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Chef feuert 900 Mitarbeiter – im Video-Meeting: „Es war herzlos!“

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Von: Bona Hyun

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Ein Chef entlässt 900 Beschäftige ohne Vorwarnung mit sofortiger Wirkung aus dem Arbeitsverhältnis – und das per Zoom-Call. Das Team ist völlig fassungslos.

New York City – Chef Vishal Garg sorgt für Aufsehen in den internationalen Medien. Der Vorsitz von dem Hypotheken-Firma Better.com lädt seine Personal zu einem virtuellen Meeting ein. Nach einigen kurzen Ankündigungsworten folgt dann die böse Überraschung: auf der Stelle entlässt Garg ganze 900 Mitarbeitern in einem einzigen Zoom-Call. Kündigungsgrund seien der gesunkene Marktwert und die geringe Produktivität der Betroffenen. International äußerten sich Kritiker zu der Massenkündigung.

Fläche von New York City783,8 Quadratkilometer
Gegründet1624
Höhe10 Meter
Bevölkerung8,419 Millionen (2019)

900 Mitarbeiter betroffen: Arbeit mit sofortiger Wirkung beendet

Der Chef des Kreditanbieters better.com beordert 900 Mitarbeiter zu einem Zoom-Call. In einem Videomitschnitt, welcher dem Sender CNN vorliegt, sitzt Vishal Garg an seinem Schreibtisch und eröffnet den Call mit den Worten “Der Markt hat sich verändert.“ Den ahnungslosen Teilnehmern ist auch das Anliegen für das Zoom-Meeting zunächst nicht bekannt. Garg fährt fort und erklärt, er habe keine erfreulichen Nachrichten. Beim letzten Mal habe er bei dieser Verkündung geweint. Dieses Mal wolle er stärker sein.

Better.com CEO Vishal Garg auf dem Bildschirm in einem Zoom Call mit Mitarbeitern
Better.com-Chef Vishal Garg kündigt 900 seiner Mitarbeiter über Zoom. (24hamburg.de-Montage) © Forbes/Facebook (screenshot)/imago

Nach dem vermeintlich sentimentalen Moment dann die unerbittlichen Neuigkeiten in knappen und kühlen Worten: „Wenn Sie an diesem Gespräch teilnehmen, gehören Sie zu den Unglücklichen, die entlassen werden. Ihr Arbeitsverhältnis ist mit sofortiger Wirkung beendet.“ Weitere Informationen zum Verfahren würden durch die Personalabteilung erfolgen. Die sofortige Kündigung mehrerer Beschäftige beschäftigte die Medien in letzter Zeit eher andersrum – weil eben die Teams selbst hinschmissen: Ein ganzes McDonalds-Team kündigte und haute während der Schicht einfach ab. Andere Ladenmitarbeiter kündigten geschlossen wegen ihres Hungerlohns – das Gehalt reichte einfach nicht, um die eigene Familie versorgen zu können.

900 Mitarbeiter im Zoom-Call gefeuert – und komplett fassungslos: „Das glaube ich einfach nicht!“

Mit dieser Nachricht hat keiner gerechnet. „Das glaube ich einfach nicht!“, hört man eine Frau öfters sagen. Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter teilte NBC News mit, dass er komplett aus dem Nichts von der Nachricht getroffen wurde, es gab offenbar weder Vorwarnungen noch Anzeichen. Laut seinen Aussagen habe der Mitarbeiter hervorragende Bewertungen bekommen und sehr viel geholfen, die Firma aufzubauen. „Ich dachte ich wäre ein fester Bestandteil des Teams. Anscheinend habe ich einfach nur meine Zeit vergeudet!“ Christian Chapman, einer der gekündigten Mitarbeiter, fasst die Aktion in wenigen, umso treffenderen Worten zusammen: „Es war herzlos!“

