Eigentlich ist dieses Institut für etwas ganz anderes zuständig

Coronavirus-Tests: Ungewöhnliche Behörde schließt sich dem Kampf gegen die Pandemie an

Barbara Otte-Kinast, Niedersachsens Landwirtschaftsministerin (r, CDU), hilf einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) den Behälter der Coronavirus-Testproben zu desinfizieren.
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Barbara Otte-Kinast hilft mit

Die Landesregierung bereitet sich auf einen weiteren Anstieg der Corona-Infektionen vor – mehr als 1.000 zusätzliche Tests pro Tag sollen dafür sorgen, den Überblick zu behalten. Dafür schlägt das Land einen ungewöhnlichen Weg ein.

  • Niedersachsen erweitert seine Kapazitäten für Coronavirus-Tests.
  • In Hannover und Oldenburg werden die Tests jetzt an untypischen Orten durchgeführt.
  • Diese Einschränkung gibt es für Tests in den neuen Einrichtungen.

Hannover – Niedersachsen stockt mit der Nutzung von tiermedizinischen Laboren seine Kapazitäten für Tests auf das Coronavirus deutlich auf. Mehr als 1.000 zusätzliche Tests pro Tag sollen von kommender Woche an in Laboren des Landesamts für Verbraucherschutz (LAVES) in Hannover und Oldenburg durchgeführt werden, wie Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Mittwoch mitteilten.

Coronavirus: Mehr Tests in Niedersachsen notwendig

Das Land wappnet sich damit dafür, dass die Zahl der Coronavirus-Infektionen weiter stark ansteigt. Trotz der erweiterten Kapazitäten sollen auch künftig nur Menschen einen Test bekommen, die auch Covid-19-Symptome haben. „Wir müssen damit rechnen, dass mehr Leute erkranken“, sagte Reimann. Bis Mittwochnachmittag waren 4.717 Fälle im Land bestätigt, 47 Menschen starben nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

Die tägliche Wachstumsrate liegt aktuell bei acht Prozent. Für Entwarnung sei es viel zu früh, betonte Carola Reimann. „Wir sehen, dass es ein bisschen besser wird“, sagte sie. Noch sei die Kurve aber „nicht so flach, wie ich mir das wünsche“. Wann die Spitze der Entwicklung erreicht sei, könne bisher niemand absehen.

„Hochsicherheitstrakt“: Coronavirus wird an untypischem Ort in Niedersachsen getestet

Die Nutzung der LAVES-Labore soll vor allem sicherstellen, dass Mitarbeiter aus Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben unbürokratisch und zügig getestet werden können, damit sie zum Beispiel nicht in Quarantäne müssen. Die zentrale Infrastruktur wie Polizei und Feuerwehr soll so aufrechterhalten werden. Die Tests aus Hausarztpraxen würden im LAVES hingegen nicht getestet, sagte Reimann.

Im Landesgesundheitsamt lag die Zahl der Tests zuletzt lediglich „im niedrigen dreistelligen Bereich“ pro Tag. Darüber hinaus wird bereits auch in privaten Laboren getestet.

Barbara Otte-Kinast verglich die LAVES-Labore, in denen künftig Coronavirus-Tests stattfinden, mit einem „Hochsicherheitstrakt“. Eigentlich werde dort auf die Geflügelpest oder die Afrikanische Schweinepest getestet. „Wir betreten hier Neuland“, sagte Otte-Kinast. Die Pandemie erfordere aber neue Wege im Krisenmanagement.

Nach Angaben des LAVES ist Niedersachsen nicht das erste Bundesland, das auf Labore für Tierseuchen zurückgreift. Auch Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg nutzten diese Kapazitäten bereits.

FDP fordert Coronavirus-Expertenrat in Niedersachsen

Die FDP im Landtag forderte derweil einen Coronavirus-Expertenrat in Niedersachsen, um eine Strategie für den Ausstieg aus den Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu beraten. Derzeit seien diese Regeln notwendig, auf Dauer stellten sie aber „eine schwere Belastung für eine freie Gesellschaft dar“, sagte Fraktionschef Stefan Birkner. Es brauche daher eine öffentliche Debatte darüber, wie verantwortungsvolle Lockerungen aussehen könnten. In dem Expertengremium könnten Wissenschaftler, Vertreter wichtiger gesellschaftlicher Gruppen und der Wirtschaft per Video beraten.

dpa/lni

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