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„Ziehen Notbremse“: Café in Niedersachsen lässt keine Kinder mehr rein

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Von: Nathalie Wendt, Fabian Raddatz

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Das Café Kaffeebeere im niedersächsischen Esens.
„Wir haben offen“ steht vor dem Café im niedersächsischen Esens – aber das gilt nicht mehr für Kinder unter zehn Jahren. Sie müssen draußen bleiben. © Kaffeebeere/facebook

Das Café Kaffeebeere in Esens, Niedersachsen lässt keine Kinder unter 10 Jahren mehr rein. Das sorgt für mächtig Ärger – doch es gibt auch Verständnis.

Esens – Kein Zutritt für Kinder unter 10 Jahren: Das Café „Kaffeebeere“ im ostfriesischen Esens (Landkreis Wittmund) will künftig keine kleinen Kinder mehr bewirten. Das sorgt in der niedersächsischen Kleinstadt an der Nordsee für mächtig Ärger, berichtet die NWZ.

Café in Niedersachsen lässt Kinder unter 10 Jahren nicht mehr rein

Offenbar ist es Szene vor zehn Tagen gewesen, die das Fass zum Überlaufen brachte, dass ist auf einem Facebook-Post der Café-Inhaber genau nachzulesen: Ein Kind sprang seinem Vater von einer Treppe aus immer wieder in den Nacken. Als der Vater dann noch sagte, es sei doch nichts passiert, reichte es dem Betreiber. Er schloss kurzerhand sein Café – obwohl noch Gäste anwesend waren.

„Eltern fühlen sich nicht mehr verantwortlich für ihre Kinder“: Café-Betreiber reagiert

Nun dürfen sich Kinder nur noch auf der Terrasse an der Straße aufhalten – unter 10 Jahren ist ihnen der Einlass ins Café verwehrt. Denn da müssten Eltern auf sie aufpassen. Auch zu der radikalen Entscheidung gibt es einen Facebook-Post. Er habe nichts gegen Kinder, führen die Betreiber darin aus – im Gegenteil. Was ihn stört, wären die Eltern, die ihre Kinder nicht richtig beaufsichtigen würden. „Früher kam so etwas vielleicht einmal im Monat, auch mal einmal die Woche vor.“ Das hat sich laut Inhaber stark geändert: „Das gestrige Vorkommnis war nur die Spitze des Eisberges nach 5 Jahren Kaffeebeere“, schreibt Helwig auf Facebook. „Die Entwicklung, dass die Eltern sich nicht mehr verantwortlich für ihre Kinder fühlen“ sei deutlich erkennbar.

Kinder nicht mehr reinlassen, das dürfe laut Erich Wagner nur das letzte Mittel sein. Wagner ist der Ostfriesland-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen. Er sagt, es müsse die Maxime sein, dass die ganze Familie zusammen bewirtet wird.

Café im ostfriesischen Niedersachsen schließt Kinder aus: Verständnis ostfriesischen Dehoga-Chef

Doch es käme immer häufiger vor, dass Eltern ihren Kindern keine Aufmerksamkeit schenken würden. Das führe dazu, dass den Kindern langweilig werde und sie sich im Restaurant selbstständig machen. Das könne dann wiederum gefährlich Folgen haben, so Wagner zum NDR.

Auch das ohnehin ausgedünnte Service-Personal würde zunehmend genervt reagieren und den Chef bitten, etwas gegen das Kinder-Chaos zu unternehmen. Viele Geschäfte würden mittlerweile Spielecken oder zumindest Buntstifte anbieten. Wagner äußerte dahingehend auch Verständnis für den Café-Betreiber in Esens.

Kinderverbot in Café Kaffeebeere in sorgt für gemischte Reaktionen im Netz

Ähnlich sieht es auch das Netz: „Starke und überlegte Maßnahme. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein paar wenige, nicht erzogene Kinder totale Unruhe in den Betrieb bringen. Da es schwierig ist, renitente Eltern mit den entsprechenden Kindern des Cafés zu verweisen, kann ich das durchaus nachvollziehen“, kommentiert ein Facebook-User etwa.

Aber es gibt auch kritische, sogar sehr wütende Stimmen: „Asozialer geht es wohl nicht??!!!! Die dreisten und ignoranten Besitzer waren als Kinder natürlich immer brav und still?! Pfui Teufel! Ihr müsstet überall ein Verbot des Eintritts, etc. haben!“

Kinderschutzbund: Ausschluss von Kindern ist diskriminierend

Eindeutig dagegen sieht es der Kinderschutzbund: die Entscheidung des Betreibers, Kinder nicht mehr reinzulassen, sei problematisch. Kinder sind Teil der Gesellschaft, so der Schutzbund. Nur wenn das Geschäft große Sicherheitsbedenken habe oder ein klares Konzept als Café für Ältere oder Ruhesuchende vorlegen würde, dann sei der Ausschluss von Kindern nicht diskriminierend.

Café im Niedersächsischen Esens lässt keine Kinder unter 10 Jahren mehr rein: auch andere Gastronomen setzen auf kinderfreie Gastronomie

Das Café in Esens ist nicht der einzige Betrieb, der keine Kinder mehr reinlässt: Auch beim Restaurant „Schipperhus“ an der Ostsee müssen die Kleinen draußen bleiben. Dort heißt es ebenfalls: „Die Eltern sind schuld.“ Und auch auf Rügen sorgte die Entscheidung des Ostseelokals „Omas Küche“, künftig keine Personen unter 14 Jahren reinzulassen, für hitzige Diskussionen.

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