„Britischer Kolonialbegriff“

„Curry“ sei rassistisch: Food-Experten fordern Umbenennung

  • Annabel Schütt
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Das Wort „Curry“ soll rassistisch sein? Das finden zumindest indische Food-Bloggerinnen und fordern daher eine radikale Umbenennung der scharfen Speisen.

Indien – Curry kann vieles sein: rot, gelb, scharf, vegetarisch oder mit Fleisch und seit neustem auch „rassistisch“ – zumindest wenn es nach Food-Bloggerinnen und Expertinnen geht. Daher fordern sie nun, dass der Begriff, der seinen Ursprung im Kolonialismus hat, aus dem Sprachgebrauch verbannt wird.

Land in Südasien:Indien
Präsident:Ram Nath Kovind
Hauptstadt:Neu-Delhi
Bevölkerung:1,366 Milliarden (2019)
Währung:Indische Rupie

Weil rassistisch: Food-Bloggerinnen fordern Umbenennung von „Curry“

Sei es nun die Vogelwelt, die nach Rassismus-Vorwürfen umbenannt wird, der Bahlsen-Keks „Afrika“, der Nestlé-Keks „Negrita“ oder die bundesweiten „Mohren-Apoheken“, die für Ärger sorgen – sie alle sollen aus dem Sprachgebrauch entfernt werden. Erst kürzlich hat eine Universität gar einen Stein für rassistisch befunden und den 70-Tonnen-Felsbrocken entfernen lassen. Nun rückt auch der Begriff „Curry“ in den politsch korrekten Fokus zahlreicher Experten und Food-Blogger. Sie fordern, dass es an der Zeit sei, den „britischen Kolonialbegriff“ zu streichen.

„Ich höre oft: ‚Euer Essen muss sehr scharf sein. Es stinkt bestimmt ganz schön. Sie nennen es Curry‘. Und ich denke mir: Was zum Teufel soll Curry überhaupt sein?“, so die Instagram-Food-Bloggerin Nisha Vedi Pawar gegenüber NBC Asian America. „

„Curry sollte nicht das Einzige sein, woran man denkt, wenn man über südasiatisches Essen redet“, findet auch Chaheti Bansal, die ihre Kochvideos online stellt. „Es gibt ein Sprichwort, dass sich das Essen in Indien alle 100 km ändert, und dennoch verwenden wir immer noch diesen Oberbegriff, der von Weißen populär gemacht wird, die sich nicht die Mühe machen konnten, die tatsächlichen Namen unserer Gerichte zu erfahren“, schimpft sie weiter.

Das Wort „Curry“ soll rassistisch sein? Finden zumindest indische Food-Bloggerinnen. (24hamburg.de-Montage)

Bansal gehe es jedoch nicht vorrangig darum, das Wort „Curry“ aus dem Sprachgebrauch zu entfernen. Stattdessen solle man sich mehr mit der indischen Küche auseinandersetzen und verstehen, dass die klassischen indischen Gerichte meist nach ihren Hauptbestandteilen benannt werden oder aber mit Begriffen, die die genaue Zubereitungsweise bezeichnen. Demnach sollen „Currys“ zukünftig spezifischer definiert werden und nicht kategorisch unter diesem Begriff subsumiert werden.

„Das Wort Curry gibt es meines Wissens in keiner südasiatischen Sprache“: Südasien-Expertin sieht Ursprung im Kolonialismus

Ilyse R. Morgenstein Fuerst, Professorin für Religionswissenschaften an der Universität von Vermont und Expertin für Südasien, kann dies nur bestätigen: „Das Wort Curry gibt es meines Wissens in keiner südasiatischen Sprache.“ Stattdessen führt sie den Begriff auf das schlechte britische Gehör“ während der Kolonialherrschaft in Indien, wo aktuell vermehrt Fälle von „Schwarzem Pilz“ nach einer Corona-Infektion auftraten, zurück. Demnach hätten britische Beamte das tamilische Wort „kari“ falsch verstanden, das je nach Region unterschiedliche Bedeutungen hat, aber sowohl mit „geschwärzt“ als auch mit „Beilage“ übersetzt werden kann.

Britische Offiziere in Indien sollen den Begriff übernommen und es als lose Beschreibung für so ziemlich jedes Essen, das ihnen begegnete, verbreitet haben, so Ilyse R. Morgenstein Fuerst. Darum sei der Begriff ein rassistisches Stereotyp. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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