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Corona im Herbst: Subtyp und neue Impfstoffe beschäftigen Lauterbach

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Von: Andree Wächter

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Experten haben drei Modelle für den Corona-Herbst durchgespielt. Das Gute: Viele Menschen sind geimpft. Lauterbach hofft auf angepasste Impfstoffe.

Hannover - Der Expertenrat der Bundesregierung spielte einige mögliche Szenarien für den Corona-Herbst durch. Trotz über zwei Jahren Erfahrungen, lässt sich eine zuverlässige Prognose natürlich nicht geben. Zu ungewiss ist beispielsweise die Verbreitung des Subtyps Omikron BA.5, der gerade in Portugal die Vorherrschaft übernommen hat. Die aktuellen Zahlen für Niedersachsen sind auch wieder steigend.

Corona Variante Alpha (B.1.1.7)Bekannt seit September 2020
Variante Gamma (P.1)Bekannt seit November 2020
Variante Delta (B.1.617.2)Bekannt seit Oktober 2020
Variante Omikron (B.1.1.529)Bekannt seit November 2021

Das Corona-Infektionsgeschehen in Niedersachsen ist sich im Vergleich zur Vorwoche deutlich verstärkt. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag bei 371,9 - nach 286,8 am vergangenen Donnerstag (2. Juni). Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Höher als in Niedersachsen war die Inzidenz im Bundesländervergleich lediglich in Schleswig-Holstein (459,9) und Hessen (394,8).

Sie liefert jedoch kein vollständiges Bild der Corona-Lage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl von Fällen aus, die nicht vom Robert-Koch-Institut erfasst werden - auch weil nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen positiver Tests oder Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Der beste Schutz vor einer schweren Erkrankung und möglichen Langzeitfolgen ist die Corona-Impfung.
Der beste Schutz vor einer schweren Erkrankung und möglichen Langzeitfolgen ist die Corona-Impfung. © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

In Niedersachsen wurden am Donnerstag 11.059 neue Infektionen erfasst, 12 Menschen starben innerhalb eines Tages im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz in den Kliniken stieg ebenfalls auf 4,8 - nach 3,9 vor einer Woche. Diese Zahl gilt als maßgebliche Größe zur Bewertung der Lage – sie misst, wie viele Menschen bezogen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kamen. Die Belegung der zur Verfügung stehenden Intensivbetten im Land betrug wie schon vor einer Woche 1,9 Prozent.

Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen meldete der Landkreis Uelzen mit 606,1. Es folgten die Landkreise Oldenburg (601,7) und Ammerland (573,1). Den niedrigsten Wert verzeichnete der Landkreis Leer mit 175,5. Im kleinsten Bundesland Bremen lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 302,1 nach 241,4 in der Vorwoche. Innerhalb eines Tages wurden dort 727 neue Corona-Fälle registriert, weitere Todesfälle gab es nicht.

Corona im Herbst: drei mögliche Szenarien durchgespielt

Die Zahlen könnten im Herbst und Winter wieder ganz anders aussehen. Besonders schlimm wird es, wenn es bis dahin eine neue Virusvariante mit höherer Übertragbarkeit und schwererer Krankheitslast entstehen. Auch vollständig geimpfte Personen mit Risikofaktoren könnten dann schwer an Corona erkranken, so der Expertenrat. Das Gesundheitssystem würde einer neuen Belastung standhalten müssen. „Erst etwa im Frühjahr 2023 könnten allgemeine Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebot zurückgefahren werden“ so die Experten der Bundesregierung.

