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Quereinsteigerin startet mit eigenem Stück am Theater Bremen durch

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Von: Maria Sandig

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Innerhalb kurzer Zeit hat Bremerin Natalie Shtefunyk das erste Mal in einem Theaterstück mitgespielt und führt nun auch Regie für ihr ein eigenes Stück.

Bremen – Natalie Shtefunyk bewegt sich wie eine Feder durch den Proberaum im Theater am Goetheplatz, während sie einen Song übt. „Gib mir die Kraft, daran zu glauben“ ist eine der Zeilen, die sie immer wieder singt. Sie ist aufgeregt – und sie strahlt.

Das Stück „Heimatherz & Herzheimat. Wanderung durch zwei Kulturen“, das im Juni Premiere hatte, hat Natalie in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Evgeny Cherepanov geschrieben und komponiert. Sogar das Bühnenbild hat sie selbst kreiert. Sie singt, tanzt und erzählt darin ihre persönliche Geschichte.

Krieg in der Ukraine: Natalie ist gezwungen, sich neu mit ihrer Heimat zu befassen

Das Stück ist vom Senator für Kultur und von der Theaterbundesstiftung 360 Grad gefördert. „Wenn ich darüber nachdenke, ist das für mich sehr emotional. Ich denke über den Weg nach, den ich gegangen bin, über die Höhen und Tiefen. Dann stelle ich fest, dass es der richtige Weg war.“ Das motiviere sie, andere Menschen zu inspirieren.

Die Bremerin kommt ursprünglich aus der Ukraine. Dort hat sie Wirtschaftswissenschaften studiert. Der Krieg in der Ukraine bedroht ihre Heimat existenziell und nun ist sie gezwungen, sich ganz neu mit ihrer Heimat zu befassen.

Natalie Shtefunyk vor einem Plakat des Theaters in Bremen.
Natalie fühlt sich in Bremen heimisch. Aber auch die Ukraine ist ihre Heimat. © Maria Sandig

„Die Neugier zu leben war immer präsent. Ich wollte die Welt sehen und mich weiterentwickeln“, sagt sie. Deshalb wagt sie einen großen Schritt und beschließt vor etwa 20 Jahren, nach Deutschland zu gehen. „So bin ich nach Bremen gekommen.“ An der Universität Bremen schließt sie ihr Informatikstudium ab.

Natalie fühlt sich in Bremen heimisch. Aber auch die Ukraine ist ihre Heimat. „Für mich fühlt es sich so an, als ob ich eine Patchwork-Identität habe. Ich habe zwei Heimaten, die ich sehr liebe.“ Die Künstlerin betont ihre Dankbarkeit dafür, dass sie in beiden Heimaten ihr Leben verbringen darf und kann. „Wenn ich zu Hause in der Ukraine bin, vermisse ich meine Freunde von hier, die Umgebung, ich vermisse mein alltägliches Leben, spazieren gehen an der Weser, die Luft“, erklärt sie. „Wenn ich hier bin, vermisse ich mein Zuhause in der Ukraine, den Duft am Wochenende, unseren Garten, unsere Nachbarn. Ich vermisse es, Kind zu sein.“

Die Erfahrungen im Theater haben meinen Mut noch stärker beflügelt.

Natalie Shtefunyk

Als Natalie Mutter wird, verändert sich ihr Leben. „Meine Tochter war meine Muse. Dank ihr habe ich sehr viel komponiert und geschrieben. Seitdem ich Mutter bin, ist sehr viel Positives in meinem Leben passiert“, erzählt sie. Durch ihre Geburt sei sie mutiger geworden. So kam es auch dazu, dass sie sich vor zwei Jahren für das Theaterstück „Mütter“ am Theater Bremen vorstellte, obwohl sie vorher noch nie etwas mit Theater zu tun hatte.

Ihr Mut zahlt sich aus: Im Stück „Mütter“, das seit 2019 am Theater Bremen aufgeführt wird, war Natalie Shtefunyk bereits zu sehen. Dort sang, tanzte und kochte sie mit 13 weiteren Frauen aus Bremen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Viele von ihnen haben, wie Natalie, eine internationale Geschichte. „Die Erfahrungen im Theater haben meinen Mut noch stärker beflügelt“, weiß sie heute. „Diese Anerkennung als Künstlerin, Performerin und Schauspielerin zu bekommen, bedeutet mir viel. Ich fühle mich dabei wohl, glücklich und angekommen.“ Daraus sei auch die Idee für ihr eigenes Stück entstanden.

Neben dem Theater in der Markthalle Bremen

„Während der Proben und durch das Kochen auf der Bühne habe ich noch mehr zu mir gefunden. Ich habe überlegt, was mir eigentlich immer wichtig war.“ Sie habe schon immer den Traum gehabt, ein Restaurant zu eröffnen. „Ein Restaurant, durch das ich an meine Heimat denke. Wo die Gäste zu uns kommen und ein Stück meiner Heimat probieren. Wo ich die Gäste so bewirte, wie bei uns zu Hause. Mit den Gerichten, die ich als kleines Kind gegessen habe.“

Diesen Traum hat sich Natalie 2019 erfüllt. „Durch das Stück habe ich gemerkt, was mir wichtig ist.“ Seitdem betreibt sie gemeinsam mit ihrem Bruder den ukrainischen Street-Food-Stand „Bab Maria“ in der Markthalle Acht in Bremen. Blinis, Wareniki und Borscht gehören zu den traditionellen Gerichten ihrer Oma Maria, die sie ihren Gästen anbietet.

„Dank dieser Herausforderung und der emotionalen Gespräche vor, während und nach des Theaterstücks bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt, was mir wichtig ist. Ich wusste: Ich will so leben, wie ich leben möchte und nicht wie ich muss“.

Alize Zandwijk hat sie auf ihrem Weg begleitet, auch bei Natalies eigenen Stück steht sie ihr als Mentorin beratend zur Seite. „Alize ist eine großartige Regisseurin, die mich persönlich sehr herausgefordert hat, über meinen eigenen Schatten zu springen und mich neu zu sehen. Mich auch als Schauspielerin wohl zu fühlen“, sagt Natalie dankbar. „Ich habe gemerkt: Das, was gerade in meinem Leben passiert, ist das, was ich mein Leben lang gesucht habe.“

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