Braunschweiger Start-up gegen Covid-19

Corona-Medikament aus Niedersachsen könnte noch dieses Jahr kommen

Das Braunschweiger Unternehmen Corat Therapeutics plant noch in diesem Jahr die vorläufige Zulassung eines Medikaments gegen Covid-19 zu beantragen.

Braunschweig - Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Science Campus in Braunschweig eine gefragte Adresse. Virologen, Epidemiologen und Modellierer beraten sogar die Regierung im Kampf gegen das Virus. Beim Tempo in der Entwicklung von Corona-Medikamenten war zwar jüngst etwas Ernüchterung eingetreten, doch seit gut einem Jahr versucht in Braunschweig auch das Team von Corat Therapeutics zu helfen und entwickelt ein Medikament gegen Covid-19. Wenn alles gut läuft, ist noch in diesem Jahr eine vorläufige Zulassung möglich.

Stadt:Braunschweig
Bundesland:Niedersachsen
Stadtgliederung:19 Stadtbezirke
Einwohner:249.406 (31. Dez. 2019)

Die aktuelle Entwicklung könne zur Beantragung einer Notfallzulassung Ende des Jahres führen, sagte der wissenschaftliche Leiter von Corat Therapeutics, André Frenzel. Vor wenigen Tagen hatte das Start-up-Unternehmen den Beginn von klinischen Tests mit dem Wirkstoff an Patienten in Krankenhäusern vermeldet.

André Frenzel, wissenschaftlicher Leiter im Unternehmen Corat Therapeutics, prüft zahlreiche Kolben mit Antikörpermolekülen, die auf einem Laborschüttler stehen. Das im Jahr 2020 gegründete Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Braunschweig entwickelt ein Medikament gegen Covid-19.

„Jeder Patient, der stirbt, ist einer zu viel“, sagt André Frenzel vom fünfköpfigen Entwicklerteam bei Corat. Beim Gang durch die Räume des Start-up-Unternehmens im Süden Braunschweigs beschreibt er damit die Motivation der Forscher. Das Coronavirus werde uns noch lange begleiten. „Das scheint Fakt zu sein“, erzählt der wissenschaftliche Leiter. Das Mittel mit dem Entwicklungsnamen Cor-101 soll moderat bis schwer erkrankten Covid-19-Patienten helfen.

Corona-Medikament aus Niedersachsen: So funktioniert das Präparat gegen das Virus

„Das Medikament, das wir entwickeln, hat die Eigenschaft, dass es das Virus neutralisieren soll“, erklärt der 45-jährige Frenzel. Das bedeute in diesem Fall, dass das Virus an der Vermehrung in der Lunge behindert werde. Behandelt werden sollen Patienten, die mit teils schwerwiegenden Krankheitsverläufen in Kliniken liegen. „Wir entwickeln explizit für die hospitalisierten Menschen im Krankenhaus, weil es denen am schlechtesten geht“, sagt Frenzel.

Das Medikament, das wir entwickeln, hat die Eigenschaft, dass es das Virus neutralisieren soll.

André Frenzel, wissenschaftlicher Leiter im Unternehmen Corat Therapeutics

Der Wirkstoff ist laut Corat ein durch biotechnologische Methoden hergestellter Antikörper, wie ihn der Körper normalerweise selbst nach einer Infektion oder Impfung bildet. Er blockiere auf der Oberfläche des Virus mit sehr hoher Bindungsstärke genau jene Stelle, welche das Virus zum Andocken an menschliche Zellen benötige.

Das im Jahr 2020 gegründete Biotechnologieunternehmen Corat Therapeutics mit Sitz in Braunschweig entwickelt ein Medikament gegen Covid-19.

Der Unterschied zu anderen Antikörpern ist der Firma zufolge, dass das Mittel speziell darauf ausgelegt ist, keine überschießenden Immunantworten auszulösen, die zur Schädigung der Lunge beitragen. Möglich sei das durch das Ausschalten der entsprechenden Signalstellen im Molekül. Dadurch wird demnach eine Behandlung von Patienten mit hoher Viruslast ermöglicht, die bereits fortgeschrittene Erkrankungen aufweisen.

