Beachhotel Sahlenburg

Dicke diskriminiert: Massive Drohungen gegen Hotel-Direktorin sagt „Sorry“ nach Shitstorm

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Weil das Mobiliar zu schwach sei: Hotel in Cuxhaven lädt dicke Menschen aus. Wegen eines Zitats wird Hotelbetreiberin massiv angefeindet. Es folgt eine Entschuldigung.

  • Diskriminierung: Eigentümer des Hotels in Cuxhaven wollen keine dicken Menschen im Hotel.
  • Auch Kinder, Tiere und Eintagesgäste sind im nicht barrierefreien Hotel verboten.
  • Nach Shitstorm und Drohungen: Hotelbetreiberin entschuldigt sich

Update vom Mittwoch, 10. Juni, 16:20 Uhr: Mit einem Statement auf seiner Internetseite entschuldigt sich das Beachhotel Sahlenburg in Cuxhaven am Mittwoch, 10. Juni, für eine Äußerung zu übergewichtigen Gästen. Sätze seien falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden. In einem Hörfunkbeitrag von butenunbinnen sagt die Hotelbetreiberin: „Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss – ehrlich gesagt.“

Cuxhaven: Beachhotel Sahlenburg entschuldigt sich nach Gewichtsdiskriminierung - Massive Drohungen gegen Hotelbetreiberin

Stadt in NiedersachsenCuxhaven
Höhe2 m
Fläche161,9 Quadratkilometer
Bevölkerung198.213 (2019) Eurostat

Hintergrund ist, dass die Möbel im Beachhotel eine maximale Traglast von 130 Kilogramm hätten. Darauf wird bei der Buchung hingewiesen. Die Hoteldirektion stellt aber klar: „Bis heute ist kein einziger Gast aufgrund seines Körpergewichts im Beachhotel Sahlenburg abgewiesen worden und das wird auch zukünftig so sein!“

Niemand solle im Hotel diskriminiert werden. Sollte dies durch eine unbedachte Äußerung geschehen sein, bitte das Hotel um Entschuldigung. Dabei verweist die Direktion auch darauf, dass einige Sätze falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden sein.

Nach massiven Drohungen: Beachhotel Sahlenburg Cuxhaven entschuldigt sich - „unbedachte Äußerung“, „falsch wiedergegeben“

Zu dieser Stellungnahme sah sich die Hotelleitung gezwungen, da es einige Menschen nicht bei einem Boykott oder konstruktiver Kritik beließen. Nach Angaben des Beachhotel Sahlenburg kam es zu massiven Drohungen: „Wir werden nun andere Wege finden, um unsere Gäste, aber auch uns und unsere Mitarbeiter zu schützen.“

Doch Natalie Rosenke von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung geht es weniger um einen unbedachten Zitat, als vielmehr um das strukturelle Problem dahinter. Sie äußert gegenüber der dpa: „Bisher entscheiden dicke Menschen selbst, welche Hotels sie als geeignet betrachten. Wenn sich ein solcher Haftungshinweis irgendwann in den AGBs fast aller Hotel findet, dann wird Urlaub für dicke Menschen zum Spießrutenlauf.“

Dicke müssen draußen bleiben: Diese Hotelbetreiberin an der Nordsee will den Anblick nicht ertragen müssen

Erstmeldung von Samstag, 06. Juni, 10:54 Uhr: Hamburg/Cuxhaven– Im Beachhotel Sahlenburg in Cuxhaven sind die Eigentümer Angelika und Roger Hargesheimer scheinbar sehr wählerisch mit ihren Gästen. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Urlaubssaison beginnt. Dicke Menschen, Tiere, Kinder und Eintagesgäste sind nicht willkommen. Barrierefrei ist das Design-Hotel auch nicht. Dass Dicke ausgeladen sind, führte jetzt zu einem Shitstorm im Netz. Den Vorwurf der Diskriminierung kontert die Inhaberin mit einer eher ungewöhnlichen Begründung.