In der mittleren Variante, auch Basisszenario genannt, wird davon ausgegangen, dass die Krankheitslast ähnlich bleibt wie bei den aktuellen Omikron-Varianten. „Dann sei eine Winterwelle zu erwarten, die sich über mehrere Monate streckt. Das könne zu vermehrten Arbeitsausfällen führen, die erneut flächendeckende Maßnahmen wie Abstandsregeln und Maskenpflicht in Innenräumen nötig machen könnten“, schreiben die Mitglieder des Expertenrates.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet damit, dass im Herbst ein an die Omikron-Varianten angepasster Impfstoff zur Verfügung steht.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet damit, dass im Herbst ein an die Omikron-Varianten angepasster Impfstoff zur Verfügung steht. © IMAGO/Chris Emil Janssen

Im günstigsten Fall könnte sich eine Virusvariante mit einer noch geringeren Krankheitsschwere als bei den Omikron-Stämmen durchsetzen. Dies würde bedeuten, dass es keine weiteren Schutzmaßnahmen geben müsste. Stattdessen könnten andere Atemwegserkrankungen mehr werden. Unklar ist die Lage bei Kindern. Weil sie nur in Teilen geimpft sind, könnte ein gewisser „Aufholeffekt“ eintreten.

Der Expertenrat um Heyo Kroemer hat auch klare Punkte benannt, wie Deutschland durch den Corona-Herbst kommt.

Die Männer und Frauen sind nach Ansicht des Gremiums relativ gut auf den Herbst vorbereitet, weil sich inzwischen sehr viele Menschen immunisiert haben. Dies geschah auf natürliche Weise durch eine Ansteckung, oder weil sie geimpft sind. Einen Tipp hat der Expertenrat der Bundesregierung: Maskentragen, Abstandhalten und das Beachten der Hygieneregeln schützen vor einer Infizierung. Der beste Schutz vor einer schweren Erkrankung und möglichen Langzeitfolgen ist die Corona-Impfung.

Corona-Herbst: Lauterbach macht Mut auf angepassten Impfstoff

Für mögliche neue Corona-Varianten sollte es auch einen passenden Impfstoff geben. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, er rechne frühestens im September mit den neuen Impfstoffen. Er sei zuversichtlich, dass es sehr gute angepasste Impfstoffe geben werde. Es gebe vielversprechende Daten von Moderna, auch mit Biontech sei man im Kontakt, so der Minister.

Auch die Bundesländer und Bundesregierung bereiten sich auf einen Corona-Herbst vor. Kürzlich sagte Kanzler Olaf Scholz (SPD): Wir haben jetzt Sommerreifen drauf – es geht darum, dass wir auch die richtigen Winterreifen bereit haben.“ 

Corona: Niedersachsens Gesundheitsministerin will kostenlosen Bürgertests behalten

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens hat sich dafür ausgesprochen, die kostenlosen Bürgertests auf das Coronavirus beizubehalten. Sie halte es für einen klugen Ansatz, die Tests bis auf Weiteres für all diejenigen zur Verfügung zu stellen, die sich freiwillig testen möchten, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag. Verpflichtende Tests in Schulen und Kitas sowie fast allen Teilen des öffentlichen Lebens sind dagegen mittlerweile abgeschafft worden.

Die Pandemie ist nicht vorbei

Gesundheitsministerin Daniela Behrens

Mit Blick auf die am Mittwoch veröffentlichten Empfehlungen des Corona-Expertenrats der Bundesregierung erklärte Behrens, einer der entscheidenden Punkte sei aus ihrer Sicht die Erkenntnis, dass die Corona-Lage dank der Schutzimpfungen heute deutlich besser sei als vor einem Jahr. „Gleichzeitig ist die Pandemie nicht vorbei und wir müssen gerade mit Blick auf den Herbst auf alle im Papier beschriebenen Szenarien vorbereitet sein.“

Dazu gehöre auch die Aufrechterhaltung von Impfteams in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt. „Nur so können wir bei Bedarf erneut sehr schnell sehr viele Menschen ein weiteres Mal impfen und auch über den Sommer aufsuchende Impfangebote anbieten“, sagte die Ministerin. Bisher gelten laut Robert Koch-Institut in Niedersachsen 77,3 Prozent der Menschen als grundimmunisiert.

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