandelt, seien inzwischen zwischen 16 und 20 Jahre alt. Ein „dramatischer Anstieg“ im Vergleich zu noch vor zehn Jahren, wie Saligari dem britischen „Independent“ sagte. Alarmierend: Viele ihrer Patienten seien sogar noch jünger. Und das liegt nicht etwa daran, dass sie wie jüngst Kinder In Harburg auf einer Drogenparty* zu früh in Kontakt mit Rauschmitteln kommen, sondern am übermäßigen Hängen vorm Handy.

Rothaariges kleines Mädchen sitzt auf einem grauen Sofa und guckt auf das Handy in ihrer Hand
Ein Kind mit dem Smartphone ruhig zu stellen, ist dasselbe, wie ihm Alkohol oder Drogen zu geben, warnt eine britische Suchtexpertin. ©  Westend61/Imago

Suchtexpertin klärt auf: Handys wirken auf die gleichen Hirnimpulse wie Drogen und Alkohol

„Warum schenken wir diesen Dingen so viel weniger Aufmerksamkeit als Drogen und Alkohol, wenn sie doch auf die gleichen Gehirnimpulse wirken“, mahnte Saligari auf der Fachtagung und nannte Essstörungen, Selbstverletzung und Sexting als Folgen dieser „Sucht“ und nennt Beispiele aus ihrer Klinik: Wie sie beispielsweise mehrere 13- oder 14-jährige Klientinnen behandelt hat, die glaubten, dass es „normal“ sei, jemandem ein Nacktfoto von sich auf das Handy zu schicken – und dass es nur dann ein Problem sei, wenn Eltern oder Lehrer davon erfahren.

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Handys laut Expertin gefährlich wie Kokain: Nicht nur Substanz, sondern auch das Verhaltensmuster richten Schäden an

Sie und ihr Klinik-Team haben sich auf ambulante Suchtbehandlungen spezialisiert, die auf sogenannte „maladaptive“ Verhaltensmuster abzielt, die meist erst als Sucht erkannt werden, wenn es bereits zu spät ist. Hier liegt laut Saligari auch das Problem: „Wenn Menschen an Sucht denken, neigen sie dazu, ihre Augen auf die Substanz zu richten, die den Schaden anrichtet – aber in Wirklichkeit ist es ein Verhaltensmuster, das sich auf verschiedene Arten manifestieren kann“, erläutet die Expertin im „Independent“. Es geht also nicht um das Smartphone an sich mit seinen lustigen Emojis, die es jetzt sogar für schwangere Männer gibt oder den Zugriff auf Internet und Social Media. Nein, es geht darum, dass durch die Smartphone-Nutzung ein bestimmtes Verhalten überhaupt erst geprägt oder zumindest anders bewertet wird.

Smartphone-Nutzung hat „Katastrophale Folgen für die kindliche Entwicklung“

Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, mahnte, dass Kinder, die vor dem Smartphone oder Tablet hängen, immer jünger werden. Das habe „katastrophale Folgen für die kindliche Entwicklung“, berichtet er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die ständige „Reizüberflutung“ sorge immer häufiger für Konzentrationsschwächen, die sich auch auf Schulleistungen negativ auswirkten.

Fischbach empfiehlt sogar, Kindern bis zu einem Alter von elf Jahren das Handy komplett vorzuenthalten: „Je länger man die Smartphone-Nutzung der Kinder hinausschiebt, umso besser“. Ein Rat, der übrigens nicht mehr für die Biontech-Impfung gilt, die sich in neuesten Studien auch bei Kindern ab fünf Jahren bewährte.

Experten fordern für Kinder handyfreie Zonen in der Schule und Smartphone-Auszeiten zuhause

Die Zeit, die sie mit Nachrichten an Freunde auf Snapchat oder Instagram verbringen, kann also für Heranwachsende ebenso gefährlich sein wie Drogen und Alkohol – und sollte darum auch ebenso so kritisch beäugt werden.

Dennoch geht es nicht um das Verteufeln von Smartphones und Co., sondern um einen bewussteren Umgang damit: „Wenn Kinder früh genug geschult würden, könnte man ihnen beibringen, sich selbst zu regulieren“, erklärt Suchtexpertin Saligari und fordert gleichzeitig handyfreie Zonen in den Schulen. Aber auch zuhause sollte es Schlaf- und Handy-Auszeiten geben – so oft wie möglich, um ein Suchtmuster gar nicht erst aufkommen zu lassen. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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