Ex-Mitarbeiter Christian Chapman gehörte zu den Gekündigten, die von Vishal Garg entlassen wurden über Zoom
„Es war herzlos!“ Christian Chapmann (links) war einer von Vishal Gargs (rechts) Angestelllten. © CBCNovaScotia/facebook (screenshot)

Auf plötzliche Kündigungen folgen oft emotionale Kurzschlussreaktionen, bei denen die Betroffenen direkt zu Rache-Taten schreiten: Als einem Verkäufer gekündigt wird, brettert der Mitarbeiter mit dem Auto in den Walmart-Laden seines ehemaligen Chefs. Auch ein anderer Mann konnte seine Emotionen nicht im Zaum halten: Nach seiner Kündigung fuhr er absichtlich das Auto des Chefs zu Schrott – mit seinem eigenen Dienstwagen, so sorgte er für doppelte Firmenschaden. Leisen, aber großen Schaden richtete auch diese Mitarbeiterin an – direkt nach der Kündigung löscht die Bankerin über 20.000. Kundendaten*.

Es war herzlos.

Christian Chapman, einer der gekündigten Mitarbeiter

Gründe für Kündigung von 900 Leuten im Zoom-Meeting: Ineffizienz und langsame Produktivität

Garg äußerte sich folgendermaßen zu den Kündigungsgründen: neben den Marktveränderungen hätten die auserwählten Mitarbeiter in der Vergangenheit nur schwache Leistung erbracht. Diese habe er mithilfe einer ausführlichen Datenanalyse eines Dienstleisters ausgewertet. Es sei daher notwendig, die 900 Mitarbeiter, die neun Prozent des gesamten Personals ausmachen, zu entlassen. Dabei hat die Finanzplattform, die Immobilienkredite vermittelt, erst kürzlich 750 Millionen US-Dollar von einem der Hauptinvestoren, einer japanischen Softwarefirma, erhalten.

Schon in der Vergangenheit war Firmenchef Garg durch Vorwürfe und fiese Äußerungen gegen seine Mitarbeiter aufgefallen. In einer Mail, die dem Magazin Forbes vorliegt, zieht er über sein Team her: Er bezeichnet die Beschäftigten als einen Haufen „dummer Delphine“, für die er sich schämen würde. Laut Forbes habe Garg zudem einen anonymen Blog geführt und mindestens 250 Mitarbeitern vorgeworfen, nicht mehr als zwei Stunden pro Tag zu arbeiten. „Die haben von euch gestohlen und ebenso haben sie von den Kunden gestohlen, die die Rechnungen zahlen, mit denen ihr eure Rechnungen bezahlt.“ schreibt er in dem Blog.

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Nach internationaler: Chef entschuldigt sich für respektlose Kündigung – sonst passiert nichts

Anne Franck, Vorsitzende des Britischen Chartered Management Institute, kritisiert die Massenkündigung vom Better.com-Chef. Nur schlechte Manager würden Mitarbeiter auf respektlose Weise kündigen, egal, ob auf virtuellem oder persönlichen Weg, sagte sie der BBC. Franck vermutet, dass dieser Vorfall eine verheerende Auswirkung auf die Zukunft des Unternehmens wird. Gerade in Pandemiezeiten sei Empathie gegenüber den Mitmenschen notwendig. Laut Gemma Dale, Lehrende für Arbeitsrecht und Business an der Liverpool John Moores Universität, sei eine Massenkündigung im Vereinigten Königreich sogar illegal.

Erst nach dieser und weitaus schärferer Kritik in den internationalen Medien entschuldigte sich der herzlose Chef von better.com. Allerdings nicht persönlich – er schrieb einen Brief und veröffentlichte ihn auf der Unternehmens-Website. Es täte ihm leid, wie er die Mitarbeiter entlassen habe. Er habe die nötige Wertschätzung nicht gezeigt und die Betroffenen bloßgestellt. „Ich werde versuchen aus der Situation zu lernen“, sagt er in einem PR-Gespräch. Die geschassten Mitarbeiter können sich davon freilich nichts kaufen. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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