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E-Auto: Brandgefahr in Parkhaus und Tiefgarage – wo darf man parken?

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Von: Ulrike Hagen

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Erste Parkhäuser verbieten E-Autos Anfang 2021 wegen Brandgefahr, einige heben das Verbot wieder auf. Wie ist die tatsächliche Lage: Wo dürfen E-Autos parken?

Berlin – Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der E-Autos fast verdreifacht, ihr Anteil an den gesamten Neuzulassungen betrug satte 30,4 Prozent. Doch brennende Elektroautos machen immer wieder Schlagzeilen: So löste ein Elektroauto einen Großbrand, bei dem ein Haus im letzten Moment gerettet wurde* und wegen Brandgefahr wurden zuletzt mehrere Elektro-Busse in Hannover aus dem Verkehr gezogen*. Deshalb hatten in Deutschland sogar schon einige Parkhäuser die Zufahrt für Autos mit E-Akku verboten. Antworten auf die Frage, ob Elektromobile in Parkhäusern und Tiefgaragen vielleicht bald nicht mehr parken dürfen.

Organisation:Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS)
Sitz:Berlin
Mitglieder:3.000
Präsident:Willi Schmidbauer

E-Auto: Brandgefahr in Parkhaus und Tiefgarage – wo darf man parken?

Auch wenn brennende Elektroautos immer wieder für Aufsehen sorgen, und darum selbst einige Hersteller wegen der Brandgefahr bereits einen 15 Meter-Abstand zum nächsten Fahrzeug empfehlen. Die Wahrnehmung täuscht. Denn in Brand geraten viel mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als Stromer. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Erstere sind relativ leicht zu löschen – ganz im Gegensatz zu den E-Autos. Ein Grund, warum in einigen Städten, beispielsweise in Kulmbach und Leonberg, bereits kurzzeitig Parkverbote für Stromer in Parkhäusern und Tiefgaragen ausgesprochen wurden.

Die Einfahrt einer Tiefgarage und ein Elektroauto
Brandgefährliche Elektroautos: in welchen Tiefgaragen dürfen sie noch parken? (kreiszeitung.de-Montage) © Norbert Neetz/imago

Brandgefährliche Stromer: Brennende E-Autos und Ladesäulen können ganze Gebäude zerstören

Tatsache ist: Wenn ein E-Auto brennt, kann es gefährlich werden*. Auch wenn Stromer und Hybrid-Autos mit eingebauten Lithium-Ionen-Batterien nicht häufiger brennen als Benziner oder Diesel, sie fackeln dramatisch anders ab: Bei Defekten setzt die Batterie das bis zu Zehnfache der Ladung an Wärme frei. Dabei entstehen Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius, innerhalb von einer Minute entzündet sich der gesamte Fahrgastraum, ergaben Untersuchungen. Zu den extrem hohen Temperaturen kommt die Gefahr von Lichtbögen und Stromschlägen von bis zu 1000 Volt. Weitere Brandgefahren gehen von den Ladesäulen, die in deutschen Innenstädten oftmals Mangelware sind, aus.

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Löschen von E-Auto-Brand braucht viel Zeit – und zehntausende Liter Wasser

Dazu kommt: Während das Feuer eines brennenden Benziners oder Diesels relativ rasch mit Löschschaum in den Griff zu bekommen ist, muss die Feuerwehr dem brennenden Stromer mit mehreren Tausend Litern Wasser begegnen, um den Akku herunter zu kühlen. Für den Einsatz des erforderlichen Löschwasser-Tanklastwagen fehlt es bei den alten Tiefgaragen häufig an Deckenhöhe..

E-Autos: Bundesverband fordert neue Brandschutzvorkehrungen für Garagen und Parkhäuser

Feuerwehr und Brandschutzexperten sind alarmiert. Und auch der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) fordert nun Brandschutzmaßnahmen, die den neuen Gefahren durch E-Auto-Brände Rechnung tragen. Der BVS plädiert für sensible Rauchmelder, Brandschutzbegehungen und eine Einbeziehung der Gebäudeversicherer. Auch solle bereits bei der Installation der Ladestationen, an denen E-Autos beim Laden massig Strom verlieren, der Brandschutz berücksichtigt werden. „Tiefgaragen, in denen es zu einem solchen Feuer komme, könnten danach abrissreif sein“, so der BVS.

Neue Parkhäuser und Garagen sind gegen Brandgefahr von E-Autos gerüstet

Bei Neubauten, so der Verband, werde der Brandschutz für E-Autos und Wallboxen meist bereits durch die Brandschutzplaner miteinkalkuliert. Das sähe aber bei Bestandsgebäuden, also auch älteren Parkhäusern oder -garagen, eben anders aus: „Wir empfehlen im Zusammenhang mit der Errichtung von Ladestationen in bestehenden Garagen auch den vorhandenen baulichen Brandschutz zu überprüfen. Gerade bei älteren Bestandsgebäuden erreicht dieser nicht das aktuell von Bauordnungen verlangte Niveau“, so Walter Herre, IHK-Sachverständiger für Schäden an Gebäuden aus Karlsruhe.

E-Auto zuhause sicher parken: Brandschutz auch für die heimische Ladesäule wichtig

Auch für private Bauherren mit E-Autos, deren Produktion inzwischen international bedroht ist, sei es empfehlenswert, den Brandschutz durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen. Beim nachträglichem Einbau von Wallboxen sei die Brandschutzbegehung durch professionelle Installationsfirmen oder qualifizierte Sachverständige vonnöten, so der BVS. In jeden Fall aber muss die Gebäudeversicherung über den Einbau einer heimischen, privaten Ladestation, deren staatliche Förderungen ausgelaufen ist, informiert werden.

Parken in Tiefgaragen und Parkhäusern für E-Autos weiter erlaubt – eines jedoch muss beachtet werden

Was heißt das nun konkret für alle E-Mobil-Fahrer? Eine Umfrage der „pcwelt“ in deutschen Großstädten ergab: Trotz der vor allem in alten Gebäuden vielfach erhöhten Gefahr bei brennenden Stromern gibt es kein Tiefgaragen-Verbot für E-Autos. oder Hybrid-Fahrzeuge. Aber: „Generell können sich Fahrzeuge aller Antriebsarten infolge von Defekten wie mechanischer Beschädigung, elektrischen Fehlern oder auch thermische Einwirkungen entzünden. Beschädigte E-Autos, aber auch defekte E-Bikes sollten darum nie in Tiefgaragen und Parkhäusern abgestellt werden.“, warnt der Sicherheits- und Brandschutz-Dienstleitungsexperte cws.

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