Dicke Menschen verboten: Beachhotel Sahlenburg in Cuxhaven will keine stark übergewichtigen Menschen, Kinder oder Tiere

Alles war neu, damals am 1. Mai 2018. Das Eigentümerpaar Angelika und Roger Hargesheimer eröffnen nach umfassenden Renovierungsarbeiten ihr Designhotel Beachhotel Sahlenburg. In einer fantastischen Gegend. Wattenmeer, Sandbänke und ein historischer Leuchtturm locken Besucher aus Hamburg und ganz Deutschland an.

Geht es nach den Betreibern vom Beachhotel Sahlenburg ist das Strandpanorama schöner ohne dicke Menschen.

In diesem Idyll will das Beachhotel Sahlenburg Entspannung bieten. Nur für Erwachsene. Kinder und Tiere sind von vornherein nicht gestattet. Auch Zeit müssen Gäste mitbringen. Mindestens zwei Nächte müssen gebucht werden. Gehbehinderte Menschen können zwar im Hotel absteigen, sind aber auf Hilfe angewiesen. Es konnte – trotz der Renovierungsarbeiten – nicht barrierefrei gestaltet werden.

Mobiliar zu schwach: Dicke Menschen sollen nicht in Beachhotel Sahlenburg in Cuxhaven

Doch ein Aufschrei kam erst, als butenunbinnen darüber berichtet, dass auch stark übergewichtige Menschen nicht in das Hotel dürften. Der entsprechende Hinweis auf der Seite des Hotels liest sich eher unauffällig: „Unser Haus zeichnet sich durch ein sehr individuelles Design aus. Aus Haftungsgründen weisen wir darauf hin, dass das Interieur für Menschen mit einem Körpergewicht von mehr als 130 kg nicht geeignet ist.“

Mit ihrem Hotel wollen die Eigentümer aus der Masse an Hotelketten herausstechen. Es soll anders sein und anders aussehen. Rustikaleres Mobiliar komme deswegen nicht infrage: „Ich möchte aber ein Designer-Hotel haben, also ich möchte schöne Möbel haben – und nicht so Eiche brutal“, lässt sich Angelika Hargesheimer zitieren.

Diskriminierung gegen dicke Menschen: jeder Achte meidet Kontakt zu stark übergewichtigen Personen

Doch wo sich Angelika Hargesheimer auf Mobiliar-Fragen konzentriert, sehen andere Diskriminierung. Eine solche Einschränkung würde dicke Menschen isolieren. Wer erst einmal isoliert sei, könne sich auch schwerer zum Abnehmen motivieren, gibt Friedrich Schorb, der an der Universität Bremen zum Thema Gewichtsdiskriminierung forscht, gegenüber butenunbinnen zu bedenken.

Und die Ausgrenzung hat Folgen. Jeder achte Deutsche meidet bewusst den Kontakt zu stark übergewichtigen Menschen, wie die Studie „XXL-Report: Meinungen und Einschätzung zu Übergewicht und Fettleibigkeit“ der Krankenkasse DAK-Gesundheit.

Auf die Vorwürfe geht Angelika Hargesheimer eher wenig empathisch ein: „Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss – ehrlich gesagt.“ Menschen dürften sich eben „nicht so gehenlassen“.

Weil Dicke ausgeladen sind: Shitstorm wegen Diskriminierung gegen Beachhotel Sahlenburg in Cuxhaven

Ein Kommentar, der dem Hotel auf Twitter und Facebook einen veritablen Shitstorm eingebracht hat. „Eine unsägliche Person. Und ein Hotel, das es nicht geben sollte“, schreibt der Nutzer RexUnicornis. Und ein User namens Huderaner ergänzt: „Im Leben würde ich da kein Geld hintragen!!!“

Gegenüber der dpa relativierte Angelika Hargesheimer ihre Aussagen mittlerweile. Sie hätte lediglich falsche Erwartungen vermeiden wollen. Sie wolle keine Menschen diskriminieren. Hintergrund sei ein zusammengebrochenes Bett gewesen. Außerdem hätten sich fülligere Menschen über die Größe der Duschen und Zimmer beschwert.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/Sebastian Kahnert/ZB/dpa/picture alliance

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