Kritik an Labor-Theorie

Ursprung der Corona-Pandemie: Christian Drosten vermutet Pelzindustrie

  • Annabel Schütt
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Woher das Coronavirus stammt, ist eine Frage, die eineinhalb Jahre nach Ausbruch immer noch unklar ist. Christian Drosten hat seine eigene Theorie.

Der Ursprung des Erregers Sars-CoV-2 ist noch immer unbekannt. Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit Längerem gemunkelt, dass das Coronavirus von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder in einem Labor in Wuhan (China) in Folge eines Laborunfalls freigesetzt wurde. Der Berliner Charité-Chefvirologe Christian Drosten verfolgt jedoch eine ganz eigene Theorie.

Virologe:Christian Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter 48 Jahre), Lingen (Ems)
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000)
Auszeichnungen:Deutscher Radiopreis - Sonderpreis des Beirats

Ursprung des Coronavirus: Christian Drosten hält Chinas Pelzindustrie für plausibelste Quelle

Woher stammt das hochansteckende Coronavirus, das monatelang unzählige Existenzen zerstörte und zahlreiche Todesopfer brachte? Bislang gibt es diverse Mutmaßungen, wo die weltweite Pandemie ihren Ursprung nahm. Ganz vorne mit dabei: ein versehentlicher Laborunfall in Wuhan (China)* oder die Übertragung von Fledermäusen über Zwischenwirte, als sogenannte Zoonose.

Berliner Virologe Christian Drosten hingegen verfolgt eine ganz eigene Theorie. Die plausibelste Antwort auf die Frage, die aktuell Experten, Wissenschaftler und Ärzte auf der ganzen Welt bewegt, ist für Drosten: Die Pelzindustrie ist Herkunft von Corona*. „Ich habe dafür keinerlei Belege, außer die klar belegte Herkunft von Sars-1, und das hier ist ein Virus der gleichen Spezies. Viren der gleichen Spezies machen die gleichen Sachen und haben häufig die gleiche Herkunft“, so Drosten gegenüber dem Schweizer Online-Magazin „Republik“.

Ursprung des Coronavirus: Schon 2002 und 2003 sorgte ein Sars-Virus aus China für Tote

Schon einmal hat ein aus China kommendes Sars-Virus in den Jahren 2002 und 2003 viele Menschen getötet. Die damalige Infektion bekam den Namen „Schweres Akutes Atemwegssyndrom“ (kurz: Sars) und weist zahlreiche Ähnlichkeiten zum derzeit grassierenden Coronavirus (Sars-CoV-2) auf. Damals seien die Übergangswirte Marderhunde und Schleichkatzen, die für die Pelzindustrie verwendet werden, gewesen.

Die wilden Marderhunde, die in die Zuchtbetriebe gelangten, könnten zuvor Fledermäuse gefressen haben, die als möglicher Ursprung von Sars-CoV-2 gelten. „Marderhunden und Schleichkatzen wird lebendig das Fell über die Ohren gezogen. Die stoßen Todesschreie aus und brüllen, und dabei kommen Aerosole zustande. Dabei kann sich dann der Mensch mit dem Virus anstecken“, erklärt der Charité-Virologe, der die Bundes-Notbremse kritisierte*, den damaligen Sars-Ausbruch.

Berliner Virologe Christan Drosten glaubt, dass das Coronavirus seinen Ursprung in der Pelzindustrie hat. (24hamburg.de-Montage)

Laborunfall für Christian Drosten unwahrscheinlich: Virologe glaubt an Corona-Ursprung in Pelzindustrie

Allerdings habe er bislang „in der naiven Vorstellung“ gelebt, dass es unmöglich wäre, dass erneut die Pelzindustrie als möglicher Ausgangspunkt einer Pandemie infrage kommen könne, da er davon ausgegangen sei, dass Schleichkatzen und Marderhunde als potenzielle Übergangswirte inzwischen kontrolliert würden: „Für mich war das eine abgeschlossene Geschichte. Ich dachte, dass diese Art von Tierhandel unterbunden worden sei und dass das nie wieder kommen würde. Und jetzt ist Sars zurückgekommen.“ Bislang gebe es jedoch keine konkreten Hinweise, geschweige denn Studien, dass der Übergang des Coronavirus auf den Menschen über Pelztierfarmen ablief.

Auch zu den möglichen Labor-Theorien bezog Christian Drosten gegenüber „Republik“ Stellung: „Es gibt ja eigentlich zwei Labor­-Thesen. Die eine wäre Böswilligkeit, dass also jemand absichtlich ein solches Virus konstruiert hat. Die andere wäre der Forschungs­unfall, dass also trotz guter Absicht und Wissbegierde ein Experiment schief­gegangen ist.“ Allerdings hält der Berliner Virologe einen solchen Laborunfall für recht unwahrscheinlich. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/picture alliance/dpa & teamwork/IMAGO

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