Kurioses Geschwindigkeitsduell

Datenübertragung: Pferd schlägt Internet um Längen

  • VonUlrike Hagen
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Digital versus analog. Ein altes Duell wird im Sauerland spektakulär aufgelegt. Kaum zu glauben: Das Pferd siegt im Direktvergleich der Datenübertragung.

Schmallenberg-Oberkirchen – Wer hat sich nicht schon mal an einem viel zu lahmen Internet die Zähne ausgebissen. Jetzt hat sich der alte Spruch: „Das geht ja mit der Postkutsche schneller“ in einem kuriosen Wettkampf bewahrheitet. Ein Fotograf im Sauerland, der sich ständig über die schlechte Netzleistung in seinem Büro ärgerte, schickte bei der Datenübertragung zwei Pferde gegen seinen Internetanschluss ins Rennen. Analog gegen digital, PS gegen Bits.

Behörde:Bundesnetzagentur
Hauptsitz: Bonn
Gründung:1. Januar 1998
Präsident:Jochen Homann
Mitarbeiter:3000

Datenübertragung: Nur ein Viertel bekommt, was er bezahlt

An vielen Orten in Deutschland lässt die Internetgeschwindigkeit zu wünschen übrig. Magere 24 Prozent der Breitband-Internetnutzer in Deutschland bekommen überhaupt nur die Geschwindigkeit, für die sie laut Vertrag zahlen, belegt der Jahresbericht der Bundesnetzagentur. So auch im Sauerland, so auch in Oberkirchen, so auch bei Klaus-Peter Kappest.

Pferd gegen Internet: Wer bringt Daten schneller?

Der Fotograf hatte regelmäßig mit ewiglangen Übertragungszeiten zu kämpfen, wenn er – wie in seinem Beruf alltäglich – größere Datenmengen in die Druckerei sendete. Eine entnervende Tatsache, die ihn zu einem gewagten Experiment inspirierte. Er schickte fast zeitgleich mit dem Start einer WeTransfer-Übertragung zwei Reiter mit einer DVD los, um die 4,5 Gigabyte-Fotodateien in die rund 10 Kilometer entfernte Druckerei zu transportieren.

Geschwindigkeitsduell im Sauerland: Pferd schneller als Daten-Übertragung (24hamburg.de-Montage)

Datenübertragung: Pferdestärken schlagen WeTranfer

Um exakt 14:20 Uhr startet Klaus-Peter Kappest die WeTransfer-Übertragung, knapp danach, um 14.25 Uhr übergibt er den Foto-Datenträger an Ross und Reiter, Jakob Schütte auf „Favo“ und Johannes Feldmann-Schütte auf „Nikita“. Das Ziel des analogen Pony-Expresses: die Druckerei Glade in Schmallenberg.

Und was eigentlich undenkbar scheint, geschieht: Um Punkt 15:49 Uhr erreichen die Pferdeboten nach 104 Minuten die Druckerei, während die digitale Übertragung immer noch gemütlich in den Kupferleitungen vor sich hin kriecht. Derweil die Pferde samt Reitern lange auf dem Heimweg sind, wartet man in der Druckerei immer noch vergeblich auf die WeTransfer-Daten. 

Grüne fordern bereits Millionenstrafen für Anbieter von „schlechtem“ Internet

Die schlechte Nachricht: Nicht jeder hat die Möglichkeit, mal eben einen Pony-Express in Anspruch zu nehmen, wenn das Internet zickt. Die gute Nachricht: Ab Dezember kann jeder seine Zahlungen an seinen Anbieter kürzen, wer ein viel lahmeres Internet hat als versprochen und vor allem: bezahlt wird. Das sieht zumindest ein aktueller Entwurf der Bundesnetzagentur vor. „Die Grünen“, deren Kanzlerkandatin Annalena Baerbock gerade im Vorfeld der Bundestagswahl beim TV-Triell bei ARD und ZDF bestehen musste, gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Die Öko-Partei fordert Millionenstrafen für diejenigen Anbieter, die nicht die entsprechende Datengeschwindigkeitsleistung an den Verbraucher liefern, die sie laut Vertrag anbieten. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Klaus-Peter Kappest/dpa

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