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Lebend-Impfung gegen Corona: Virologe Drosten spricht von „Meilenstein“

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Von: Yannick Hanke

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Virologe Christian Drosten zeigt Hoffnung hinsichtlich eines Pandemie-Endes. Omikron versteht er als Chance. Und die Lebend-Impfung gegen Corona als „Meilenstein“.

Berlin – Die Omikron-Variante* vom Coronavirus breitet sich weiter in Deutschland aus. Für den Virologen Christian Drosten ist dies jedoch zwangsläufig kein Grund, um besorgt zu sein. Im Gegenteil: Drosten sieht in der milder verlaufenden Omikron-Variante* eine Chance und macht Hoffnung auf ein Leben, wie wir es vor der Pandemie kannten. Die sogenannte „Lebend-Impfung“ spielt hierbei eine große Rolle.

Virologe:Christian Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter 49 Jahre), Lingen (Ems)
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000) u.v.m.

Christian Drosten sieht Positives in der Corona-Pandemie: „mRNA-Technologie ein Riesen-Durchbruch“

Doch der Reihe nach. Im Interview mit dem „Tagesspiegel am Sonntag“ geht Drosten davon aus, dass noch ein paar Jahre lang Maske getragen werden müsse. Ein nerviger Faktor, wie der Wissenschaftler von der Berliner Charité anmerkt. Doch werde es auch „ein paar Benefits“ geben.

Virologe Christian Drosten zieht sich eine FFP2-Maske gegen das Coronavirus über die Nase. Neben ihm ist ein Nasenspray platziert.
Virologe Christian Drosten spricht von einer Lebend-Impfung gegen Corona. Was hat es damit auf sich? (24hamburg.de-Montage) © Kay Nietfeld/dpa/Wolfram Kastl/dpa

Damit meint Drosten, dass das Coronavirus die Medizin letztendlich vorangebracht habe. „Die mRNA-Technologie ist ein Riesen-Durchbruch, auch für Krebs und für andere Infektionskrankheiten, denken wir allein mal an Influenza“. Und wie verhält es sich konkret mit der gegenwärtigen Pandemie, die in Hamburg zu einer Rekord-Inzidenz führt? Auch hierzu weiß sich Drosten in aller Ausführlichkeit zu äußern.

Booster-Impfung gegen Corona alle paar Monate nicht umsetzbar: Virologe Christian Drosten spricht Klartext

„Ja, wir müssen in dieses Fahrwasser rein, es gibt keine Alternative“, bezieht sich Christian Drosten auf die Frage, ob sich alle Menschen über kurz oder lang mit Covid-19 infizieren lassen müssen. Denn eines steht für den renommierten Wissenschaftler aus der Hauptstadt auch fest:

Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten.

Virologe Christian Drosten spricht im Interview mit dem „Tagesspiegel“ über das weitere Vorgehen hinsichtlich der Eindämmung vom Coronavirus

Dementsprechend plädiert Drosten für eine Verbreitung vom Virus, jedoch „auf Basis eines in der breiten Bevölkerung verankerten Impfschutzes“. Denn andernfalls würden „zu viele Menschen sterben“. Im Folgenden bedient er sich eines sprachlichen Bildes, um die konkrete Situation zu veranschaulichen.

Lebend-Impfung gegen Corona: Christian Drosten sieht „nächsten Meilenstein“ im Kampf gegen die Pandemie

Nach Ansicht von Drosten ist die abgeschwächte Infektion auf dem Boden der Impfung wie ein fahrender Zug, auf den man aufspringen würde. Dies sei irgendwann auch nötig, da man sonst nicht weiterkommen würde. Und derzeit fahre dieser Zug angenehm langsam, da Omikron über eine verringerte Krankheitsschwere verfüge. Dennoch warnt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor eine Durchseuchung mit Omikron*.

Nichtsdestotrotz bleiben Impfungen gegen das Coronavirus das wohl größte Faustpfand im Kampf gegen die Pandemie. Als „nächsten Meilenstein“ bei dieser Bekämpfung betrachtet Drosten eine „Lebend-Impfung“ mit einem abgeschwächten Virus oder einer modernen Variante davon.

„Viel besserer Übertragunsschutz“: Christian Drosten schwärmt von Lebend-Impfung gegen Corona

Diese Lebend-Impfung gegen Corona „müsste man in die Nase geben und so dann Schleimhaut-Immunität auslösen. Das wäre ein viel besserer Übertragungsschutz, es wäre der nächste Meilenstein“, heißt es von Christian Drosten. De facto sei hierfür in der Forschung schon alles da. Es wäre eine Abkehr von gängigen Impfungen gegen das Coronavirus*.

Zudem würden auch bereits klinische Studien der Phase 1 und 2 laufen, die aber zunehmend schwieriger durchzuführen seien. „So etwas müsste man ja eigentlich erstmal an Leuten testen, die einerseits noch ungeimpft sind und noch nicht infiziert waren, andererseits aber Impfungen gegenüber positiv eingestellt sind – und bei so etwas mitmachen. Und davon gibt es inzwischen nur noch sehr wenige“, ordnet Drosten ein.

Vorteil einer Lebend-Impfung: Schutz vor Corona, der ein ganzes Leben anhalten kann

Konkret könnte diese Lebend-Impfung gegen das Coronavirus per Nasenspray erfolgen. Wo drin besteht aber der Unterschied zu Totimpfstoffen*? Im Gegensatz zu diesen Vakzinen besteht ein Lebendimpfstoff aus einer nur sehr geringen Menge an funktionsfähigen Keimen.

Diese sind so sehr abgeschwächt, dass sie sich zwar immer noch vermehren, die Krankheit bei immunkompetenten Impflingen aber nicht mehr auslösen können. Ein Fakt, der direkt zu den Vorteilen einer Lebend-Impfung führt. Diese imitieren eine natürliche Infektion, beispielsweise mit dem Coronavirus, und garantieren nach der Grundimmunisierung einen Schutz, der lange oder sogar lebenslang anhält.

Nachteil einer Lebend-Impfung: Kann Beschwerden wie eine Corona-Erkrankung selbst auslösen

Doch bringen Lebend-Impfungen auch Nachteile mit sich. Für immungeschwächte Personen sind sie schlicht nicht geeignet, da sich die Impferreger bei einer vorliegenden Immunschwäche zu stark ausbreiten. Zudem kann diese spezielle Form der Impfung Beschwerden wie eine Krankheit selbst hervorrufen. Dies geschieht allerdings nur selten.

Sollte dieser Fall doch eintreten, fallen die Krankheitssymptome nach der Lebend-Impfung jedoch meist sehr schwach aus und dauern nur wenige Tage an. Doch allein wegen dieser Nachteile respektive Risiken spricht Christian Drosten auch davon, erst einmal entsprechende Tests durchzuführen, ehe im großen Stil per Lebend-Impfung gegen Corona vorgegangen werden kann. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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