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Antibiotika-Verbot für Haustiere: Mauzi und Bello in Gefahr?

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Von: Christian Einfeldt

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Gemäß einer Resolution des EU-Umweltausschusses sollen ab 2022 Antibiotika verboten werden. Tierärzte protestieren: Der Beschluss gefährde die Haustiere.

Frankfurt/Brüssel – Haustierbesitzer sind in großer Sorge. Auslöser ist eine neue Reform des EU-Umweltausschusses, die vorsieht ab 2022 Antibiotika zu verbieten. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (BpT) legt nun Protest gegen die Verordnung ein. Laut Präsident Siegfried Moser sei der Antibiotika-Einsatz für die Tiermedizin, die jährlich rund 700 Tonnen des Arzneimittels verwendet, unabdinglich. Sind durch das Antibiotika Verbot Haustiere in Gefahr?

Interessenvertretung:Bundesverband praktizierender Tierärzte
Gründung:1951
Sitz:Frankfurt am Main, Deutschland
Vorsitz:Dr. Siegfried Moder (Präsident)

Antibiotika Verbot Haustiere: „Mein Leben ist in Gefahr“ – BpT-Präsident initiiert Kampagne gegen Antibiotika-Verbot

Ab 2022 soll der Antibiotika-Einsatz innerhalb der EU massiv eingeschränkt werden. Bestimmte Medikamente sollen gar komplett aus dem Verkehr gezogen werden. Viele Haustierbesitzer sind infolgedessen in Sorge. Anlass gibt der aktuelle Protest des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte. Ein Plakat, das seit kurzem Hunderte Tierarztpraxen in Deutschland ziert, soll auf die vermeintlich drohenden Gefahren hinweisen. Die Überschrift: „Mein Leben ist in Gefahr“. Ein trauriger Hund blickt den Betrachter des Plakats an.

Welche Botschaft dahinter steckt, wird schnell ersichtlich. Die tierärztliche Behandlung sei auf den Einsatz von Antibiotikum angewiesen. Präsident und Initiator Siegfried Moser deutet auf „tierschutzrelevante Szenerien“, die den eingelegten Protest der Tierärzte begründen soll. Wie Moser erklärt seien etwa Kaninchen darauf angewiesen, antibiotisch behandelt zu werden. Doch stimmt das überhaupt? Bedroht die neue EU-Reform tatsächlich die Gesundheit von Haustieren, die von ihren Besitzern längst in die Familie aufgenommen wurden*?

Antibiotika Verbot Tiere: „Schleichenden Pandemie“ – Greenpeace-Aktivist warnt vor multiresistenten Keimen

Der EU-Umweltausschuss verfolgt mit ihrem Beschluss, das Ziel die Entstehung multiresistenter Keime, die laut dem NABU in Wildeshausen Kinder gefährden*, zu reduzieren. Die Gefahr ihres Auftretens ist insbesondere dann groß, wenn Antibiotika zu häufig oder unsachgemäß verabreicht wird. Laut der „Ärztezeitung“ würden jedes Jahr durchschnittlich 33.000 Menschen an Infektionen, hervorgerufen durch multiresistenten Keimen, sterben. Wirksame Antibiotika gegen diese Erreger gibt es nicht.

Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann warnte gegenüber der Nachrichtenagentur „AFP“ diesbezüglich bereits vor einer „schleichenden Pandemie“. Aufbauend auf den Entwurf der Tierarzneimittelverordnung aus dem Jahr 2019, sollen bereits im nächsten Jahr bestimmte Antibiotika verboten werden. Der EU-Umweltausschuss ernennt damit die Wirksamkeit von Antibiotika zur obersten Priorität.

Folge Mittel soll das Antibiotika Verbot für Tiere umfassen:

Verboten sind damit ab 2022 Antibiotika, die für den Menschen gefährlich sind und schwere Nebenwirkungen verursachen können. Letztgenanntes Arzneimittel stellt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die parallel die Bedrohung der Lambda-Corona-Variante beobachtet*, auch für Tiere eine Gefährdung dar.

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Antibiotika Verbot: „Massive Verzerrung der Realität“: BpT-Präsident in großer Kritik

Die Tierarzneimittelverordnung, die den Einsatz von Antibiotika bei Tieren* bestimmt, unterscheidet bislang nicht zwischen Vergaben an den stark kritisierten Massentierhaltungen für Billig-Fleisch* und den Behandlungen einzelner kranker Haustiere. Erst wenn die Frage geklärt ist, in welchem Ausmaß die Tiermedizin von der Reform betroffen ist, können sich etwaige Folgen für die Tierbehandlung ableiten lassen. Dass der entsprechende Gesetzestext noch rechtzeitig angepasst werden könnte, gilt laut Europarechtlern aktuell als äußerst unwahrscheinlich.

Ein Hund springt durch eine Wiese.
Gefährdet das Antibiotika-Verbot die Gesundheit von Haustieren? © Patrick Pleul/dpa

Doch bereits jetzt gerät BpT-Präsident und Protest-Initiator Siegfried Moder ins Kreuzfeuer. So etwa auch von Tierarzt Rupner Ebner, der seine Argumentation als eine „massiven Verzerrung der Realität“ kritisiert. Unlängst forderte er den Präsidenten gar zu seinem Rücktritt auf. Zufolge des aufgebrachten Tierarztes würde Moder einen entscheidenden Faktor verschleiern: Auch mit Inkrafttreten der neuen Verordnung, stünden der Tiermedizin noch genügend andere Antibiotika für die Behandlung zur Verfügung.

Ähnliche Worte fand Grünen-Politiker Martin Häusling, der unter anderem mitverantwortlich für die Beschließung der EU-Resolution ist. Wie Häusling klarstellt, soll die Einzelbehandlung von Haustieren auch in Zukunft noch möglich sein. Vielmehr verweist er darauf, dass es sein Bestreben sei, das Antibiotika-Verbot auf Massentierhaltung, dessen Bestand in Niedersachsen immer größer wird*, zu beschränken. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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