„Rassistische“ Markennamen

Bahlsen, Knorr, Nestlé: Diese Produkte haben wegen „Rassismus“ neue Namen

  • VonUlrike Hagen
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Bahlsen, Nestlé, Knorr – und noch viel mehr Marken kassieren Rassismus-Vorwürfe wegen ihrer Produktnamen. Die Konsequenz: Umbenennung in politisch korrektere Namen.

Hamburg – Über Geschmack lässt sich streiten, über Rassismus nicht: Er ist inakzeptabel. Das hat sich zum Glück inzwischen in vielen gesellschaftlichen Bereichen durchgesetzt. Ob es die Grünen sind, die das Dorf Negernbötel umbenennen möchten, oder Wissenschaftler, die wegen Rassismus über 1000 Vögeln neue Namen gegeben haben.

Auch die Lebensmittelbranche musste einige heftige Shitstorms über sich ergehen lassen. Vorwurf: Rassistische Namensgebung zahlreicher Marken und Produkte. Resultat: Viele klassische Leckereien finden sich unter anderen, politisch korrekten Namen in den Regalen.

Bahlsen nennt „Afrika“-Waffeln um: Kekse heißen jetzt „Perpetum“

Der Hannoveraner Keks-Hersteller hat im Juni die Reißleine gezogen – nach über 60 Jahren Markenname: Nach Rassismus-Shitstorm benannte Bahlsen die Afrika-Waffeln um. Der dunkle Waffel-Keks bleibt ein dunkler Waffel-Keks, heißt aber nun „Perpetum“, abgeleitet vom lateinischen „perpetuus“, übersetzt: beständig. Ganz schön dick aufgetragen für ein dünnes Schokoladengebäck...

Nestlé gibt „Negrita“-Keks wegen Rassismus-Vorwürfen neuen Namen „Chokitá“

Im Zuge der Rassismus-Debatte durchstöbert auch der Schweizer Konzernriese Nestlé seine Produktpalette, um diskussionswürdige Produktnamen auszusortieren. Darum trägt der Schokokeks „Negrita“ ab Oktober einen anderen Namen. Der in Schokolade getauchte Vanillekeks wird ab dann als „Chokita“ im Regal zu finden sein.

Wegen Rassismus-Vorwürfen hat Nestlé dem Keks den neuen Namen verpasst, denn „Negrita“ bedeutet übersetzt etwa „kleiner schwarzer Mensch“. Das Unternehmen reagiert damit auf eine „Kultur des Respekts und der Nicht-Diskriminierung“, die keinen Platz für Diskriminierung jeglicher Art biete.

Knorr macht die „Zigeunersauce“ politisch korrekt zur „Paprikasauce Ungarische Art“

Jahrzehntelang hatten wir die Flasche mit der roten Würzsauce auf dem Tisch stehen, ohne dass uns wirklich etwas auffiel. Erst vor wenigen Jahren fing man an, über den Begriff „Zigeunersauce“ zu diskutieren – und nachzudenken. Nach Knorr haben nun auch Homann und Bautz´ner das ketchupähnliche Produkt umbenannt. Die eigentlich nur konsequente Forderung an Gastronomen, auch das „Zigeunerschnitzel“ von der Karte verschwinden zu lassen, stößt jedoch nicht bei jedem Wirt auf Begeisterung.

„Uncle Ben‘s Reis“ ist nun „Ben‘s Original“: Name und Look der Werbefigur aus Zeit der Sklaverei in den USA

Viele Generationen sind mit „Uncle Ben“, dem sympathischen weißhaarigen Schwarzen auf der Reispackung, aufgewachsen. Heikel: Nicht nur seine Kleidung erinnert an die „Uniform“ von Haussklaven in den Südstaaten – der Name drängt den Verdacht geradezu auf: Mit „Uncle“ und Vornamen wurden männliche Sklaven angesprochen, weil man sie nicht „Mister“ nennen wollte. Dieses Privileg galt nur für weiße Männer. Nachdem all dies jemand auch der Firma Mars einmal erklärt hatte, nannte sie die Marke in aufwändigem Prozess in „Ben´s Original“ um. „Als eine globale Marke wissen wir, dass wir in der Verantwortung sind, dabei zu helfen, rassistische Vorurteile und Ungerechtigkeiten zu beenden“, so dass Statement dazu.

Rassismus adé: Aus dem „Sarotti-Mohr“ wurde der goldene „Sarotti-Magier“ 

Für die einen ist es eine süße Erinnerung an die Kindheit, für die anderen bitterer Alltagsrassismus: Der „Sarotti-Mohr“ ist die ehemalige Werbe-Figur des Schokoladenherstellers Sarotti, der das pluderbehoste Männchen seit 1918 auf seine Verpackungen druckte. Aber schon seit 2004 gibt es den „Botschafter des guten Geschmacks“ im Diener-Look als Markenzeichen gar nicht mehr. Die Firma Stollwerck ersetze ihn durch den auf einer Mondsichel mit Sternen jonglierenden „Sarotti-Magier“ mit goldener Haut. Vielleicht gerade von diesem radikalen Schritt inspiriert, fordert eine Initiative nun auch die Umbenennung aller Mohren-Apotheken.

Mit ihm ging´s los: Der Schokokuss, früher Negerkuss oder Mohrenkopf, bekam als Erstes einen politisch korrekten Namen.

Schluss mit „Mohrenkopf“ und „Negerkuss“: Dickmann´s heißen längst Schaumkuss

Im Frankreich wurden im 19.Jahrhundert die ersten Schokoküsse als „Tête de nègre“ produziert. In Deutschland eingeführt wurde der Name wörtlich als Mohrenkopf übersetzt. Wegen der damaligen Füllung mit Baiser (französisch: „Kuss“) entwickelte sich parallel auch der Name Negerkuss. Beide Begriffe sind rassistisch besetzt, darum verwendet man sie heute nicht mehr – schon gar nicht öffentlich. Die Dickmann´s heißen darum schon lange „Schaumküsse“.

Weil rassistisch: Food-Bloggerinnen fordern Umbenennung von „Curry“

Es ist nicht wirklich ein Markenname, aber auch der Begriff „Curry“ rückt gerade in den Fokus der „Political Correctness“: Zahlreiche Experten und Food-Blogger fordern die Umbenennung von „Curry“, weil der Begriff rassistisch sei. Sie erklären, dass es an der Zeit sei, den „britischen Kolonialbegriff“ zu streichen und klagen an, dass Curry ein künstlicher Sammelbegriff für völlig verschiedene Speise sei, die im Ursprungsland sehr wohl eigene Namen hätten – die weiße Menschen aus Bequemlichkeit aber einfach nicht erfahren wollten.

„Currys“ sollen, so die Forderung, zukünftig spezifischer definiert werden und nicht kategorisch unter diesem Begriff in einen Topf geworfen werden. Vielleicht also nur eine Frage der Zeit, bis der gute alte Curry-Ketchup auch aus dem Supermarkt-Sortiment fliegt... * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/Imago

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