Corona-Medikament: Antrag auf Notfall-Zulassung bis Ende des Jahres möglich

Vor wenigen Tagen meldete das Start-up den Beginn von klinischen Tests mit dem Wirkstoff in Krankenhäusern. In dieser Phase soll die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von Cor-101 an insgesamt 45 Patienten an fünf deutschen Studienzentren bewertet werden. Der erste Patient wurde nach Unternehmensangaben am Universitätsklinikum Tübingen behandelt. Seit März bis voraussichtlich Juli sollen die Patienten mit moderaten bis schweren Krankheitsverläufen an der Testphase teilnehmen., heißt es auch in einer Mittelung der Stadt Braunschweig.  

Es wird nicht die eine Wunderpille gegen Covid-19 geben können.

Stefan Kluge, Koordinator der Behandlungsleitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

An der aktuellen Studie zu Cor-101 sind zudem die Unikliniken in Dresden und Leipzig sowie das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart und das Städtische Klinikum Braunschweig beteiligt. Ergebnisse dieser Testphase werden im Sommer erwartet, und das Corat-Team ist mit der Entwicklung zufrieden. „Das kann dazu führen, dass wir eine Notfallzulassung Ende des Jahres beantragen können“, sagt Frenzel. Parallel zum Start der klinischen Studien bereitet das Biotech-Start-up in enger Abstimmung mit dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut bereits die zweite klinische Testphase vor. Diese soll im August starten und mehr als 200 Erkrankte in voraussichtlich 16 klinischen Zentren in Deutschland und im europäischen Ausland umfassen, kündigt die Stadt Braunschweig an.

Aus der Medizin hatte es erst vor wenigen Wochen ernüchternde Stimmen zur Medikamentensuche gegeben. Derzeit würden rund 400 verschiedene Substanzen auf Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 untersucht, sagte Stefan Kluge, Koordinator der Behandlungsleitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Anfang April. Bei fast allen Studien habe es aber negative Ergebnisse gegeben. „Es wird nicht die eine Wunderpille gegen Covid-19 geben können“, bilanzierte jüngst Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Land Niedersachsen fördert Corat Therapeutics gemeinsam mit weiteren Geldgebern

Das Ministerium will auch deshalb die Medikamentenforschung mit 50 Millionen Euro fördern, nachdem ein Expertengremium für mehrere Projekte Empfehlungen ausgesprochen hatte. Darunter ist laut Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann auch das Braunschweiger Projekt. Das Land Niedersachsen fördert Corat Therapeutics zusammen mit weiteren Geldgebern bereits seit Juni 2020. Die jeweiligen Summen sind dabei nicht bekannt.

Das Ministerium will die Medikamentenforschung mit 50 Millionen Euro fördern. Niedersachsen unterstützt Corat Therapeutics zusammen mit weiteren Geldgebern bereits seit Juni 2020.

Mehrere Politiker aus Niedersachsen wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil oder Ministerpräsident Stephan Weil warben schon im März für weitere Corat-Förderungen. Damals hieß es, dass das Unternehmen zur Finanzierung der zweiten Testphase und zum Ausbau der Produktion des Medikaments insgesamt rund 50 Millionen Euro benötige.

Wir sehen Medikamente als drittes Standbein, um die Pandemie zu bekämpfen.

André Frenzel, wissenschaftlicher Leiter im Unternehmen Corat Therapeutics

Über die anschließenden positiven Signale aus Berlin wird sich auf dem Braunschweiger Science Campus gefreut. „Wir sehen Medikamente als drittes Standbein, um die Pandemie zu bekämpfen“, sagt der Biologe Frenzel. Zu den Anti-Corona-Maßnahmen und den Impfstoffen gehören für ihn definitiv Medikamente dazu. (Mit Material der dpa).

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich / dpa

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